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Samstag, 22.07.2017
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Neuer Blutsauger bedroht Europas Bienen

Zweite Art von asiatischen Varroamilben hat den Wirtwechsel geschafft

Fataler Wirtswechsel: Europas Honigbienen droht eine neue Gefahr. Forscher haben eine weitere Varroa-Milbenart entdeckt, die den Wirtswechsel von der asiatischen zur europäischen Honigbiene geschafft hat. Ähnlich wie die schon grassierende Varro destructor könnte dann auch Varro jacobsoni die Bienen parasitieren. Noch sind diese Milben zwar nicht in Europa angekommen, aber mit dem Handel könnte dies schnell geschehen.
Varroamilben saugen das Blut von Bienen und übertragen Krankheiten

Varroamilben saugen das Blut von Bienen und übertragen Krankheiten

Die vor rund 60 Jahren aus Asien nach Europa eingeschleppte Milbe Varroa destructor gilt als eine der größten Bedrohungen der europäischen Honigbienen. Denn die parasitischen Milben saugen das Blut von Bienenlarven, Puppen und Erwachsenen und schwächen ihre Abwehr. Hinzu kommt, dass die Parasiten oft Krankheitserreger übertragen, darunter das tödliche Flügeldeformationsvirus, aber auch krankmachende Bakterien.

Eine zweite Varroa-Art ist im Anmarsch


Jetzt droht den ohnehin durch die Milben, Pestizide und mangelnde Nahrung geschwächten Bienen die nächste Gefahr: eine zweite in Asien verbreitete Varroa-Art. Normalerweise befällt Varroa jacobsoni nur asiatische Bienenarten. Auf europäischen Honigbienen konnten die Milben zwar Blut saugen, sich aber nicht vermehren.

Doch jetzt haben Forscher festgestellt, dass einige Stämme dieser Milbenart sich an die europäische Honigbiene als neuen Wirt angepasst haben und sich nun auch auf ihr vermehren können. Aus Genvergleichen und Beobachtungsdaten geht hervor, dass diese neuen Stämme den Sprung auf den neuen Wirt innerhalb des letzten Jahrzehnts geschafft haben.


Verbreitung durch Bienenimport könnte schnell passieren


Bisher wurden diese Stämme von Varroa jacobsoni nur auf Papua-Neuguinea nachgewiesen. Aber nach Ansicht von Bienenforschern ist höchste Wachsamkeit angesagt. Denn die europäische Honigbiene wird weltweit als Honigproduzent und Bestäuber gehalten und gehandelt. Durch Import und Export verseuchter Völker könnte sich die Milbe daher rasant ausbreiten.

"Dies könnte eine echte Gefahr bedeuten", sagt Gladys Andino von der Purdue University. "Wenn diese Milbe außer Kontrolle gerät und sich verbreitet, dann könnten wir eine weitere Milbenplage wie bei Varroa destructor bekommen."

Einige Vertreter der Milbenart Varroa jacobsoni haben sich schon an die europäische Honigbiene angepasst.

Einige Vertreter der Milbenart Varroa jacobsoni haben sich schon an die europäische Honigbiene angepasst.

Unterschiede in der Genaktivität


Wie weit dieser Wirtswechsel der Varroamilbe bereits fortgeschritten ist, haben Andino und ihre Kollegen mit Hilfe von Genanalysen genauer untersucht. Sie ermittelten, ob und wie sich die Genexpression bei den auf asiatischen und auf europäischen Honigbienen parasitierenden Varroa jacobsoni-Milben unterscheidet.

Das Ergebnis: Die beiden Milbenvarianten unterscheiden sich in der Aktivität von 287 Genen. Bei der Wirtswechsel-Variante sind 91 Prozent dieser Gene stärker aktiv, viele davon sind mit Stressreaktionen verknüpft. "Das ergibt Sinn", sagt Andino. "Denn wenn man auf einem neuen Wirt parasitiert, muss man sich anpassen – und das erzeugt Stress."

Wiederholt sich die Geschichte?


Die Gendaten bestätigen damit, dass der Wirtwechsel noch nicht lange zurückliegt, der Anpassungsprozess der Milbe an ihre neue Nahrung läuft noch. Die Tatsache, dass Forscher den Wirtwechsel bei Varroa jacobsoni so früh entdeckt haben, weckt Hoffnung, die Ausbreitung dieser neuen Gefahr für die europäische Honigbiene noch begrenzen zu können – und zu verstehen, welche Mechanismen diesen Artensprung ermöglichen.

"Dies ist mit einer anderen Milbenart schon einmal passiert und es sieht so aus, als wenn sich die Geschichte wiederholt", sagt Andino. "Wenn wir es diesmal schon am Anfang erwischen, können wir vielleicht herausfinden, warum dies passiert und es aufhalten." (BMC Genomics, 2016; doi: 10.1186/s12864-016-3130-3
(Purdue University, 22.11.2016 - NPO)
 
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