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Sonntag, 22.01.2017
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Spätgebärende sind im Alter geistig fitter

Hormonschub durch späte Schwangerschaft hat positive Effekte auf das Gehirn

Vorteil der späten Geburt: Wenn eine Frau ihr letztes Kind erst mit 35 Jahren oder später bekommt, wirkt sich dies positiv auf ihre spätere geistige Fitness aus. Sie hat nach den Wechseljahren ein besseres verbales Gedächtnis als frühgebärende Mütter. Auch die längere Einnahme der Pille und ein früher Beginn der ersten Menstruation wirken sich offenbar günstig auf die mentalen Leistungen im Alter aus, wie eine US-Studie nun nahelegt.
Eine späte Schwangerschaft ist zwar risikoreicher, aber die geistige Fitness der Mutter profitiert später davon.

Eine späte Schwangerschaft ist zwar risikoreicher, aber die geistige Fitness der Mutter profitiert später davon.

Normalerweise gilt es als günstiger, wenn die Eltern ihre Kinder relativ jung bekommen. Denn vor allem das Risiko für schädliche Erbgut- und Chromosomenveränderungen wie die Trisomie 21 sind dann noch niedriger. Aber nicht immer klappt es früh, immerhin spielen dafür persönliche und beruflich-soziale Umstände eine Rolle. Sogar die Gene könnten neuesten Erkenntnissen nach darüber mitbestimmen.

Geburtsalter und geistige Fitness


Wie sich jetzt zeigt, könnte ein spätes Kinderkriegen aber zumindest für die Mutter sogar gesundheitliche Vorteile haben. Roksana Karim von der University of Southern California und ihre Kollegen haben untersucht, wie der Zeitpunkt des Kinderkriegens, die Anzahl der Geburten und die Einnahme der Pille die mentale Fitness von Frauen nach den Wechseljahren beeinflusst.

Für ihre Studie unterzogen die Forscher 830 Frauen im Alter von durchschnittlich 60 Jahren verschiedenen Tests, um ihr verbales Gedächtnis, ihre Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, ihre visuelle Wahrnehmung und das allgemeine Gedächtnis zu ermitteln. Sie verglichen dabei Frauen jeweils vergleichbaren Einkommens, Bildungsstands und ähnlicher Herkunft.


Besseres Gedächtnis


Das Ergebnis: Die Frauen, die ihr erstes Kind erst mit 24 Jahren oder später bekommen hatten, verfügten über ein besseres Arbeitsgedächtnis, eine bessere Aufmerksamkeit und schnitten in Problemlösetests besser ab. Die Frauen, die mit 35 Jahren oder später zuletzt schwanger waren, besaßen ein besseres verbales Gedächtnis als Frauen ohne Kinder oder mit früheren Geburtszeiten.

Aber nicht nur Geburten spielen eine Rolle für die spätere geistige Fitness: Auch ein früher Beginn der ersten Menstruation bei jungen Mädchen und die Einnahme der Pille über mindestens zehn Jahre hinweg scheinen sich positiv auf die mentalen Leistungen im Alter auszuwirken, wie die Studie ergab.

Günstiger Hormonschub


Der Grund dafür sind die Geschlechtshormone, wie die Forscher erklären. Schon länger ist bekannt, dass Östrogen und Progesteron die geistigen Leistungen fördern. Östrogen hat eine positive Wirkung auf den Hirnstoffwechsel und die Hirnfunktion, Progesteron fördert das Wachstum und die Entwicklung der Hirngewebe.

Eine späte Schwangerschaft sorgt für einen Schub dieser Hormone, der sich offensichtlich sogar noch über die Wechseljahre hinaus positiv auf das Gehirn auswirkt. "Wir würden deshalb zwar nicht empfehlen, dass alle Frauen bis 35 warten, bevor sie ihr letztes Kind bekommen", betont Karim. "Aber unsere Studie liefert starke Belege dafür, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen später letzter Schwangerschaft und den geistigen Fähigkeiten im Alter gibt."

Eine längere Einnahme der Pille wirkt wahrscheinlich deshalb positiv auf das Gehirn, weil sie die Hormonwerte auch in normalerweise östrogenarmen Zykluszeiten hoch hält. "Diese hormonellen Verhütungsmittel halten den Pegel der Geschlechtshormone im Blutstrom stabil – und stabil ist gut", sagt Karim. Aber auch das bedeute nun nicht, dass Frauen deshalb dauerhaft die Pille nehmen sollten. Denn aus anderen Studien weiß man, dass der Eingriff in den Hormonhaushalt das Risiko für bestimmte Krankheiten erhöhen kann. (Journal of the American Geriatrics Society, 2016; doi: 10.1111/jgs.14658)
(University of Southern California, 21.11.2016 - NPO)
 
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