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Dienstag, 28.03.2017
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Wurm gegen Asthma

Ein Hakenwurm-Protein schützt Mäuse vor der allergischen Überreaktion

Parasit als Helfer: Ein Protein des parasitischen Hakenwurms könnte möglicherweise gegen Asthma schützen. Versuche mit Mäusen zeigen, dass das Wurmprotein die allergische Entzündungsreaktion in Bronchien und Lungen verhindert. Auch in Kulturen menschlicher Zellen blockierte das Protein erfolgreich typische Allergiereaktionen. Ob dies auch bei Asthmapatienten funktioniert, ist aber noch unklar.
Der Hakenwurm Necator americanus produziert ein Protein, das die alllergische Reaktion bei Asthma unterdrückt.

Der Hakenwurm Necator americanus produziert ein Protein, das die alllergische Reaktion bei Asthma unterdrückt.

Schon länger gibt es Hinweise darauf, dass Parasiten auch ihr Gutes haben können: Menschen, die von bestimmten Würmern befallen sind, erkranken seltener an Allergien und Asthma. Forscher vermuten sogar, dass unsere Immunabwehr noch von früher daran angepasst ist, ständig vor solchen Parasiten auf der Hut zu sein. Weil es diese bei uns kaum mehr gibt, sucht sich das Immunsystem eine Art Ersatzgegner. Es reagiert dann selbst auf harmlose Allergene wie Milbenkot oder Pollen.

Allerdings: Nur die wenigsten Menschen dürften dazu bereit sein, sich zum Schutz vor Allergien mit parasitischen Würmern infizieren zu lassen. Forscher versuchen daher schon seit längerem, hinter das allergieschützende Rezept der Parasiten zu kommen. Severine Navarro von der James Cook University in Cairns und seine Kollegen könnten nun einen dieser Wirkstoffe gefunden haben.

Vom Darm zu den Bronchien


Bereits vor einiger Zeit hatten die Forscher festgestellt, dass bestimmte Proteine des Hakenwurms (Necator americanus) gegen entzündliche Darmerkrankungen helfen. Der zu den Nematoden gehörende Wurm gibt diese Stoffe ab, um sich ungestört im Darm seines Wirts ansiedeln zu können. Die Wirkstoffe hemmen die Immunreaktion und damit auch die Entzündung.


Die Idee der Forscher: Wenn die Hakenwurm-Proteine die fehlgeleitete Immunreaktion bei der Darmerkrankung hemmen, könnten sie vielleicht auch gegen die überschießende Reaktion beim allergischen Asthma wirken. Um das zu testen, verabreichten sie Mäusen ein bestimmtes Wurmprotein – AIP-2 genannt und provozierten anschließend einen Asthmaanfall.

Immunreaktion unterdrückt


Und tatsächlich: Während Kontrollmäuse sofort die asthmatypischen Immun-Reaktionen entwickelten, blieb der Anfall bei den mit AIP-2 behandelten Mäusen aus. "Das Protein unterdrückte die Entzündung der Atemwege und Lunge bei diesem Mausmodell von Asthma", berichten Navarro und seine Kollegen.

Nähere Untersuchungen ergaben, dass das Wurmprotein zum einen die Produktion entzündungsfördernder Botenstoffe in den Geweben unterdrückt. Zum anderen wirkt es auf bestimmte T-Zellen und verhindert, dass diese sich ansammeln und gewissermaßen "Alarm schlagen". Dies hemmte die allergische Reaktion – aber ohne allgemein immunsuppressiv zu wirken, wie die Forscher betonen.

Funktioniert das auch beim Menschen?


Für Asthma- und Allergie-Betroffene entscheidend ist allerdings die Frage, ob dieses Protein auch beim Menschen wirkt. Um das zu untersuchen, führten die Forscher Tests mit menschlichen Zellkulturen durch. Die Zellen, darunter auch T-Zellen, stammten von Patienten mit ausgeprägter Allergie gegen Hausstaubmilben.

Dabei zeigte sich: Wurden die Zellkulturen vorher mit dem Wurmprotein versetzt, reagierten sie deutlich schwächer auf Milbenallergene als unbehandelte Zellen. Die typische rasante Vermehrung von regulatorischen T-Zellen blieb aus, wie die Forscher berichten. Dies sei zumindest ein erster Hinweis darauf, dass das AIP-2 auch beim Menschen vor Asthma und anderen allergischen Reaktionen schützen könne.

Noch allerdings müssen weitere Tests folgen, die diese ersten vielversprechenden Ergebnisse überprüfen. So scheint das Wurmprotein bei den Mäusen bestimmte Zellen und Gewebe stärker zu beeinflussen als andere. Ob es daher die bei menschlichen Asthma-Patienten entscheidenden Atemwegsbereiche schützen kann, muss erst getestet werden. (Science, Translational Medicine, 2016; doi: 10.1126/scitranslmed.aaf8807)
(James Cook University, 27.10.2016 - NPO)
 
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