• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Dienstag, 24.01.2017
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Fischprodukte: Nicht immer ist drin, was draufsteht

Etikettierungen sind oft falsch oder irreführend

Verbrauchertäuschung: Viele Fische und Krebse sind falsch ausgezeichnet. Deswegen bekommen wir im Supermarkt und beim lokalen Fischhändler nicht unbedingt den Fisch, den wir erwarten. Denn Stichproben ergaben, dass zehn Prozent der Etikettierungen falsch oder irreführend sind. Eine falsche Etikettierung kann allergische Reaktionen beim Konsumenten hervorrufen und ist daher mehr als nur ein kommerzieller Betrug am Verbraucher.
Zehn Prozent der Fische sind falsch oder irreführend ausgezeichnet.

Zehn Prozent der Fische sind falsch oder irreführend ausgezeichnet.

Wer im Fischrestaurant einen Seeteufel bestellt, will keinen giftigen Kugelfisch essen. Damit das in der Praxis funktioniert, ist die Beschriftung von Fischprodukten in der EU seit 2002 Pflicht: Auf einem Fischprodukt müssen seither die kommerzielle Bezeichnung des Tieres, die Produktions-/ Fangmethode, das Fanggebiet und die wissenschaftliche Artbezeichnung angegeben werden.

Doch greifen die Vorschriften auch und bekommen deutsche Verbraucher den Fisch auf den Teller, der auf der Packung angegeben ist? Babette Günther von Senckenberg am Meer in Wilhelmshaven und ihr Team haben das untersucht. "Der Verbraucher soll die Möglichkeit haben, beim Kauf nachhaltige sowie gewissenhafte Entscheidungen zu treffen“ sagt Günther.

Überprüfung per DNA-Abgleich


Ob wirklich drin ist, was außen drauf steht, haben die Forscher anhand von 118 Fisch- und Meeresfrüchte-Produkten überprüft. Die untersuchten Waren – frischer und eingelegter Fisch, Konserven, Tiefkühlprodukte sowie Tiernahrung – stammen aus Supermärkten und von lokalen Fischhändlern aus dem Nordwesten Deutschlands.


"Dabei haben wir die Methode des DNA-Barcodings zur schnellen und sicheren Bestimmung von Fisch- und anderen Meerestierarten eingesetzt, erweitert und getestet“, erklärt Günther. Bei diesem Verfahren werden anhand genetischer Identifizierungs-Codes, vergleichbar mit dem Strichcode an der Supermarktkasse, verschiedene Fischprodukte mit bekannter DNA verglichen.

Irrtum mit Nebenwirkungen


Und tatsächlich wurden die Forscher fündig: in einem lokalen Fischgeschäft fanden sie beispielsweise Fische des Schwarzen Heilbutt (Reinhardtius hippoglossoides), der jedoch nur als "einfacher" Heilbutt (Hippoglossus hippoglossus) gekennzeichnet wurde. Damit gehören die Fische zu einer unbedrohten und kostengünstigeren Gattung, als das Etikett es vermittelt.

Noch bedenklicher war dagegen ein anderer Fund im selben Geschäft: Denn dort wurde auch der angebliche Butterfisch als „Buttermakrele“ (Lepidocybium flavobrunneum) beschriftet. Enthalten war aber ein komplett anderer: der Ölfisch Ruvettus pretiosus – das Fleisch dieses Fisches ist zwar essbar; die enthaltenen Öle können aber zu Magen-Darm-Beschwerden sowie Krämpfen und Kopfschmerzen führen und müssen deswegen extra gekennzeichnet werden.

Mehr Fehler bei Fischhändlern


Doch dies waren nicht die einzigen Fehlauszeichnungen, die die Forscher fanden: „Von den untersuchten Proben waren gut zehn Prozent falsch oder irreführend beschriftet“, sagt Günther. „Überrascht hat uns, dass die Etikettierung in Supermärkten exakter ist als bei den vermeintlichen Profis in den Fischläden“, ergänzt die Forscherin.

Einige Produkte waren zwar nicht falsch, aber für den Verbraucher eindeutig irreführend beschriftet. Günther hierzu: „Die wenigsten Verbraucher sind ausgebildete Zoologen; man muss darauf vertrauen können, dass wenn Sardellen draufstehen auch Sardellen drin sind. Und dies war leider nicht immer der Fall.“

Schwierige Zuordnung bei Thunfischpizza und Katzenfutter


Obwohl 81 Prozent der untersuchten Produkte anhand von Barcoding auf Artebene zugeordnet werden konnten, hat auch der Einsatz dieser Identifizierungscodes seine Grenzen. Günther hierzu: „Bei Produkten mit vielen verschiedenen Zusatzstoffen, wie Thunfischpizza oder Katzenfutter, ist es schwierig, die verwendeten Fische einer Art zu zuordnen, da deren DNA-Signale von anderen tierischen Inhaltsstoffen überlappt werden. Bei diesen Produkten muss mit zusätzlichen genetischen Methoden gearbeitet werden.“

Ein weiteres Problem ist die eher unkonkrete Bezeichnung verschiedener Garnelenarten, die im Verkauf nach deren Größe beispielsweise als Riesengarnelen oder Partygarnelen bezeichnet werden. „Hier bräuchten wir erstmal eine ‚Garnelen-Nomenklatur’ für den kommerziellen Verkauf, um überhaupt wissen zu können, welche Art gemeint ist. Immerhin fallen theoretisch hunderte Arten unter diese Bezeichnung“, sagt die Forscherin.

Das Problem ist nicht neu


Frühere Studien zeigten bereits, dass weltweit bis zu 70 Prozent der angebotenen Fische und Meeresfrüchte falsch etikettiert wurden. Laut einer weiteren aktuellen Studie sind es in Europa derzeit durchschnittlich 4,9 Prozent, in Deutschland bis zu 6,2 Prozent.

„In Deutschland wird jährlich pro Kopf 14,1 Kilogramm Fisch im Schnitt verzehrt. Hinzu kommen die Überfischung der Meere und die zunehmende Konkurrenz in der Hochseefischerei. Umso wichtiger ist es, eine schnelle und universelle Methode zu finden, um die Kennzeichnung von Meerestierprodukten zu überprüfen, in allen Produktionsschritten und Produkten. Wir haben gezeigt, dass sich das DNA-Barcoding hierfür ausgezeichnet eignet und noch viel Potential bietet“, resümiert Günther. (Food Control,2016;doi: 10.1016/j.foodcont.2016.10.016)
(Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 11.10.2016 - HDI)
 
Printer IconShare Icon