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Sonntag, 23.07.2017
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Wölfe erobern ihre alte Heimat zurück

In Deutschland leben inzwischen 46 Wolfsrudel

Der Wolf fasst in Deutschland weiter Fuß: In immerhin sechs Bundesländern hat sich der einstige Herrscher über unsere Wälder inzwischen wieder angesiedelt, wie aktuelle Daten des Bundesamts für Naturschutz zeigen. Besonders erfreulich: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der bei uns heimischen Rudel von 31 auf 46 gestiegen. Illegale Abschüsse und der Straßenverkehr bedrohen die Rückkehrer jedoch.
Der Wolf breitet sich wieder bei uns aus.

Der Wolf breitet sich wieder bei uns aus.

Lange Zeit war der Wolf ein fester Bestandteil der Wälder Europas. Doch mit der Ausbreitung von uns Menschen wurde der perfekte Jäger selbst zum Gejagten. Schießwütige Waidmänner und der Bau von Zäunen, Straßen und Siedlungen in seinem natürlichen Lebensraum brachten den Wolf immer mehr in Bedrängnis – bis er schließlich vollständig verschwand.

In den letzten Jahren jedoch kehrt das Raubtier dank intensiver Naturschutzbemühungen langsam in seine alte Heimat zurück. Auch in Deutschland breitet sich der Wolf wieder aus. Oftmals wandert er von Osten, zum Beispiel aus Polen, her ein. Aktuelle Daten des Bundesamts für Naturschutz (BfN) zeigen nun, dass immer mehr Tiere diesen Weg zu wählen scheinen: Canis lupus fühlt sich hierzulande offenbar von Jahr zu Jahr wohler.

Sechs Bundesländer sind Wolfsländer


Immerhin 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere konnten die Experten demnach im Monitoringjahr 2015/ 2016 bei uns nachweisen. Im Vergleich zum vorherigen Jahr ist die Zahl der bestätigten Rudel damit um 15 gestiegen. Die Zahl der Wolfspaare ist hingegen um vier, die Zahl der Einzelwölfe um zwei gesunken. Insgesamt leben rund 22 Prozent mehr Wölfe in Deutschland als im Vorjahr.


Als Wolfsgebiete etabliert haben sich der Erhebung zufolge mittlerweile sechs Bundesländer: Sachsen, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Niedersachsen. Die meisten Tiere leben in Brandenburg und Sachsen. Sachsen war das erste "Einfallstor" für die Wölfe: Im Jahr 2000 war erstmals nach der Ausrottung der Art in Deutschland vor 150 Jahren ein Wolfspaar aus Polen zugewandert und hatte dort Welpen großgezogen.

Das erste Wolfspaar kam im Jahr 2000 aus Polen nach Deutschland.

Das erste Wolfspaar kam im Jahr 2000 aus Polen nach Deutschland.

Erfolgsgeschichte des Naturschutzes


"Die positive Entwicklung der Wolfspopulation in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte des Naturschutzes seitdem der Wolf unter strengem Artenschutz in der Europäischen Union steht", sagt BfN-Präsidentin Beate Jessel.

Die Bestandszahlen zeigten, dass es zu einem gesicherten Überleben des Wolfes in Deutschland kommen kann, kommentiert Leif Miller vom Naturschutzbund NABU: "Dazu müssen wir seinen hohen Schutzstatus aber weiterhin aufrechterhalten und neuen Wolfsbeständen, auch in weiteren Bundesländern, den Weg ebnen."

Umgang neu lernen


Dazu gehört auch, dass Menschen, Haus- und Nutztiere wieder lernen, miteinander zu koexistieren. "Wölfe leben heute in der Kulturlandschaft in direkter Nähe zum Menschen und es gehört zu ihrem normalen Verhalten, dass sie gelegentlich auch tagsüber in Sichtweite zu bewohntem Gebiet entlanglaufen", erklärt Jessel. Das schürt bei manchen Bürgern Ängste. So zeigt eine aktuelle NABU-Umfrage, dass 30 Prozent der Befragten Angst haben, in einem Gebiet mit Wolfsvorkommen in den Wald zu gehen.

Andere wiederum sehen in dem Wolf eher eine wirtschaftliche Bedrohung. Sie fürchten, dass die neu wieder eingewanderten Raubtiere Schafe oder andere Nutztiere reißen. Dafür jedoch gebe es Lösungen, so der NABU: So habe sich zum Beispiel der Ausgleich von Schäden für getötete Nutztiere als ein wichtiges Mittel für die Akzeptanz des Wolfes erwiesen.

Mehrheit freut sich über Rückkehr


Insgesamt überwiegt bei einem großen Teil der Bevölkerung jedoch die Freude über die Heimkehr von Canis lupus: 80 Prozent der Befragten sind der Umfrage zufolge der Meinung, dass Wölfe ebenso in unsere Landschaften gehören wie Rehe oder Füchse.

78 Prozent sind der Überzeugung, dass Wölfe auch in Deutschland leben sollten, selbst wenn es teilweise zu Problemen kommt. "Diese Ergebnisse zeigen, dass die Bevölkerung in Deutschland grundsätzlich positiv zur Rückkehr des Wolfes eingestellt ist", sagt Miller.

Mensch bleibt größter Feind


Weniger erfreulich ist allerdings die Zahl illegaler Wolfs-Tötungen: Sie liegt mit mindestens 19 toten Tieren seit dem Jahr 2000 weiter hoch. Auch der Straßenverkehr bleibt ein hohes Risiko für den Wolf: Bis August 2016 wurden mehr als 100 Tiere tot auf Deutschlands Straßen gefunden.

Trotz aller Erfolge sei der Wolf immer noch gefährdet, betont BfN-Präsidentin Jessel: "Die Art weist insgesamt immer noch eine ungünstige Erhaltungssituation auf. Und wir dürfen auch die Augen nicht davor verschließen, dass der Mensch nach wie vor der größte Feind des Wolfes ist."
(Bundesamt für Naturschutz/ Naturschutzbund NABU, 26.09.2016 - DAL)
 
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