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Mittwoch, 26.07.2017
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Honig hilft gegen Krankenhauskeime

Dunkler Manuka-Honig hemmt Haftung und Wachstum von bakteriellen Biofilmen auf Plastik

Kraft der Natur: Dunkler Manuka-Honig wirkt nicht nur stark antibakteriell, er kann sogar hartnäckige Biofilme verhindern helfen, wie ein Experiment belegt. Schon eine stark verdünnte Honiglösung senkte die Haftung von Bakterienfilmen an Plastik und beeinträchtigte ihr Wachstum. Infektionen durch verkeimte Katheter und andere Kunststoffteile im Krankenhaus könnten daher künftig vielleicht durch dieses natürliche Mittel vermieden werden.
Der dunkle Manuka-Honig wirkt antibakteriell und antientzündlich.

Der dunkle Manuka-Honig wirkt antibakteriell und antientzündlich.

Allein in Deutschland sterben jährlich mehr als 1.500 Menschen an einer Infektion mit resistenten Krankenhauskeimen. Die häufig gegen Antibiotika resistenten Bakterien werden von Patienten eingeschleppt und durch ungenügende Hygiene übertragen. Ein großes Problem sind auch Plastikschläuche und Katheter, denn in ihnen bilden die Keime oft hartnäckige Biofilme, die selbst durch Sterilisation nur schwer zu beseitigen sind.

Dunkler Honig gegen hartnäckige Keime


Jetzt könnten Bashir Lwaleed von der University of Southampton und seine Kollegen ein verblüffend einfaches Mittel gegen die gefährlichen Biofilme gefunden haben. Für ihre Studie testeten die Forscher, ob verdünnter Manuka-Honig das Wachstum und die Haftung von Biofilmen auf Kunststoff beeinträchtigen kann. Der Manuka-Honig wird von Honigbienen aus den Blüten des in Australien und Neuseeland heimischen Manukabaums hergestellt.

Bereits in früheren Tests erwies sich dieser dunkle Honig als besonders effektiv gegen freischwimmende Bakterien, darunter sogar multiresistente Keime. Um zu testen, ob dieser Honig auch gegen die hartnäckigen Biofilme wirkt, gaben die Forscher wässrige Lösungen mit 3,3 bis 16,7 Prozent Honig auf Kolonien der Bakterien Escherichia coli oder Proteus mirabilis und ließen diese Brutschrank wachsen.


Bakterien-Biofilm in einem Katheter. Eine verbindende Schleimschicht macht die Bakterien darin besonders widerstandsfähig.

Bakterien-Biofilm in einem Katheter. Eine verbindende Schleimschicht macht die Bakterien darin besonders widerstandsfähig.

Haftung und Wachstum reduziert


Das Ergebnis: Schon in der niedrigsten Verdünnung verringerte der Manuka-Honig die Haftung der Bakterien auf dem Plastikuntergrund und beeinträchtigte so die Bildung eines Biofilms. Nach 48 Stunden war die Haftung der Keime im Vergleich zu Kontrollkolonien ohne Honig um 35 Prozent geringer, wie die Forscher berichten. Nach drei Tagen war bei allen Verdünnungen die Haftung um 70 Prozent reduziert.

Bei Escherichia coli wirkte sich der Honig auch auf das Wachstum der Bakterienkolonien aus: Lösungen mit 16,7 Prozent Honig hemmten die Bakterienvermehrung bereits nach vier Stunden um 38 Prozent, nach 24 Stunden um 46 Prozent, so Lwaleed und seine Kollegen. Lösungen mit zehn Prozent Honig waren etwas weniger effektiv, aber noch immer wirksam.

Natürliches Mittel gegen Infektionen


"Das zeigt, dass verdünnter Honig ein wirksames Mittel zur Verringerung von bakteriellen Biofilmen auf Plastikoberflächen wie Kathetern ist", sagt Lwaleed. Noch müssen zwar weitere Tests mit Biofilmen in Kunststoffleitungen statt in Plastikpetrischalen folgen, doch die Forscher sind zuversichtlich, dass der Honig sich auch unter Realbedingungen als wirksam erweisen könnte.

Der Manuka-Honig wird von Bienen aus den Blüten der Südseemyrte (Manuka) produziert.

Der Manuka-Honig wird von Bienen aus den Blüten der Südseemyrte (Manuka) produziert.

"Wir hoffen, dass diese Ergebnisse einen alternativen Weg eröffnen, um Infektionen durch Urinkatheter zu verhindern", so Lwaleed. Sollte sich der Honig in weiteren Studien als wirksam und verträglich erweisen, könnte dies die Rate von Krankenhausinfektionen auf natürliche Weise absenken.

"Patienten könnten zusätzlich von der antientzündlichen Wirkung des Honigs profitieren, die bei dunklen Honigen wie dem Manuka-Honig besonders stark ausgeprägt sind", so die Forscher. (Journal of Clinical Pathology, 2016; doi: 10.1136/jclinpath-2015-203546)
(University of Southampton, 27.09.2016 - NPO)
 
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