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Montag, 05.12.2016
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Warum Multitasking nicht funktioniert

Gehirn kann nur mit einem Sinn auf Höchstleistung arbeiten

Forscher haben unsere Multitasking-Fähigkeiten erneut untersucht und machten dabei eine interessante Entdeckung: Das Gehirn sorgt dafür, dass immer nur ein Sinnesorgan auf Höchstleistung arbeitet: Entweder wir hören gut oder wir sehen gut. Das Gehirn wählt aus, welchen Sinn wir für eine bestimmte Situation dringender brauchen und schaltet das andere Organ in den Ruhemodus, wie ein Experiment belegt.
Multi-Tasking funktioniert oft nicht optimal, da unser Gehirn nur mit einem Sinn auf Höchstleistung arbeiten kann.

Multi-Tasking funktioniert oft nicht optimal, da unser Gehirn nur mit einem Sinn auf Höchstleistung arbeiten kann.

Wenn Menschen sich völlig auf eine Sache konzentrieren, blenden sie ihre Umgebung oft aus. Das ist auch der Grund, warum wir auf einer leeren Landstraße sogar nebensächliche Kommentare des Radiomoderators verstehen, während wir im turbulenten Stadtverkehr manchmal nicht einmal die Rufe unserer Kinder wahrnehmen. Jerker Rönnberg von der Universität Linköping in Schweden und sein Team haben untersucht, warum das so ist und was dabei in unserem Gehirn geschieht.

Töne und Buchstaben im Lärm


Für ihre Untersuchung wiesen die Forscher 32 Studierende an, verschiedene akustische und visuelle Aufgaben zu lösen. Dazu wurden die Probanden in zwei Gruppen unterteilt. Die einen arbeiteten in einer ruhigen Umgebung, während die anderen Studierenden mit verwirrenden Hintergrundgeräuschen beschallt wurden. Während der Tests wurde ihre Hirnaktivität mittels funktioneller Magnetresonanztomografie (fMRT) aufgezeichnet.

Bei der akustischen Aufgabe sollten die Probanden einem Ton lauschen und anzeigen, wann sich dessen Frequenz änderte. In der visuellen Aufgabe wurden Buchstaben nacheinander auf einem Bildschirm eingeblendet und die Teilnehmer sollten sich diese merken.

Wenn wir uns auf visuelle Aufgaben konzentrieren, sinkt die Nervenaktivität im Hörzentrum.

Wenn wir uns auf visuelle Aufgaben konzentrieren, sinkt die Nervenaktivität im Hörzentrum.

Engpass im Gehirn


Dabei stellten die Forscher fest: Das Hörzentrum im Gehirn arbeitet wir erwartet verstärkt, wenn wir eine akustische Aufgabe lösen. Dabei ist es egal, ob wir währenddessen zusätzliche Geräusche hören oder nicht. Erst wenn das Gehirn zusätzlich noch visuelle Aufgaben lösen muss, kommt es offenbar zu einem Engpass: Das Sehzentrum wird aktiver, dafür sinkt die Aktivität im Hörzentrum.


Eine erhöhte kognitive Beanspruchung verschlechtert demnach das Nebeneinander der Sinne. Als Folge hören wir schlechter, wenn unser Sehsinn stark beschäftigt ist. Je schwieriger dabei die visuelle Aufgabe ist, desto stärker wird die Aktivität im Hörzentrum unterdrückt, wie die Forscher beobachteten. Das erklärt, warum beim Navigieren im dichten Stadtverkehr selbst wichtige Hörinformationen verloren gehen können.

Filtereffekt gegen Überlastung


Die Ursache für diesen Effekt sehen die Forscher in einer Filterfunktion des Gehirns: "Das Gehirn ist sehr clever. Es hilft uns dabei, uns auf Aufgaben zu konzentrieren, die wir machen müssen. Gleichzeitig untersucht es, ob Dinge uns ablenken, die nichts mit der Aufgabe zu tun haben", erklärt Rönnberg. "Aber das Hirn kommt nicht mit vielen Aufgaben gleichzeitig zurecht: Es kann nur ein Sinn auf einmal Höchstleistungen erbringen. Deswegen ist es keine gute Idee zu telefonieren, während wir Auto fahren."

Außerdem entdeckten die Forscher: Eine erhöhte kognitive Beanspruchung verschlechtert nicht nur das Nebeneinander der Sinne, sondern auch Teile des Gehirns, die Emotionen steuern - und das, obwohl diese Parts nicht in den Aufgaben beansprucht wurden.

Spannend sind diese Erkenntnisse nicht nur für die Hirnforschung. Sie könnte auch praktische Anwendung finden. "Das Wissen kann sehr interessant für die zukünftige Entwicklung von Hörgeräten sein oder kann als Basis für andere Arbeiten dienen, die sich damit beschäftigen inwieweit ein beeinträchtigtes Hören unsere Leistung beim Lösen visueller Aufgaben beeinträchtigt", sagt Rönnberg. (Frontiers in Human Neuroscience, 2016, doi: 10.3389/fnhum.2016.00221)
(Linköping Universitet, 09.09.2016 - HDI)
 
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