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Montag, 26.09.2016
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Ganze Nahrungskette in einem Fossil

Schlange fraß Echse, die zuvor einen Käfer gefressen hatte

Skurriler Fund: Paläontologen haben in der Grube Messel bei Darmstadt ein Fossil entdeckt, das eine ganze Nahrungskette widerspiegelt. Das 48 Millionen Jahre alte Relikt besteht aus dem Skelett einer Schlange, die eine Echse im Bauch trägt, diese wiederum hatte einen Käfer verschluckt. Eine solche dreigliedrige fossile Nahrungskette ist einmalig, weltweit gibt es nur ein vergleichbares Fundstück, wie die Forscher berichten.
Überraschende Entdeckung: Das Fossil zeigt eine gesamte Nahrungskette.

Überraschende Entdeckung: Das Fossil zeigt eine gesamte Nahrungskette.

Fossilien, bei denen noch die letzte Mahlzeit eines Tieres erhalten ist, sind extrem selten. Im Ölschiefer der Grube Messel jedoch haben Paläontologen schon häufiger solche spannenden Funde gemacht. Denn der einstige Vulkansee wurde vor rund 48 Millionen Jahre für viele Tiere zur Todesfalle und sein Sediment schloss die Kadaver sehr schnell luftdicht ein. Dadurch blieben die Fossilien besonders gut erhalten.

In dieser Fossilfundstätte haben Paläontologen bereits Blätter und Trauben im Magen eines Urpferdchens, Pollenkörner im Verdauungstrakt eines Vogels und Insektenreste im fossilen Fischkotentdeckt. Sogar Urzeit-Schildkröten bei der Paarung ereilte der Tod im Vulkansee und konservierte sie sozusagen "in Flagranti".

Schlange frisst Echse frisst Käfer


Dieses Mal wurden die Forscher überrascht, als sie ein vermeintlich normales Schlangenfossil mit dem Computertomographen untersuchten. Denn in dem Urzeit-Relikt waren noch zwei weitere Fossilien versteckt. Im Bauchbereich der gut einen Meter langen Schlange entdeckten die Paläontologen das Skelett einer 20 Zentimeter langen Echse. In ihr wiederum lag der Panzer eines urzeitlichen Käfers.


Aus der Lage der Schlangenrippen über der Echse schließen die Forscher, dass sich die Echse im Bauch der Schlange befunden haben muss. Offenbar waren zwei dieser Fossilien zu Lebzeiten Beute eines der anderen geworden. „Eine dreigliedrige Nahrungskette haben wir aber bisher noch nie entdeckt. Das ist für Messel einmalig!“, freut sich Krister Smith vom Senckenberg Forschungsinstitut. Weltweit ist bisher nur ein weiteres Beispiel für eine solche fossile Nahrungskette bekannt. Dabei handelte es sich um einem 280 Millionen Jahre alten Hai.

Schlange mit der verschlungenen Echse (orange) und dem unbestimmten Insekt (blau).

Schlange mit der verschlungenen Echse (orange) und dem unbestimmten Insekt (blau).

Messel-Echsen sind doch Allesfresser


Die Details der Skelette waren so gut zu erkennen, dass die Forscher sowohl die Schlange, als auch die Echse bis auf Artebene bestimmen konnten. Demnach handelt es sich bei der Schlange um ein noch junges Exemplar von Palaeophython fischeri, einer frühen Verwandten der heutigen Boas. Die Echse Geiseltaliellus maarius gehört zu einer Art, die normalerweise ihren Schwanz abwirft, wenn Gefahr droht. In diesem Falle jedoch kam der Tod wohl zu überraschend – der Schwanz des Fossils war noch dran.

Nur den Käfer konnten die Forscher nicht eindeutig zuordnen, weil sein Erhaltungszustand zu schlecht war. Dennoch gibt der Krabbler Auskunft über das bisher kaum bekannte Fressverhalten der Echsen. Denn bisher wurde bei Funden in der Grube Messel nur pflanzliche Überreste in den Reptilienmägen entdeckt. Dass die Echsen auch Insekten fraßen, deutet darauf hin, dass sie doch Allesfresser waren.

Das ungewöhnliche Trio hilft den Forschern sogar dabei, ihren Todeszeitpunkt aufklären: „Da der Mageninhalt relativ schnell verdaut wird und die Echse in einem sehr guten Erhaltungszustand ist, gehen wir davon aus, dass die Schlange nur ein bis zwei Tage nach der Nahrungsaufnahme starb und auf den Boden des Messelsees sank, wo sie dann konserviert wurde“, erläutert Smith. Pech für die Schlange – Glück für die Wissenschaft!
(Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 08.09.2016 - HDI)
 
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