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Sonntag, 25.09.2016
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Zugvögel: Die Alten weisen den neuen Weg

Ältere Schreikraniche initiieren Abkürzung des Winterzugs

Von wegen Alter macht unflexibel: Bei Schreikranichen regen vor allem ältere Vögel neues Verhalten an. Demnach sind es die Rentner, die in einer Gruppe das Abkürzen des Winterzugs initiieren. Sie profitieren dabei von ihrer größeren Erfahrung – und dienen den Jüngeren als Vorbild, berichten Forscher im Fachmagazin "Nature Communications".
Illinois statt Florida: Schreikraniche überwintern immer nördlicher.

Illinois statt Florida: Schreikraniche überwintern immer nördlicher.

Fernreisen sind bei Zugvögeln inzwischen "out". Bereits seit einigen Jahren stellen Ornithologen fest, dass manche Arten immer kürzere Strecken zurücklegen und nicht mehr so weit in den Süden fliegen. Vögel wie Weißstörche oder die Mönchsgrasmücke reagieren damit auf die erhöhten Temperaturen durch den Klimawandel. Dank milder Bedingungen in nördlicheren Gebieten können sie auf anstrengende Langstreckenflüge verzichten und somit wertvolle Energie sparen.

Auch die beinahe ausgestorbenen Schreikraniche weichen mittlerweile häufig von den traditionellen Zugwegen ab. Doch wie entscheiden die Tiere, dass es sinnvoll wäre, eine neue Route zu wählen? Diese Frage haben sich nun Wissenschaftler um Claire Teitelbaum vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum in Frankfurt gestellt – und Erstaunliches festgestellt.

Je älter desto kürzer


Die Forscher untersuchten Daten aus der Zeit von 2002 bis 2016 zu den Aufenthaltsorten von 175 ausgewilderten Schreikranichen aus einem Zuchtprojekt. Wie erwartet, fanden sie heraus, dass die Kraniche ihre Überwinterungsgebiete immer weiter in die Nähe ihrer Brutgebiete verlagerten und somit ihre Zugrouten verkürzten. Statt von Wisconsin bis an die Golfküste Floridas zu fliegen, stoppten sie mitunter schon in nördlicheren Bundesstaaten wie Indiana oder Illinois.


Das Interessante dabei: Die neuen Standorte wurden als erstes von Gruppen ausgewählt, zu denen auch ältere Vögel gehörten. Im Mittel verringerte sich der Abstand zwischen Brutgebiet und Überwinterungsgebiet pro Lebensjahr des ältesten Vogels in einer Gruppe um 40 Kilometer, wie Teitelbaum und ihre Kollegen berichten. Zudem konnten sie nachweisen: Die älteren Vögel in einer Gruppe hatten sich auch zuvor schon einmal in der Umgebung des neuen Quartiers aufgehalten.

Erfahrung ist Trumpf


Demnach scheinen ausgerechnet die dem Klischee nach unflexiblen Alten das Abkürzen des Winterzugs zu initiieren. Sie geben dieses Verhalten offenbar dann an jüngere Vögel weiter. So zeigten die Daten: Während 2006 noch keiner der ein Jahr alten Schreikraniche den Winterzug abkürzte, taten dies 2015 bereits 75 Prozent der einjährigen Schreikraniche.

Warum die älteren Individuen die Rolle des innovativen Vorreiters einnehmen, scheint für die Forscher klar: "Wahrscheinlich nützt ihnen dabei ihr Langzeitgedächtnis und die Fähigkeit aus Erfahrung zu lernen", erklärt Teitelbaums Kollege Thomas Müller.

Verändertes Futterangebot


In den neuen Winterquartieren profitieren die Tiere nicht nur von dem klimawandelbedingten Temperaturanstieg. Auch eine veränderte Landnutzung erlaubt den Vögeln, in nördlicheren Gebieten zu überwintern. So finden sie dort inzwischen vermehrt Ackerland mit Getreide – eine wichtige Futterquelle.

Doch längst nicht alle Zugvogelarten können sich so gut auf neue Bedingungen einstellen, betonen die Forscher: "Im Gegensatz zu den in der Studie betrachteten Schreikranichen dürfte es für viele Populationen und Arten sehr viel schwieriger sein, sich an Landnutzungs- und Klimawandel anzupassen", schließt Mitautorin Sarah Converse vom U.S. Geological Survey. (Nature Communications, 2016; doi: 10.1038/NCOMMS12793)
(Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung, 07.09.2016 - DAL)
 
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