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Samstag, 10.12.2016
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Urzeitlicher Krokodilangriff in Messel

Fossile Vogelfüße sind offenbar Nahrungsreste von Räubern

Unangenehmer Tod: Vor rund 47 Millionen Jahren endeten große, landlebende Vögel in der Grube Messel wohl als Beute hungriger Krokodile. Davon zeugen fossile Vogelfüße, die Forscher nun untersucht und als Nahrungsreste identifiziert haben. Die Funde malen nicht nur ein Bild von den Räuber-Beute-Beziehungen der einstigen Sumpflandschaft. Sie zeigen auch, dass die Vogelwelt dort weitaus vielfältiger war als bisher angenommen.
Fossile Vogelfüße aus der Grube Messel bezeugen Krokodilangriffe vor 47 Millionen Jahren.

Fossile Vogelfüße aus der Grube Messel bezeugen Krokodilangriffe vor 47 Millionen Jahren.

Die Grube Messel in der Nähe von Darmstadt gilt als paläontologische Schatzkammer. Nirgendwo sonst in Europa wurden so viele vollständige und gut erhaltene Fossilien der Vorzeit geborgen. Vor rund 47 Millionen Jahren eine tropische Sumpflandschaft, bot Messel optimale Bedingungen für die Konservierung selbst von Federn, Haaren und Weichteilen vieler Lebewesen.

Berühmt ist der Ölschiefer vor allem für Sensationsfunde wie die über 70 Exemplare der Pferdeartigen Propalaeotherium und Eurohippus sowie das extrem gut erhaltene Skelett eines frühen Primaten. Doch besonders reichlich im Fossilienschatz vertreten sind Vögel: Über 1.000 Skelette, versteinerte Mageninhalte und fossilierte Federn liegen inzwischen in den Sammlungsschränken von Gerald Mayr und seinen Kollegen von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung.

Angriff aus dem Wasser


Der Ornithologe hat sich nun acht bisher unbeachteten Vogelfüßen gewidmet, die in den vergangenen Jahren in den Sedimenten des UNESCO Weltkulturerbes gefunden wurden. Der Zustand der nur isoliert erhaltenen Gliedmaße gab dem Forscher dabei eindeutige Hinweise darauf, wie die Tiere vor knapp 50 Millionen Jahren ihr Ende fanden: Offenbar fielen sie einem Räuber zum Opfer.


Die untersuchten Fossilien offenbaren: Die Artenvielfalt der Vögel war höher als bisher angenommen.

Die untersuchten Fossilien offenbaren: Die Artenvielfalt der Vögel war höher als bisher angenommen.

"Die gebrochenen Knochen und die fehlenden Enden der Vogelbeine an sieben der untersuchten Knochen sprechen dafür, dass die Vögel angegriffen und gefressen wurden", sagt Mayr. Auch die wahrscheinlichen Täter hat er bereits identifiziert. Demnach deutet Vieles auf Krokodile hin, denn um die relativ großen Vögel fangen zu können, darf der Räuber nicht zu klein sein – und große Raubsäugetiere oder –fische sind aus Messel nicht bekannt.

"Es gibt aber sieben beschriebene Krokodilarten, die im Messel-See lebten", erklärt Mayr. Da es sich bei den fossilen Vögeln um landlebende Tiere handelte, fingen die Reptilien ihre Beute vermutlich lebend in Ufernähe oder wenn diese tief über der Wasseroberfläche flogen. Mayr vermutet: Die Krokodile packten die Vögel an einem Bein, welches dann aus dem Körper gerissen wurde, als die Beutetiere versuchten, zu fliehen.

Bisher unbekannte Arten


Was für die Vögel schlecht ausging, ist für die Messelforscher ein Glücksfall: Die Knochen gehören zu relativ großen Tieren und sind damit eine Seltenheit. Bislang konnten in der hessischen Fossilienfundstelle eher kleine Vögel identifiziert werden. "Von größeren Vögeln haben wir sehr wenige Belege", so Mayr.

Um welche Arten es sich bei den versteinerten Überresten handelt, kann der Wissenschaftler allerdings nicht genau bestimmen – dafür sind die Knochen in einem zu schlechten Zustand. "Dennoch können wir aus den Fossilien ableiten, dass diese Funde für Messel neu sind." So gehören die Knochen Mayr zufolge zumindest überwiegend zu aus Messel bisher unbekannten Arten.

Die Neuentdeckungen zeigen, dass die Vielfalt der dortigen Vogelwelt noch höher war als bisher vermutet. Für die Forscher vervollständigt sich damit das Bild der vielfältigen Vogelfauna Messels, die mit der heutigen Fauna der Neotropen, Madagaskars und Neuguineas zu vergleichen ist. (Palaeobio Palaeoenv, 2016; doi: 10.1007/s12549-016-0243-2)
(Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 06.09.2016 - DAL)
 
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