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Donnerstag, 08.12.2016
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Fernstes Objekt des Sonnensystems beobachtet

Himmelskörper pendelt zwischen Kuipergürtel und Oortscher Wolke

Entdeckungen am eisigen Rand des Sonnensystems: Astronomen haben mehrere neue Objekte im Kuipergürtel und jenseits davon entdeckt. Diese Transneptunischen Objekte kreisen in exzentrischen Bahnen um den Planetenbereich des Sonnensystems. Unter ihnen ist eines besonders extrem: Es pendelt zwischen dem Kuipergürtel und der Oortschen Wolke und entfernt sich dabei bis zu 3.000 astronomische Einheiten von der Sonne.
Im Kuipergürtel und weiter außen kreisen tausende eisiger Objekte. Nur ein Bruchteil von ihnen ist bisher bekannt.

Im Kuipergürtel und weiter außen kreisen tausende eisiger Objekte. Nur ein Bruchteil von ihnen ist bisher bekannt.

Jenseits des Neptun markieren erst der Kuiper-Gürtel und noch weiter entfernt die Oortsche Wolke die Außenbereiche unseres Sonnensystems. Der Kuipergürtel mit den Zwergplaneten Pluto, Eris und Tausenden weiteren eisigen Himmelskörpern liegt in der Bahnebene der Planeten – und könnte in seinen enormen Weiten vielleicht sogar einen ausgewachsenen neunten Planeten verbergen.

Wegen der großen Entfernung, dem schwachen Sonnenlicht und der geringen Größe der meisten Objekte im Kuipergürtel sind die meisten noch unbekannt. "Wir glauben zwar, dass es Tausenden von ihnen gibt, aber gefunden haben wir bisher nur wenige", erklärt Scott Sheppard von der Carnegie Institution in Washington. Zu diesen gehört der 2016 entdeckte fernste bekannte Zwergplanet.

Neue Himmelskörper im Kuipergürtel


Auf der Suche nach dem potenziellen neunten Planeten haben nun Sheppard und sein Kollege Chadwick Trujillo von der Northern Arizona University weitere, noch fernere Transneptunische Objekte entdeckt. "Diese kleineren Objekte können uns zu dem viel größeren Planeten führen, den wir dort draußen vermuten", erklärt Sheppard. "Je mehr von ihnen wir finden, desto besser verstehen wir, was dort im äußeren Sonnensystem vorgeht."


Unter den jetzt neu entdeckten Objekten sind mehrere Transneptunier, deren Umlaufbahn ähnliche Eigenschaften besitzen wie die Handvoll schon bekannter Kuipergürtel-Objekte. Ihr Orbit ist relativ exzentrisch und der sonnenfernste Punkt reicht bis an 50 astronomische Einheiten heran. Ihren Bahnen liegen wie eine Rosette um den Planetenbereich des Sonnensystems.

Orbits einiger neue Kuipergürtel-Objekte (gelb) und des extremen Objekts 2014 FE72, das bis zur Oortschen Wolke fliegt.

Orbits einiger neue Kuipergürtel-Objekte (gelb) und des extremen Objekts 2014 FE72, das bis zur Oortschen Wolke fliegt.

Objekt fliegt bis zur Oortschen Wolke


Ein besonderer Fund aber ist 2014 FE72: Es ist das erste Objekt, dessen Umlaufbahn zum einen komplett jenseits des Neptun liegt, zum anderen aber weit hinaus bis in die Oortsche Wolke hinaus reicht, wie die Astronomen berichten. Am fernsten Punkt seiner Umlaufbahn ist dieses Objekt 3.000 Mal weiter von der Sonne entfernt als die Erde.

Dies ist der erste bekannte Himmelskörper in unserem System, der so weit hinaus fliegt, erklären die Forscher. Am fernsten Punkt seines Orbits könnte 2014 FE72 so weit von der Sonne entfernt sein, dass es auch von Schwerkraftwirkungen naher Sterne und der galaktischen Gezeiten beeinflusst wird.

"Wir verstehen es noch nicht"


Noch haben die Astronomen ihre Durchmusterung des Kuipergürtels und seiner äußeren Ränder erst begonnen. "Noch verstehen wir nicht richtig, was das draußen im äußeren Sonnensystem passiert", sagt Sheppard. "Wir müssen erst weitere so extreme Transneptunischer Objekte finden, um die Struktur des äußeren Sonnensystems bestimmen zu können."

Ob sich dort draußen unter den fernen Brocken wirklich noch ein echter Planet versteckt, wird sich zeigen müssen. Trujillo und Sheppard jedenfalls sind durchaus optimistisch: "Wir sind nun in der gleichen Situation wie Mitte des 19. Jahrhunderts, als Alexis Bouvard bemerkte, dass die orbitale Bewegung des Uranus seltsam war", erklärt Sheppard. "Das führte dann schließlich zur Entdeckung des Neptun." (The Astronomical Journal, in press)
(Carnegie Institution for Science, 30.08.2016 - NPO)
 
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