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Sonntag, 25.09.2016
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Amphetamine in Abwasser und Flüssen

Drogen-Rückstände können Bakterien und Algen in Gewässern beeinträchtigen

Droge aus zweiter Hand: Über unser Abwasser gelangen auch immer mehr Amphetamine in Flüsse und Seen. Diese Drogen sind selbst fernab der Städte in Flüssen nachweisbar, wie eine Studie aus den USA belegt. In Stadtnähe reichen die Konzentrationen sogar schon aus, um das Wachstum von Algen und Bakterien zu hemmen, wie die Forscher feststellten. .
Über unser ABwasser gelangen auch immer mehr Amphetamine in Flüsse und Seen.

Über unser ABwasser gelangen auch immer mehr Amphetamine in Flüsse und Seen.

Ob Antibiotika, Verhütungsmittel oder Psychopharmaka: Mit unserem Abwasser gelangen immer mehr Medikamenten-Rückstände in Flüsse und Seen – das ist schon länger bekannt. Denn die Kläranlagen können diese Wirkstoffe nicht vollständig entfernen. Als Folge verändern Fische ihr Verhalten oder erleben männliche Frösche und Kröten eine unfreiwillige Geschlechtsumwandlung.

Mode-Droge im Abwasser


Relativ neu im Cocktail der Abwasser-Arzneistoffe sind Amphetamine. Substanzen aus dieser Stoffklasse werden einerseits als Aufputschmittel oder illegale Drogen genutzt, beispielsweise in Form von Crystal Meth. Andererseits aber kommen Amphetamine auch bei der Therapie von ADHS zu Einsatz: Methylphenidat, bekannt als Präparat Ritalin, wird oft gegen diese Störung verschrieben.

"Wir haben allen Anlass zu vermuten, dass solche Stimulantien vermehrt in die Umwelt gelangen", erklärt Sylvia Lee vom Cary Institute of Ecosystem Studies in Millbrook. "Doch welche ökologischen Folgen das hat, ist weitestgehend unklar." Um herauszufinden, wie viele Amphetamin über das Abwasser bereits in Gewässer gelangt, entnahmen die Forscher Proben an sechs Stellen eines Flusssystems in Baltimore.


Amphetamin selbst fernab der Stadt


Das Ergebnis: Selbst an den stadtfernsten Probenstellen enthielt das Flusswasser Medikamentenrückstände und auch Amphetamine. Zwischen drei und 630 Nanogramm pro Liter Amphetamin wiesen die Forscher in ihren Wasserproben nach. Je näher eine Probenstelle an der Stadt lag, desto höher stieg der Gehalt vor allem illegaler Drogen.

"Das belegt, dass Amphetamin und andere biologische aktive Wirkstoffe in urbanen Gewässern bereits präsent sind", konstatieren die Forscher. Aber reichen die vergleichsweise geringen Mengen aus, um eine biologische Wirkung zu entfalten? Um das zu klären, bauten Lee und ihre Kollegen Flüsse im Mini-Maßstab im Labor nach und untersuchten, wie sich Amphetamin-haltiges Wasser auf Bakterien, Algen und die Bildung von Biofilme auswirkte.

Biofilme sind eine komplexe Gemeinschaft aus Algen und Bakterien - und enorm wichtig für Gewässer. Doch Amphetamine beeinträchtigen sie.

Biofilme sind eine komplexe Gemeinschaft aus Algen und Bakterien - und enorm wichtig für Gewässer. Doch Amphetamine beeinträchtigen sie.

Bakterien und Algen beeinträchtigt


Es zeigt sich: War das Wasser mit Amphetamin belastet, sank das Biofilm-Wachstum um bis zu 85 Prozent. Gleichzeitig veränderte sich die Zusammensetzung der Bakterien und Kieselalgen in den verbleibenden Biofilmen, Mückenlarven und andere Zweiflügler nahmen im Vergleich zu unbelasteten Vergleichsflüssen stark zu.

Diese Effekte traten schon bei einer Amphetamin-Konzentration auf, wie sie stadtnahen Flüssen zu finden ist. "Diese Ergebnisse demonstrieren, dass Amphetamine das Potenzial besitzen, sowohl die Struktur als auch die Funktion von Fluss-Ökosystemen zu beeinträchtigen", konstatieren Lee und ihre Kollegen.

Gefahr fürs Trinkwasser?


"Angesichts alternde Abwasser-Infrastrukturen und zunehmender legaler und illegaler Nutzung solcher Wirkstoffe müssen wir Kollateral-Schäden auch für unsere Trinkwasser-Ressourcen befürchten", sagt Koautorin Emma Rosi-Marshall vom Cary Institut. Um das zu verhindern, sei ein Umdenken in Sachen Abwassermanagement nötig.

Weitere Studien sollen nun zeigen, wie sich Amphetamin und andere Wirkstoff-Rückstände auf lange Sicht auf Gewässer und ihre Bewohner auswirken. (Environmental Science & Technology, 2016; doi: 10.1021/acs.est.6b03717)
(Cary Institute of Ecosystem Studies, 26.08.2016 - DAL/NPO)
 
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