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Dienstag, 06.12.2016
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"Pokémon" der Nagerwelt aufgespürt

Nagetier ist lebendes Fossil und ein Verwandter von Gleithörnchen

Schwer zu fangen und selten gesehen: Der Dornschwanzbilch ist der ultimative Pokémon unter den Nagetieren. Das in Zentralafrika beheimatete Hörnchen wurde noch nie lebend gesichtet. Nun haben Biologen jedoch zumindest drei tote Exemplare des geheimnisvollen Tieres gefunden – und erstmals sein Erbgut analysiert. Ihre Ergebnisse zeigen: Das Hörnchen ist ein entfernter Verwandter gleitfähiger Nager und ein echtes "lebendes Fossil".
Das tote Exemplar eines Dornschwanzbilchs - lebend hat das Tier noch kein Forscher gesehen.

Das tote Exemplar eines Dornschwanzbilchs - lebend hat das Tier noch kein Forscher gesehen.

Irgendwo in den Regenwäldern im westlichen Zentralafrika hält er sich versteckt und klettert nachts vermutlich in den Bäumen: der Dornschwanzbilch (Zenkerella insignis). Das Hörnchen mit dem gräulich bis schwarz gefärbtem Fell gibt der Wissenschaftswelt seit jeher Rätsel auf, denn es macht sich rar – so rar, dass kein Forscher jemals ein lebendes Exemplar des Tieres zu Gesicht bekommen hat.

Zenkerella insignis gehört zu den am schlechtesten erforschten Säugetieren der Welt. Forscher um Erik Seiffert von der University of Southern California in Los Angeles vergleichen den Nager daher mit Wesen aus der Welt der Fantasie: "Zenkerella ist wie der ultimative Pokémon, den Wissenschaftler immer noch nicht geschafft haben zu fangen", sagt der Biologe. Lediglich elf tote Dornschwanzbilche seien bisher überhaupt gefunden worden – das Letzte vor zwei Jahrzehnten.

Gleitende Verwandtschaft


Nun hat das Team jedoch drei neue tote Exemplare des geheimnisvollen Tieres studieren können. Jägern waren die Hörnchen auf der Insel Bioko vor der Küste Kameruns in die Falle gegangen. Seiffert und seine Kollegen nutzten diese seltene Gelegenheit, um erstmals das Erbgut des Hörnchens zu analysieren und seine DNA mit der von anderen Nagern zu vergleichen.


Die Ergebnisse zeigen: Der Dornschwanzbilch ist ein entfernter Verwandter von gleitfähigen Nagern aus den zwei Gattungen der Gleitbilche und den Echten Dornschwanzhörnchen – und bildet neben ihnen eine neue Schwestergattung in der Familie der Anomaluridae. Das überraschte die Forscher, da Zenkerella – anders als seine genetische Verwandtschaft – nicht in der Lage ist, zu gleiten.

Die Forscher untersuchen den "Pokémon" der Nagerwelt.

Die Forscher untersuchen den "Pokémon" der Nagerwelt.

Unabhängige Entwicklung


Allerdings teilen alle drei Nager ein besonderes Merkmal: Sie verfügen über dornenbesetzte Schuppen an der Unterseite ihres Schwanzes, eine stabile Unterstützung beim Klettern in den Bäumen. Während sich sowohl bei den Gleitbilchen als auch bei den Echten Dornschwanzhörnchen Gleitmembranen zwischen Armen und Beinen entwickelt haben, fand diese Anpassung bei Zenkerella nicht statt.

Wie die Wissenschaftler berichten, deuten die molekularen Belege daraufhin, dass sich die Abstammungslinie, aus der später Zenkerella hervorging, seit ungefähr 49 Millionen Jahren unabhängig von der Linie entwickelte, die die Gattungen der Gleitbilche und der Echten Dornschwanzhörnchen hervorbrachte. Hatten sich die extremen Anpassungen, die den Nagern das Gleiten ermöglichen, einmal entwickelt, gingen sie im Laufe der weiteren Evolution demnach nie wieder verloren. "Innerhalb einer Abstammungslinie gab es kein späteres Rückgängigmachen dieser Errungenschaft", schreibt das Team.

Ein lebendes Fossil


Im Gegensatz zu seinen Verwandten hat sich der Dornschwanzbilch wohl seit Millionen von Jahren anatomisch kaum verändert. Er ist den Erkenntnissen der Forscher zufolge ein klassisches "lebendes Fossil" – das einzige, über das die Wissenschaft so gut wie gar nichts weiß. "Wir beginnen gerade erst, die grundlegende Anatomie von Zenkerella zu beschreiben", sagt Seiffert.

Das Team hofft zudem, dass die auf der Bioko Insel gefundenen Exemplare ihnen noch mehr über das Leben des geheimnisvollen Nagers verraten werden – wie er sich bewegt, was er isst und welchen Lebensraum er zum Überleben braucht. "Je mehr wir über den Dornschwanzbilch wissen, desto besser können wir ihn schützen", schließen die Wissenschaftler. (PeerJ, 2016; doi: 10.7717/peerj.2320)
(University of Southern California, 17.08.2016 - DAL)
 
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