• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Mittwoch, 28.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Grönlandhaie sind die langlebigsten Wirbeltiere

Methusalems der Meere werden mindestens 400 Jahre alt

Methusalems der Meere: Grönlandhaie sind wahrscheinlich die langlebigsten Wirbeltiere der Welt. Denn sie können mindestens 400 Jahre alt werden, wie Radiokarbondatierungen ihrer Augenkristalle ergeben. Dafür wachsen die bis zu fünf Meter langen Fische extrem langsam und werden erst mit knapp 200 Jahren geschlechtsreif, wie Forscher im Fachmagazin "Science" berichten. Das mache den Schutz dieser noch immer kaum erforschten Hai-Art besonders wichtig.
Ein Grönlandhai vor der Küste von Nordwest-Grönland. Diese geheimnisvollen Tiere werden mindestens 400 Jahre alt.

Ein Grönlandhai vor der Küste von Nordwest-Grönland. Diese geheimnisvollen Tiere werden mindestens 400 Jahre alt.

Sie sind die geheimnisvollsten unter den Haien: Bisher ist über die im Nordatlantik lebenden Grönlandhaie (Somniosus microcephalus) kaum etwas bekannt. Weder ihre Zahl noch ihre Lebensweise sind genau erforscht, erste Filmaufnahmen dieser Haie gelangen Forschern erst im Jahr 1998. Man weiß aber immerhin, dass die Grönlandhaie nur sehr langsam wachsen: Weniger als einen Zentimeter nehmen sie pro Jahr an Länge zu – was nahelegt, dass die bis zu fünf Meter lange Haie sehr alt sein müssen.

Augenkristalle als Datierungshilfe


Doch die Lebensdauer und das Alter der Grönlandhaie zu bestimmen, ist alles andere als einfach. Bei den meisten anderen Wirbeltieren lässt sich dies über Analysen der Knochen und anderer kalkhaltiger Gewebe ermitteln. Aber das Skelett der Grönlandhaie besteht aus Knorpel – die gängigen Methoden funktionieren daher bei ihm nicht.

Julius Nielsen von der Universität Kopenhagen und seine Kollegen haben nun jedoch eine raffinierte Lösung gefunden: Sie nutzten die kristallisierten Proteine in den Augenlinsen der Fische für eine Radiokarbondatierung. "Diese Gewebe enthalten Kristalle, die kurz vor der Geburt gebildet wurden", erklären die Forscher. Dieses einzigartige Merkmal der Augenlinse kann daher als Altersmarker dienen.


Knapp 400 Jahre alt


Die Auswertung der Kohlenstoffisotope ergab: Schon ein noch nicht ausgewachsener, 2,20 Meter langer Grönlandhai war seinen Augenkristallen nach älter als 50 Jahre. Die beiden größten Tiere im Versuch, zwei Weibchen von rund fünf Metern Länge, aber entpuppten sich als wahre Methusalems: sie waren mindestens 335 bis 392 Jahre alt, möglicherweise aber noch deutlich älter, wie die Forscher berichten.

Tod als Beifang: Immer wieder landen Grönlandhaie im Netz von Fischern

Tod als Beifang: Immer wieder landen Grönlandhaie im Netz von Fischern

Die Ergebnisse liefern auch erste Informationen darüber, wann die Grönlandhaie geschlechtsreif werden: "Weil dies bei Weibchen etwa mit vier Metern Länge der Fall ist, müssen sie zu diesem Zeitpunkt mindestens 156 +/- 22 Jahre alt sein", so Nielsen und seine Kollegen. Diese Fische benötigen demnach mehr als ein Jahrhundert, bevor sie überhaupt erwachsen sind– sie leben sozusagen in Zeitlupe.

Langlebigsten Wirbeltiere der Welt


Nach Angaben der Forscher könnte die Grönlandhaie damit die langlebigsten Wirbeltiere der Erde sein. "Sie übertreffen in ihrer Lebensdauer selbst die Grönlandwale, die gut 200 Jahre alt werden können", so die Wissenschaftler. Das einzige Tier, das nach heutigem Wissen noch länger lebe als der Grönlandhai, sei die Islandmuschel (Arctica islandica) mit gut 500 Jahren.

Den geheimnisvollen Haien könnte ihr Leben in Zeitlupe allerdings gefährlich werden, denn immer wieder landen Grönlandhaie als Beifang in den Netzen der Fischer. Auch die Forscher haben ihre Studie an bereits gestorbenen Beifang-Haien durchgeführt. Wenn diese Haie aber erst mit gut 150 Jahren Nachkommen bekommen, spricht dies nicht dafür, dass sie diese Verluste schnell wieder ausgleichen können.

"Unsere Ergebnisse wecken Besorgnis über den Erhaltungszustand dieser Art", konstatieren Nielsen und seine Kollegen. "Ein vorsorglicher Ansatz bei Schutzbemühungen ist hier dringend anzuraten." (Science, 2016; doi: 10.1126/science.aaf1703)
(American Association for the Advancement of Science, 12.08.2016 - NPO)
 
Printer IconShare Icon