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Samstag, 03.12.2016
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Gehirn von Übergewichtigen altert schneller

Abbau der weißen Hirnmaterie entspricht dem von zehn Jahre älteren Normalgewichtigen

Zehn Jahre älter: Der altersbedingte Abbau des Gehirns schreitet bei übergewichtigen Menschen offenbar schneller voran, wie eine britische Studie nahelegt. Demnach baut die weiße Materie des Gehirns bei Übergewichtigen früher ab als bei schlankeren Menschen. Ihr Gehirn ist dadurch in dieser Hinsicht rund zehn Jahre älter als bei normalgewichtigen Altersgenossen. Warum, bleibt bisher unklar.
Gehirn eines normalgewichtigen 56-Jährigen (links) und eines stark übergewichtigen 50-Jährigen. Die weiße Materie (orange) ist bei Letzterem deutlich verringert.

Gehirn eines normalgewichtigen 56-Jährigen (links) und eines stark übergewichtigen 50-Jährigen. Die weiße Materie (orange) ist bei Letzterem deutlich verringert.

Die Anatomie unsers Gehirns ist individuell verschieden und wird von Lebensumständen, Umwelteinflüssen aber auch von den Genen bestimmt. Bekannt ist beispielsweise, dass das Gehirn mit dem Alter schrumpft und die geistigen Leistungen sinken – aber auch, dass sich dieser Abbau durch Bildung, bestimmte Formen des Hirnjoggings sowie durch Yoga und Meditation verringern lässt.

Einen Faktor, der die Alterung des Gehirns dagegen zu beschleunigen scheint, haben nun Lisa Ronan von der University of Cambridge und ihre Kollegen identifiziert. Für ihre Studie hatten sie die Gesundheitsdaten von 473 Menschen im Alter zwischen 20 und 87 ausgewertet. Zusätzlich analysierten sie die mittels Hirnscan ermittelte Anatomie und das Volumen ihres Gehirns.

Zehn Jahre älter


Dabei zeigten sich auffällige Unterschiede in der Dicke der weißen Hirnmaterie – dem Teil des Denkorgans, der durch die Nervenleitungen und Verknüpfungen der Gehirnzellen und Areale untereinander gebildet wird. Bei stark übergewichtigen Teilnehmern im mittleren Alter und älter, war die weiße Materie deutlich stärker geschrumpft als bei schlankeren Altersgenossen, wie die Forscher berichten.


"Wenn wir älter werden, schrumpfen unsere Gehirne von Natur aus etwas im Volumen", erklärt Ronan. Doch bei übergewichtigen Menschen scheine dieser Abbau der weißen Materie schneller abzulaufen als bei normalgewichtigen. Ein übergewichtiger Mensch von 50 Jahren hat demnach ein Volumen an weißer Hirnmaterie, das dem eines schlanken 60-Jährigen entspricht – sein Gehirn ist damit sozusagen zehn Jahre älter.

Ursächlicher Zusammenhang noch unklar


Trotz dieses beschleunigten Abbaus im "Verdrahtungs-Teil" des Gehirns konnte die Forscher aber keine Einbußen in den geistigen Leistungen bei den Betroffenen feststellen. Das biologisch gesehen ältere Gehirn scheint demnach das Denkvermögen zumindest nicht messbar zu beeinträchtigen, wie die Wissenschaftler betonen.

Warum die weiße Materie aber bei Übergewichtigen schneller abzubauen scheint, wissen auch die Forscher nicht. "Warum die weiße Hirnmaterie bei übergewichtigen Menschen stärker schrumpft, ist nicht klar", sagt Ronan. Ihre Studie könne nur eine Korrelation feststellen, gebe aber keinen Aufschluss über ursächliche Zusammenhänge. Umso wichtiger sei es, hier mehr Klarheit zu schaffen.

"Wir leben in einer alternden Bevölkerung mit einem zunehmenden Anteil Übergewichtiger", sagt Koautor Paul Fletcher von der University of Cambridge. "Daher ist es essenziell, dass wir herausfinden, wie diese beiden Faktoren zusammenhängen, denn die Konsequenzen für unsere Gesundheit könnten durchaus ernstzunehmend sein." (Neurobiology of Aging, 2016; doi: 10.1016/j.neurobiolaging.2016.07.010)
(University of Cambridge, 08.08.2016 - NPO)
 
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