• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Sonntag, 11.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Aus Lust am filmischen Müll

Wer schaut sich eigentlich Trash-Filme und warum?

Von wegen bildungsfern: Der typische Fan von Low-Budget-Horror und anderen Trash-Filmen gehört keineswegs zum bildungsfernen Prekariat – im Gegenteil. Diese Billig-Streifen werden besonders gern von überdurchschnittlich gebildeten, kulturinteressierten Menschen gesehen, wie eine Studie nun belegt. Zumindest ein Vorurteil aber stimmt: Es sind vor allem Männer, die Spaß an Trash-Filmen haben.
Haie und blutige Gemetzel spielen in Trash-Filmen häufig eine Rolle.

Haie und blutige Gemetzel spielen in Trash-Filmen häufig eine Rolle.

Trash-Filme heißen nicht umsonst nach dem englischen Wort für Müll: Sie sind meist amateurhaft produziert, haben ein geringes Budget und entsprechen nicht dem Mainstream. Typisch für dieses Genre sind Low-Budget-Horrorfilme. "Fliegende Haie, laute Schreie, Blutgespeie – das sind beispielsweise die Ingredienzien des Überraschungs-Trash-Hits ‚Sharknado‘", erklärt Keyvan Sarkhosh vom Planck-Institut für empirische Ästhetik in Frankfurt. Dennoch gibt es vom Paradebeispiel „Sharknado“ mittlerweile vier Teile und viele Fans – und auch andere Trash-Filme boomen.

"Auf den ersten Blick erscheint es paradox, warum sich jemand bewusst schlecht gemachte, peinliche und oftmals sogar verstörende Filme anschauen und daran Gefallen finden sollte", sagt Sarkhosh. Er wollte deshalb wissen, worin der Reiz solcher Filme liegt und wer sie sich anschaut. Um dem Phänomen auf den Grund zu gehen, hat der Wissenschaftler in der bisher umfangreichsten Studie zu diesem Thema Trash-Film-Zuschauer befragt.

Männlich und überraschend gut gebildet


Die Auswertung ergab: Zumindest eines der Vorurteile stimmt: Fast 90 Prozent der Trash-Film-Fans sind Männer. Allerdings sind diese keineswegs ungebildet oder gehören zum Prekariat – ganz im Gegenteil: "Wir haben es hier mit überdurchschnittlich gebildeten Zuschauern zu tun, die man in gewisser Weise als ‚kulturelle Allesfresser‘ bezeichnen könnte", sagt Sarkhosh.


Demnach scheinen Trash-Filme eher ein Art Hobby gutgebildeter, kulturell vielseitig interessierter Menschen zu sein. "Sie interessieren sich für ein breites Spektrum an Kunst- und Medienformen jenseits traditioneller Grenzen von Hoch- und Populärkultur", berichtet der Forscher. Wer diese Filme guckt, tut dies demnach offensichtlich nicht aus Mangel an alternativen Interessen – und hat auffällig oft gleichzeitig eine Vorliebe für ambitioniertes Arthouse-Kino.

Ironie und Abwechslung


Und noch etwas zeigte sich: Wer Trash-Filme schaut, ist sich der schlechten Qualität dieser Werke durchaus bewusst. "Billig" oder "filmischer Müll" trifft auch nach Ansicht der Studienteilnehmer als Beschreibung für Trash-Filme am ehesten zu. Trotzdem sehen sie darin durchaus eine Form positiver Unterhaltung. "Es sind vor allem enthusiastische Cineasten, für die Trash-Filme eine interessante und willkommene Abwechslung vom Mainstream-Allerlei darstellen", so Sarkhosh.

Wirklich ernst nimmt der typische Trash-Fan diese Filme demnach nicht: Seine Haltung ihnen gegenüber ist vor allem ironisch. Mit einer solchen ironischen Distanz betrachtet, sorgen gerade die Trash-Filme für Amüsement – sie vermögen zu unterhalten und wirken komisch. Gleichzeitig liefern die Billig-Streifen reichlich Stoff, um sich auszutauschen.

Wie die Studie zeigt, sind viele Trash-Film-Fans in Online-Foren und Blogs aktiv und tauschen sich dort rege über ihre Filmerlebnisse aus. "Auch wenn sich manche der typischen Vorstellungen, die man mit einem Kultfilmerlebnis verbindet, mit Blick auf Trash-Filme gerade nicht bestätigt haben, konnten wir doch zeigen, dass der aktive Austausch in ganz erheblichem Maße zum Genuss der Filme beiträgt", so Sarkhosh. (Poetics, 2016; doi: 10.1016/j.poetic.2016.04.002)
(Max-Planck-Gesellschaft, 05.08.2016 - NPO)
 
Printer IconShare Icon