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Samstag, 03.12.2016
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Verborgenes Gemälde enthüllt

Forscher machen geheimnisvolles "zweites" Gesicht in Portrait von Edgar Degas sichtbar

Verstecktes Frauenbildnis: Forscher haben ein verborgenes Bild unter einem Gemälde von Edgar Degas sichtbar gemacht. Dieses übermalte Bild galt bisher als "unentzifferbar". Nun jedoch enthüllt die Röntgenfluoreszenz-Mikroskopie, dass es sich um das Bildnis einer jungen, damals als Modell sehr beliebten Frau handelt. Die Rekonstruktion enthüllt aber auch, dass der französische Impressionist in Teilen des Portraits maltechnische Probleme hatte.
Im Degas-Gemälde "Portrait of a Woman" (links) scheinen dunkle Spuren eines darunterliegenden Bildes durch. Dieses verborgene Bild haben Forscher nun rekonstruiert (rechts).

Im Degas-Gemälde "Portrait of a Woman" (links) scheinen dunkle Spuren eines darunterliegenden Bildes durch. Dieses verborgene Bild haben Forscher nun rekonstruiert (rechts).

Für Künstler der Vergangenheit war es nicht unüblich, ältere Gemälde später mit neuen Portraits oder Motiven zu übermalen. Als Folge verbergen sich unter den Öl- und Farbschichten einiger alter Gemälde bis heute solche Vorgänger-Bilder. So stießen Forscher unter einem Fresko aus dem 19. Jahrhundert auf ein antikes Wandgemälde und machten ein verstecktes Bild in einem Rembrandt-Portrait sichtbar.

"Diese versteckten Gemälde, meist frühe Kompositionen, liefern uns wertvolle Einblicke in die Kunstwerke, aber auch die Entwicklung der Künstler", erklären David Thurrowgood von der National Gallery of Victoria in Melbourne und seine Kollegen. In vielen Fällen ist jedoch nicht leicht, diese überdeckten Kunstwerke sichtbar zu machen, ohne das darüberliegende Gemälde zu beschädigen.

"Unentzifferbares" Portrait


Einer dieser Fälle ist das "Portrait einer Frau" des impressionistischen Malers Edgar Degas. Das um 1778 gemalte Ölgemälde zeigte eine ältere Frau mit großer, dunkler Kopfhaube. Doch vor allem im Gesichtsbereich der Dargestellten scheinen dunklere Formen durch, die zu einem darunterliegenden früheren Bild gehören müssen.


"Man kann erkennen, dass das darunterliegende Portrait in die entgegengesetzte Richtung blickt wie die alte Frau im Vordergrund", berichten die Forscher. Doch was und wen dieses frühere Werk darstellt, blieb bisher rätselhaft, weil herkömmliche Röntgen- und Analysemethoden kaum Details enthüllen konnten. "Das verborgene Gemälde wurde daher lange Zeit als unentzifferbar angesehen – sehr zur Enttäuschung vieler Akademiker, die dieses Portrait untersucht haben", so Thurrowgood.

Forscher setzen das Degas-Gemälde in das Röntgenfluoreszenz-Mikroskop ein.

Forscher setzen das Degas-Gemälde in das Röntgenfluoreszenz-Mikroskop ein.

Elementverteilung verrät Farben


Um das Geheimnis des versteckten Portraits doch noch zu lüften, haben die Forscher das Degas-Gemälde nun mit einer relativ neuen Methode untersucht: Sie durchleuchteten es mit Hilfe der eines besonders schnellen und hochauflösenden Röntgenfluoreszenz-Mikroskopie. Dafür wird das Bild den in einem Synchrotron erzeugten Strahlung ausgesetzt. Weil verschiedenen Elemente die Röntgenstrahlung unterschiedlich stark absorbieren, lassen sich sowohl die Art als auch die Verteilung der Elemente im Gemälde damit abbilden.

Der Clou daran: Verschiedene Pigmente nutzen jeweils charakteristische Elemente und Kombinationen. So verrät beispielsweise das gemeinsame Vorkommen von Kupfer und Arsen in einem Bildbereich, dass der Maler hier ein grünes Kupferarsenid-Pigment verwendet hat. Zink ist häufig in Zinkweiß vertreten, Kobalt kommt besonders häufig in blauen Pigmenten vor und Quecksilber im Zinnoberrot, wie die Forscher erklären.

Junge Frau mit dunklen Augen


Im Falle des Degas-Gemäldes gelang es Thurrowgood und seine Kollegen dadurch, die verborgenen Farbschichten von den andersfarbigen Deckschichten abzugrenzen. Aus der Verteilung der Pigmente im versteckten Bild konnten sie so Form und Farben des bisher unsichtbaren zweiten Portraits rekonstruieren – und sogar herausfinden, wen dieses geheimnisvolle Frühwerk darstellt.

Aus der Elementverteilung ergibt sich die mögliche Pigmentverteilung - und sie ermöglicht die Rekonstruktion des Portraits in Farbe.

Aus der Elementverteilung ergibt sich die mögliche Pigmentverteilung - und sie ermöglicht die Rekonstruktion des Portraits in Farbe.

Die Rekonstruktion des versteckten Bildes zeigt eine junge Frau mit dunklen Haaren, die nach rechts schaut. Deutlich sind ihre Gesichtszüge und dunklen Augen zu erkennen und ihr in der Mitte gescheiteltes Haar. "Basierend auf unseren Röntgenkartierungen vermuten wir, dass dieses nun enthüllte Portrait das Modell Emma Dobigny darstellt", berichten die Forscher.

Von dieser jungen Frau ist bekannt, dass sie 1869/70 für Degas häufiger Modell stand und auch bei anderen französischen Malern dieser Zeit beliebt war. Degas hatte auch früher schon einige Portraits dieses Modells gemalt, die dem jetzt neu enthüllten Bild stark ähneln, wie die Wissenschaftler erklären.

Probleme beim Malen der Ohren


Das nun ans Licht geholte versteckte Portrait liefert aber auch wertvolle Einblicke in die Maltechnik von Degas. "Die hohe Auflösung macht erkennbar, dass der größte Teil des Gesichts in einem Zug gemalt wurde", berichten Thurrowgood und seine Kollegen. Der Künstler stellte diesen Teil wahrscheinlich in nur einer Sitzung fertig.

Anders dagegen die Ohren der Portraitierten: "Die verschwommene und unproportionierte Form der Ohren spricht dafür, dass Degas mehrere Anläufe benötigte, um die angestrebten Proportionen und Merkmale zu erreichen", so die Forscher. Von Degas sei bekannt, dass er zu dieser Zeit Probleme hatte, Ohren abzubilden und oft zunächst spitze "Pixie-Ohren" malte. Tatsächlich verrät die Elementverteilung im versteckten Portrait, dass auch die junge Frau zunächst zu spitze Ohren bekam.

"Hiermit haben wir erfolgreich ein verstecktes Gemälde von Edgar Degas virtuell rekonstruiert und so wieder sichtbar gemacht", konstatieren Thurrowgood und seine Kollegen. "Gleichzeitig eröffnet unserer Studie einen tieferen Einblick in Degas' Werk und seine künstlerische Malpraxis." (Scientific Reports, 2016; doi: 10.1038/srep29594)
(Scientific Report, 05.08.2016 - NPO)
 
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