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Freitag, 09.12.2016
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Rätsel-Tier verblüfft Meeresbiologen

Lilafarbene Lappenkugel vom Meeresgrund ähnelt keinem bekannten Tier

Es ist lila und ähnelt einer Hortensienblüte – ist aber ein Tier und lebt am Grund des Pazifiks. Dieser seltsam rundlich-gelappte Blob gibt Meeresbiologen zurzeit Rätsel auf. Denn das vor der Küste Kaliforniens entdeckte Wesen ähnelt keinem bekannten Meerestier. Worum es sich bei diesem Fund handelt, versuchen nun US-Taxonomen zu enträtseln. Die Entdeckung dieses "Aliens" im küstennahen Ozean demonstriert erneut, wie unerforscht die Tiefen der Meere noch immer sind.
Eine lilafarbene Kugel vom Meeresgrund des Pazifik: Was dies hier für ein Tier ist, bleibt bisher rätselhaft.

Eine lilafarbene Kugel vom Meeresgrund des Pazifik: Was dies hier für ein Tier ist, bleibt bisher rätselhaft.

Der Grund der Ozeane gilt nicht umsonst als kaum erforscht: Immer wieder stoßen Meeresbiologen in den Tiefen der Meere auf unbekannte und ungewöhnliche Kreaturen. So lebt vor der Küste von Nicaragua ein Oktopus, der sich völlig anders verhält als andere Kraken, in der Tiefsee gibt es pilzförmige Wesen, die die Biologen bis heute nicht einer Tiergruppe zuordnen können und eine vermeintliche Seeanemone entpuppte sich als völlig neue Ordnung von Meerestieren.

"Ich bin ratlos!"


Die jüngste Überraschung haben Meeresbiologen an Bord des Forschungsschiffs Nautilus erlebt. Unterwegs vor der Küste Kaliforniens, haben sie in den letzten Wochen den Meeresgrund im Channel Islands National Marine Sanctuary mit Hilfe von Messinstrumenten und Tauchrobotern kartiert. Als die Forscher sich die Videoaufnahmen anschauten, die die Roboterkamera vom Meeresgrund in rund 1.600 Metern Tiefe machte, sahen sie plötzlich etwas Merkwürdiges.

Im Bild der Kamera erschien nach einigen kleinen Oktopussen und Krebsen ein knall-violettes, rundliches Wesen, das über und über mit lappigen Auswölbungen bedeckt ist. "Oh, was ist das denn", hört man eine der Forscherinnen ausrufen. Es setzt ein wildes Raten ein: Könnte es sich um eine Seescheide handeln? Oder ein Manteltier? "Ich bin ratlos." Diese Kreatur ähnelt auf den ersten Blick keinem bekannten Meerestier und lässt sich auch nicht ohne Weiteres einer Gruppe zuordnen.


Hier sieht man, wie die Forscher das lila Rätseltier entdeckten und bargen.


Fast-Attacke eines Krebses


Noch während die Meeresbiologen darüber beraten, ob der Tauchroboter das seltsame Wesen einsammeln und an die Oberfläche bringen soll, nähert sich ein großer, stacheliger Krebs dem lila Blob und scheint es fressen zu wollen. Doch glücklicherweise kommt es nicht dazu. Das etwa fünf Zentimeter große Rätseltier wird mit dem Sauger des Tauchroboters geborgen und auf das Forschungsschiff gebracht.

Hier wartet die nächste Überraschung: "Nach dem Bergen begann dieses Tier sich auseinander zu falten und enthüllte nun zwei klar erkennbaren Auswölbungen", berichten die Forscher des Nautilus-Projekts. Worum es sich aber handelt, klärt sich auch dabei nicht. Deshalb haben sie ihr Rätseltier nun an Taxonomie-Experten am Harvard Museum of Comparative Zoology geschickt, in der Hoffnung, dass diese herausfinden, welcher Tiergruppe das lila Wesen angehört.

Auch ein Krebs scheint sich für dieses Wesen zu interessieren.

Auch ein Krebs scheint sich für dieses Wesen zu interessieren.

Ist es eine Nacktschnecke?


Während das Rätseltier noch untersucht wird, haben auch die Nautilus-Forscher erste Vermutungen: "Wir glauben, dass es sich um einen Pleurobranchier handeln könnte, einen engen Verwandten der Nacktkiemer", erklären sie. Diese sogenannte Nudibranchia sind eine Familie von marinen Nacktschnecken, die für ihre ungewöhnlichen Färbungen und Formen bekannt sind.

Allerdings: "Keine der bisher aus der kalifornischen Tiefsee bekannten Arten der Pleurobranchier ist violett ", erklärt Susan Poulton, Sprecherin der E/V Nautilus Expedition. Ob es sich um eine ganz neue, zuvor unbekannte Art handelt, oder ob es nur eine Nacktschneckenart ist, die bisher in dieser Meeresgegend unbekannt war, muss sich nun zeigen. Bis jedoch die Taxonomen definitive Antworten haben, kann es noch einige Monate dauern.
(E/V Nautilus Expedition, 01.08.2016 - NPO)
 
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