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Samstag, 16.12.2017
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Gezeiten als Antriebsmotor der Eiszeit

Ebbe und Flut in der Labradorsee lösten Heinrich-Ereignisse aus

Die Gezeiten der Labradorsee im Nordatlantik könnten entscheidend zur letzten Eiszeit beigetragen haben, dies zeigt eine neue, in Nature veröffentlichte Studie eines internationalen Forscherteams. Vor Tausenden von Jahren brach die Kraft von Ebbe und Flut an Küste gigantische Eisberge ab und Meeresströmungen transportierten die Eismassen anschließend weit auf den Ozean hinaus – und trugen zur Veränderung des globalen Klimas bei.
Eisberg

Eisberg

Die Studie ist die erste, die den Gezeiten eine wichtige Rolle bei den so genannten Heinrich-Ereignissen zuspricht, einem rätselhaften Phänomen in der Zeitperiode vor rund 60.000 bis 10.000 Jahren, auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit. In dessen Verlauf wurden immer wieder schubweise gewaltige Mengen von Eisbergen in den Nordatlantik abgegeben.

Die neuen Untersuchungen von Professor Brian Arbic von der Princeton Universität und weiteren Forschern zeigen, dass die Gezeiten zu dieser kalten Flut beitrugen, indem sie gewaltige Eisberge von dem dicken Eispanzer „abnagten“, der damals die gesamte kanadische Landmasse bedeckte. „Diese Ergebnisse liefern einen Zusammenhang zwischen den Meeresgezeiten, den Eisdecken, der Meeresströmung und der Sensibilität des Klimas während der letzten Eiszeit“, erklärt Jerry Mitrovica, Professor für Physik an der Universität von Toronto und Mitautor der Studie. „Es ist wichtig, diese Sensibilität zu verstehen, denn die Verbindung zwischen den Veränderungen in der ozeanischen Zirkulation und dem zukünftigen Klima sind für uns heute von großem Interesse.“

Um die Bewegungen der Gezeiten zur damaligen Zeit nachzuvollziehen, entwickelten Mitrovica, Arbic und andere zunächst ein Computermodell, das die aktuellen Gezeitenvariationen mit 92-prozentiger Genauigkeit erfasst. Dann fütterten sie es mit Simulationen zu den eiszeitlichen Veränderungen der Meeresspiegel. „Die Ergebnisse zeigten, dass die Gezeiten in der Labradorsee immer dann am höchsten waren, wenn auch ein Heinrichereignis geschah“, so Mitrovica. „Wir können daher mit relativ großer Sicherheit davon ausgehen, dass die Gezeiten eine Schlüsselrolle im Brechen des Eises und der Verteilung der Eisberge über das Meer gespielt haben.“


Mitrovica weist allerdings darauf hin, dass die Meereszirkulation nur ein Teil des heutigen Klimawandel-Puzzles darstellt. „Zukünftige Klimaveränderungen können viele unterschiedliche Faktoren beinhalten, aber es ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, dass in unserer eiszeitlichen Vergangenheit schon einmal Gezeiten eine Schwachstelle waren, die als Katalysator für große Klimaereignisse wirkte.“
(University of Toronto, 09.12.2004 - NPO)
 
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