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Donnerstag, 08.12.2016
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Schwangerschaft: Bei Jungs gibt es mehr Komplikationen

Mehr Frühgeburten und Probleme für die Mutter bei männlichem Nachwuchs

Jungs haben es schwerer – zumindest im Mutterleib. Denn bei ihnen kommt es deutlich häufiger zu Frühgeburten und Komplikationen in der Schwangerschaft als bei weiblichen Ungeborenen. Das bestätigt nun eine australische Vergleichsstudie über als 500.000 Geburten. Die Ursache für diese vorgeburtlichen Unterschiede sind noch nicht ganz klar. Die Forscher vermuten aber, dass die Genaktivität der Plazenta dafür eine wichtige Rolle spielen könnte.
Ob das ungeborene Kind ein Junge oder Mädchen ist, spielt für bestimmte Schwangerschafts-Komplikationen sehr wohl eine Rolle.

Ob das ungeborene Kind ein Junge oder Mädchen ist, spielt für bestimmte Schwangerschafts-Komplikationen sehr wohl eine Rolle.

Neun Monate lang bildet der Mutterleib die schützende und prägende Umgebung für das ungeborene Kind. Die wichtigste Verbindung zur Mutter und zur Außenwelt ist dabei die Plazenta: Über sie gelangen einerseits Botenstoffe, Sauerstoff, aber auch Stresshormone und Schadstoffe zum Kind, andererseits wandern auch Zellen und Moleküle des Ungeborenen in den Kreislauf seiner Mutter. Diese Wechselbeziehung beeinflusst daher auch, wie die Schwangerschaft verläuft.

Ob es männlichen und weiblichen Ungeborenen im Mutterleib gleich ergeht, oder ob es möglicherweise doch Unterschiede gibt, haben nun Petra Verburg von der Universität von Groningen und ihre Kollegen näher untersucht. Für ihre Studie werteten sie die Daten von mehr als 574.000 Schwangerschaftsverläufen und Geburten aus, die zwischen 1981 und 2011 in Südaustralien stattfanden.

Mehr Frühgeburten und Komplikationen


Das Ergebnis: Das Geschlecht spielt schon vor der Geburt eine Rolle – für die Gesundheit von Mutter und Kind. Wie die Forscher feststellten, haben männliche Ungeborene ein 27 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt schon vor der 24. Schwangerschaftswoche und ein 24 Prozent höheres Risiko für eine Frühgeburt zwischen der 30. und 33. Woche.


Für die Mutter bedeutet männlicher Nachwuchs ebenfalls potenziell mehr Probleme, wie die Studie ergab: Sie leiden vier Prozent häufiger an Schwangerschafts-Diabetes und zu 7,5 Prozent häufiger an Präeklampsie, einer mit stark erhöhtem Blutdruck und vermehrter Eiweißausscheidung verbundenen Erkrankung.

"Die Belege sind eindeutig: Das Geschlecht des Kindes hat eine direkte Auswirkung auf den Verlauf der Schwangerschaft", sagt Seniorautorin Claire Roberts von der University of Adelaide. Die Ungleichheit der Geschlechter beginne demnach bereits im Mutterleib.

Ist die Plazenta verantwortlich?


Die genauen Ursachen für diese Unterschiede sind noch unklar. Die Forscher vermuten jedoch, dass die Plazenta als Bindeglied zwischen Mutter und Kind eine entscheidende Rolle spielt. Bereits in einer früheren Studie hatten Roberts und ihre Kollegen festgestellt, dass die Genaktivität von 142 Genen in der Plazenta anders ist, je nachdem ob das Ungeborenen ein Junge oder Mädchen ist.

"Die Plazenta ist für den Erfolg der Schwangerschaft entscheidend", erklärt Roberts. "Wir glauben deshalb, dass die geschlechtsbedingten Unterschiede in der Plazentafunktion die Phänomene erklären können, die wir bei den Schwangerschaften beobachtet haben." Wie genau die Plazenta den unterschiedlichen Verlauf der Schwangerschaft bei Jungen und Mädchen beeinflusst, muss nun geklärt werden.

Nach Ansicht der Forscher spricht aber einiges dafür, dass künftig das Geschlecht des ungeborenen Kindes auch bei den Voruntersuchungen stärker berücksichtigt werden muss. "Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass wir spezifische, an das Geschlecht des Kindes angepasste Interventionen benötigen, um Komplikationen für Mutter und Kind zu verhindern", sagt Verburg. (PLOS ONE; 2016; doi: 10.1371/journal.pone.0158807)
(University of Adelaide, 12.07.2016 - NPO)
 
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