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Samstag, 01.10.2016
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Sind Mülldeponien eine Gesundheitsgefahr?

Studie findet erhöhte Raten von Lungenkrebs und Atemwegserkrankungen bei Anwohnern

Ungesunde Nachbarschaft: Wer in der Nähe einer Mülldeponie wohnt, muss möglicherweise mit einem höheren Risiko für Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs rechnen. Darauf deutet eine Studie an gut 240.000 Anwohnern von italienischen Mülldeponien hin. Demnach kann die Belastung mit entweichenden Deponiegasen und anderen Luftschadstoffen die Gesundheit der Anwohner messbar beeinträchtigen, so das Fazit der Wissenschaftler.
Eine Mülldeponie in der Nachbarschaft könnte die Gesundheit beeinträchtigen.

Eine Mülldeponie in der Nachbarschaft könnte die Gesundheit beeinträchtigen.

Mülldeponien gelten nicht gerade als ideale Nachbarschaft, selbst dann nicht, wenn sie modernen Standards entsprechen. Denn viele Menschen befürchten, dass trotz Abdichtungsmaßnahmen Gase, Giftstoffe oder Schwermetalle austreten können. Ob die Nähe zu Deponien tatsächlich Gesundheitsrisiken birgt, ist jedoch umstritten. Epidemiologische Studien dazu lieferten bisher widersprüchliche Ergebnisse.

Anwohner von neun Deponien untersucht


Francesca Mataloni vom regionalen Gesundheitsdienst in Lazio, Rom und ihre Kollegen liefern nun weitere Hinweise darauf, dass zumindest einige Deponien Luftschadstoffe abgeben, die die Gesundheit der Anwohner beeinträchtigen können. Für ihre Studie untersuchten die Forscher die Gesundheit von mehr als 242.000 Menschen, die im Umkreis von fünf Kilometern um eine von neun Deponien in der Region Lazio wohnen.

Die Wissenschaftler verglichen dabei insbesondere, ob die Ausgasung von Schwefelwasserstoff (H2S) aus den Deponien und den Müllverbrennungsanlagen mit bestimmten Krankheiten und vorzeitigen Todesfällen der Anwohner zusammenhängen könnte. Das stark riechende, giftige Gas gilt als Marker auch für andere freigesetzte Deponiegase.


Lungenkrebs und Atemwegs-Erkrankungen


Das Ergebnis: Die Auswertungen ergaben keine Auffälligkeit in Bezug auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen, selbst die Anwohner, die höheren Schwefelwasserstoff-Werten ausgesetzt waren, erkrankten nicht häufiger an Herzinfarkt oder ähnlichem. Anders dagegen bei Atemwegs- und Lungenerkrankungen: Hier stießen die Forscher auf eine Häufung bei den Anwohnern der Deponien.

"Wir haben einen starken Zusammenhang zwischen der Belastung durch Schwefelwasserstoff – stellvertretend für alle Luftschadstoffe der Deponien – und Atemwegserkrankungen sowie Todesfällen durch Lungenkrebs gefunden", berichten Mataloni und ihre Kollegen. Im Durchschnitt lag das Risiko für diese Krankheiten um rund zehn Prozent höher. "Vor allem bei Kindern gab es vermehrt Krankenhauseinweisungen wegen Atemwegsproblemen."

Luftschadstoffe als Ursache?


Nach Angaben der Forscher stimmen diese Ergebnisse gut mit früheren Studien überein, die ebenfalls einen Zusammenhang von Schäden am Atemwegssystem mit dem Leben in unmittelbarer Nähe von Deponien gefunden hatten. "Die Ursache solcher Symptome kann das Einatmen von Giftstoffen, Mikroorganismen und Aerosolen von den Deponien und aus den Abgasen der Müllverbrennungsanlagen sein", so Mataloni und ihre Kollegen.

Wie die Wissenschaftler feststellten, nahm bei den Anwohner der neun Deponien die Häufigkeit von Atemwegserkrankungen sowohl mit der Nähe der Wohnung zur Deponie zu als auch mit der tatsächlich gemessenen Belastung durch Schwefelwasserstoff. Dieser Zusammenhang blieb auch erhalten, als die Forscher mögliche andere Einflussfaktoren wie den Straßenverkehr, die Feinstaubbelastung oder die sozioökonomischen Verhältnisse der Betroffenen mit ein bezogen.

"Die Belege für negative Gesundheitsfolgen bei Deponieanwohnern sind noch immer strittig - auch weil andere Einflussfaktoren bisher oft unzureichend berücksichtigt wurden", betont Mataloni. "Wir haben daher bewusst eine möglichst große Anzahl von Anwohnern mit einbezogen und versucht, Störfaktoren auszuschließen." Dennoch seien vor allem beim Zusammenhang von Deponienähe und Lungenkrebs weitere Studien nötig. (International Journal of Epidemiology, 2016; doi: 10.1093/ije/dyv052)
(Oxford University Press, 25.05.2016 - NPO)
 
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