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Sonntag, 04.12.2016
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Honigbienen vermeiden Junkfood

Auch in Städten finden Bienen genügend Blüten und verzichten auf verarbeiteten Zucker

Gute Nachricht für Bienenfreunde: Auch in urbanen Gegenden scheinen Honigbienen genügend Nahrung in Form von Blütennektar zu finden – und weichen nicht auf menschengemachte Zuckerquellen aus. Eine Studie zeigt, dass sich die Insekten in der Stadt nicht grundsätzlich anders ernähren als ihre Artgenossen auf dem Land. Unklar ist jedoch, ob das auch für so große Metropolen wie New York City gilt.
Auch in der Stadt ist Blütennektar die Hauptnahrungsquelle von Honigbienen

Auch in der Stadt ist Blütennektar die Hauptnahrungsquelle von Honigbienen

Bienen machen mehr als nur Honig: Beim Sammeln von Nektar und Pollen bestäuben sie auch die Blüten anderer Pflanzen und lassen diese so erst Früchte tragen. Dadurch gehören Honigbienen zu den wirtschaftlich wichtigsten Nutztieren. Umso dramatischer ist die Lage, in der sich Bienenvölker auf der ganzen Welt befinden: Durch den zunehmenden Einsatz von Pestiziden und den Verlust natürlicher Lebensräume sind sie mittlerweile stark bedroht.

Gerade in der Stadt besinnt man sich jedoch wieder zunehmend auf den Wert der fleißigen Insekten – und so beginnen immer mehr Menschen in urbanen Gegenden Honigbienen zu halten: Urban Beekeeping nennt sich dieser Trend. Wissenschaftler um Clint Penick von der North Carolina State University in Raleigh wollten nun wissen: Finden die Bienen in der Stadt überhaupt genügend Nahrung in Form von Nektar? Oder weichen sie womöglich auf andere Zuckerquellen aus?

Ernährungscheck bei Bienen


Zu diesem Zweck untersuchte das Team, inwiefern sich die Ernährung von Honigbienen in der Stadt von denen auf dem Land unterscheidet. Die Forscher sammelten Arbeiterbienen aus insgesamt 39 Kolonien aus dem Umkreis der Stadt Raleigh ein – sowohl aus ländlichen Gebieten als auch direkt aus der Stadt. 24 dieser Kolonien wurden von Imkern betrieben, bei den anderen fünfzehn handelte es sich um wilde Völker.


Das Team analysierte dann das Vorkommen bestimmter Kohlenstoff-Isotope im Körper der Bienen. Diese können Aufschluss über die von den Insekten aufgenommene Nahrung geben. So ist etwa das Kohlenstoff-13 typisch für Mais und Zuckerrohr und deutet deshalb auf Nahrung wie Haushaltszucker oder Sirup hin.

Überraschendes Ergebnis


Penick und seine Kollegen vermuteten: Insbesondere domestizierte Stadtbienen müssten hohe Kohlenstoff-13-Werte aufweisen: Zum einen, weil Imker die Nahrung der Bienen oft mit Zuckerwasser ergänzen, zum anderen, weil die Tiere in der Stadt zum Beispiel leicht an Softdrinkdosen oder andere Abfälle gelangen können, in denen sie verarbeiteten Zucker finden. Und auch wilde Bienen würden sich bei Gelegenheit bei alternativen Zuckerquellen bedienen, glaubten sie.

Doch die Ergebnisse zeichneten ein völlig anderes Bild: Es gab keine Hinweise darauf, dass Bienen aus der Stadt mehr verarbeiteten Zucker aufnehmen als ihre Artgenossen vom Land. Allerdings konnten die Forscher nachweisen, dass sich domestizierte Bienen von deutlich mehr verarbeitetem Zucker ernähren als wilde Bienen aus der Stadt und vom Land. Das liege an der Gabe von Zuckerwasser durch die Imker, so die Forscher.

Übertragbar auf Großstädte?


"Grundsätzlich finden Bienen auch in der Stadt also genügend Blüten und müssen ihre Ernährung nicht mit menschlichen Lebensmitteln ergänzen", sagt Penick. "Das ist eine gute Nachricht für städtische Imker: Der Honig in ihren Bienenstöcken stammt hauptsächlich von Blütennektar und nicht von alter Limonade, wie wir es ursprünglich vermutet hatten."

Allerdings sei nicht klar, ob das auch in großen Metropolen gelte: "Unsere Ergebnisse beziehen sich auf eine mittelgroße Stadt. Selbst die urbansten Gegenden von Raleigh verfügen noch über 50 Prozent weite, grüne Flächen. In einer Stadt wie New York City sind dagegen nur rund zehn Prozent der Flächen grün." Es sei deshalb mehr Forschung nötig, um die Lebensbedingungen von Bienen in solchen Großstädten zu untersuchen. (Journal of Urban Ecology, 2016; doi: 10.1093/jue/juw001)
(North Carolina State University Raleigh , 19.05.2016 - DAL)
 
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