• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 08.12.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Komplizen der Pollen-Allergene aufgedeckt

Nicht-allergene Substanzen verschlimmern die Immunreaktion

Rote Augen, Triefnase und Juckreiz: Besonders im Frühjahr plagt viele Menschen der Heuschnupfen. Verantwortlich dafür sind Allergene in den winzigen Pflanzen-Partikeln – doch die haben offenbar zusätzliche Helfer, wie Forscher nun berichten: Nicht-allergene Substanzen aus Pollen verschlimmern die unangenehme Immunreaktion. Das zeigen Versuche. Diese Erkenntnis könnte nun helfen, Behandlungserfolge zu verbessern.
Im Frühjahr und Sommer leiden viele Menschen unter Heuschnupfen

Im Frühjahr und Sommer leiden viele Menschen unter Heuschnupfen

Die Täter schienen klar: Lange hat sich die Allergie-Forschung nur auf die Allergene konzentriert – die Bestandteile von Pollen, welche die problematische Immunreaktionen auslösen. Beim Kontakt mit Schleimhäuten setzen Pollen allerdings nicht nur diese Allergene frei, sondern auch viele andere Substanzen. In einer Pilotstudie hat ein Forscherteam um Stefanie Gilles-Stein von der Technischen Universität München nun erstmals die Wirkung dieser Stoffe auf Allergiker untersucht.

"Kastrierte" Extrakte im Test


Bei ihrer Studie konzentrierten sich die Forscher auf einen besonders berüchtigten Allergieauslöser im Frühjahr: Birkenpollen. Hauptverursacher der problematischen Abwehrreaktion des Immunsystems ist ein Protein namens Bet v 1. Für ihre Untersuchungen haben die Forscher dieses Allergen aus Extrakten von Birkenpollen gezielt herausgefiltert.

Es blieben nur noch die nicht-allergenen niedermolekulare Substanzen des Birkenpollens in den Proben übrig. Diese setzten die Forscher dann in verschiedenen Kombinationen aus Allergen und niedermolekularen Substanzen bei Prick-Test auf der Haut von Pollen-Allergikern ein. Außerdem verabreichten sie den Testpersonen einige der Mischungen über die Nase.


Verstärkte Reaktion


Wie zu erwarteten war, verursachten die niedermolekularen Substanzen allein keinerlei Effekte. Erst in Kombination mit den Allergenen zeigte sich ihr problematischer Beitrag: Sowohl beim Prick-Test als auch bei der Aufnahme über die Nase waren die Reaktionen deutlich stärker, wenn nicht nur das Allergen allein, sondern zusätzlich auch die niedermolekularen Substanzen verabreicht wurden.

Mit anderen Worten: Pieksten die Forscher beide zusammen in die Haut der Probanden, bildeten sich besonders starke Rötungen und in der Nase sorgte die Mischung für verstärkte Schleimbildung und intensivere Antikörper-Produktion.

Kombinationseffekte belegt


Weitere Tests zeigten dann: Das "kastrierte" Extrakt aus Birkenpollen löste nicht nur bei Birken-Allergikern Reaktionen aus. Die verstärkende Wirkung zeigte sich auch bei Menschen, die gegen Gräserpollen allergisch waren und das entsprechende Allergen in Kombination mit dem Birkenpollen-Extrakt verabreicht bekamen.

Dies lässt sich offenbar plausibel erklären: "Die entzündliche Wirkung der niedermolekularen Bestandteile ist ein unspezifischer Effekt, der nicht mit einem bestimmten Allergen zusammenhängt", sagen die Forscher.

Für den Allergie verstärkenden Effekt ist wahrscheinlich ein Zusammenspiel verschiedener der rund 1000 niedermolekularen Substanzen verantwortlich, sagen die Forscher. "Der menschliche Organismus ist komplex. Man kann nicht erwarten, dass die Ursache für die Entstehung von Allergien auf eine einzige Substanz herunterbrechen lässt."

Neue Behandlungsansätze


Die Erkenntnis, dass auch nicht-allergene Substanzen in Pollen Einfluss auf die Reaktion des Körpers haben, könnte nun die Behandlung von Allergien verändern, sagen die Wissenschaftler. Beispielsweise könnte der Effekt eine Rolle bei der spezifischen Immuntherapie (Hyposensibilisierung) spielen.

Dabei verabreichen Ärzte Flüssigkeiten, die Pollen mit allen Bestandteilen enthalten. "Derzeit schlagen nur 60 bis 70 Prozent der Hyposensibilisierungstherapien an", sagt Traidl-Hoffmann. Ein Grund dafür könnten die nicht-allergenen aber entzündungsfördernden Inhaltsstoffe sein, die sich negativ auf die Behandlung auswirken. (Clinical and Experimental Allergy, 2016; doi: 10.1111/cea.12739)
(Technische Universität München, 11.05.2016 - DAL)
 
Printer IconShare Icon