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Samstag, 10.12.2016
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Neandertaler: Wurde ihnen Opportunismus zum Verhängnis?

Ernährungsstrategien von Neandertalern und Homo sapiens waren verschieden

Vorsprung durch Technik: Die Ernährung könnte eine entscheidende Rolle für das Verschwinden der Neandertaler gespielt haben. Denn wie Zahnanalysen belegen, waren die Eiszeitmenschen in puncto Speiseplan Opportunisten – sie aßen, was grad da war. Der Homo sapiens dagegen war unabhängiger von den Umweltbedingungen, denn er nutzte vermehrt Werkzeuge, um selbst schwer zugängliche Nahrung zu erbeuten.
Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich

Schädel eines Homo sapiens und eines Neandertalers im Vergleich

Die Neandertaler waren mehr als 250.000 Jahre lang die dominierende Menschenart in Europa. Doch vor rund 40.000 Jahren war plötzlich Schluss: Während aus Afrika unsere Vorfahren nach Europa einwanderten, schwand die Population unseres eiszeitlichen Vetters und er starb aus. Warum, ist bis heute rätselhaft.

Ob vielleicht die Ernährung eine Rolle spielte, haben nun Sireen El Zaatari von der Universität Tübingen und ihre Kollegen untersucht. Für ihre Studie analysierten sie Mikroabnutzungsspuren von 52 fossilen Backenzähnen von Neandertalern und jungpaläolithischen Menschen und zogen daraus Rückschlüsse auf deren Speiseplan und das zu jeder Zeit herrschende Klima.

Neandertaler waren Opportunisten


Dabei zeigte sich: Neandertaler und Homo sapiens nutzten verschiedene Strategien, um ihre Nahrung zu beschaffen und sich an Umweltveränderungen anzupassen. Die Neandertaler waren demnach Opportunisten: Immer, wenn sich ihre Umwelt veränderte, änderte sich auch das Abnutzungsmuster auf ihren Zähnen.


Für ihre Studie analysierten die Forscher winzige Abnutzungsspuren auf der Zahnoberfläche im Größenbereich unter einem Mikrometer.

Für ihre Studie analysierten die Forscher winzige Abnutzungsspuren auf der Zahnoberfläche im Größenbereich unter einem Mikrometer.

"Das zeigt, dass sie ihre Ernährung an die Verfügbarkeit der Nahrung anpassten", erklären die Forscher. Wurde es wärmer und Wälder breiteten sich aus, dann aßen sie mehr pflanzliche Nahrung, darunter harte Nüsse und Samen. Dominierte dagegen in kühleren Phasen die Steppe, jagten sie mehr tierische Beute. „Diese Umstellungen haben die Neandertaler über lange Zeit erfolgreich gemeistert“, sagt El Zaatari.

Homo sapiens: Werkzeuge machten unabhängig


Im Gegensatz dazu waren unsere Vorfahren, die Vertreter des Homo sapiens, auf den ersten Blick deutlich unflexibler: Sie hielten auch bei wechselnder Umwelt an ihren Ernährungsgewohnheiten fest und aßen selbst in kalten Steppen deutlich mehr Pflanzennahrung als die Neandertaler, wie die Zahnanalysen zeigen.

Möglich wurde dies durch einen kulturellen Fortschritt unserer Vorfahren: "Sie entwickelten Werkzeuge, um etwa an Pflanzenknollen im Boden zu kommen", erklärt El Zaatari. Diese Technologie machte es ihnen möglich, selbst unter ungünstigen klimatischen Bedingungen an ausreichend qualitativ hochwertige Nahrung zu bekommen. "Mit Hilfe ihrer Technologie konnten sie sich von den Beschränkungen der Umweltbedingungen befreien", so die Forscherin.

Homo sapiens war effizienter


Diese Ergebnisse bedeuten nicht, dass die Neandertaler generell unflexibel waren oder sich nicht gut an Veränderungen anpassen konnten, wie die Wissenschaftler betonen. Dennoch könnte ihre eher opportunistische Ernährung dann zu einem Nachteil geworden sein, als das Klima während der Eiszeit sehr kalt und die Nahrung knapper wurde.

"Die modernen Menschen könnten unter diesen Bedingungen einen Vorteil gegenüber den Neandertalern gehabt haben, weil sie die Nahrungsquellen in ihrer Umwelt effizienter nutzen konnten", erklären El Zaatari und ihre Kollegen. (PloS ONE, 2016; doi: 10.1371/journal.pone.0153277)
(Universität Tübingen, 28.04.2016 - NPO)
 
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