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Sonntag, 04.12.2016
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Angst lässt Spinnen größer wirken

Falsche Größeneinschätzung als Ursache von Phobien?

Verzerrte Wahrnehmung: Wer Angst vor Spinnen hat, nimmt die Tiere viel größer wahr als gesunde Menschen. Diese abweichende Verarbeitung der visuellen Information könnte eine mögliche Ursache der übersteigerten Furcht vor den Krabblern sein, wie Experimente nahelegen. Die gute Nachricht: Die falsche Einschätzung lässt sich mithilfe einer Therapie erfolgreich korrigieren.
Objekt der Angst: Wer sich vor Spinnen fürchtet, überschätzt die Größe der Krabbler

Objekt der Angst: Wer sich vor Spinnen fürchtet, überschätzt die Größe der Krabbler

Jede dritte Frau und jeder fünfte Mann hat Angst vor Spinnen. Die achtbeinigen Krabbler lösen bei vielen Menschen nicht nur Unwohlsein, sondern im Extremfall richtige Panik, Grusel und Ekel aus. Allein die Vorstellung, einer Spinne zu begegnen, verursacht bei Spinnenphobikern mitunter ein Angstgefühl von lähmender Intensität.

Irrationale Angst


Aus evolutionärer Sicht könnte diese Angst sogar Sinn ergeben. Schließlich sind Spinnen Jäger und verabreichen ihren Opfern ein Gift, dass diese hilflos macht. Allerdings können dem Menschen nur einige wenige Spinnen überhaupt gefährlich werden. Wer Furcht vor Spinnen hat, müsste theoretisch noch mehr Angst vor Bienen und Wespen haben. Ihr Gift kann eine tödlich verlaufende allergische Reaktion auslösen – sie stellen also eine viel realere Gefahr dar als die meisten Spinnen.

Angst vor Spinnen ist jedoch eine irrationale Angelegenheit, der mit logischen Argumenten kaum beizukommen ist. Doch woher kommt diese unbegründete Reaktion? Das hat ein Forscherteam um Youssef Shiban von der Universität Regensburg nun genauer untersucht.


Wie groß ist die Spinne?


Mithilfe eines Experiments wollten die Wissenschaftler folgende Hypothese testen: Könnte es sein, dass die Betroffenen visuelle Informationen, die mit dem Objekt der Angst zu tun haben, verzerrt wahrnehmen und damit anders verarbeiten? Zur Klärung dieser Frage ließen Shiban und seine Kollegen 41 Patienten mit Spinnenangst und 20 gesunde Probanden die Größe von Spinnen einschätzen.

Dazu konfrontierten sie die Teilnehmer mit realen Spinnen – einmal vor und einmal nach einer sogenannten Expositionstherapie. Bei dieser Behandlungsform werden Personen, die an einer Spinnenphobie leiden, wiederholt dem angstauslösenden Objekt ausgesetzt. Ziel ist es, einen Lernprozess in Gang zu setzen, der den Betroffenen verdeutlicht, dass die Situation harmlos ist.

Verzerrte Wahrnehmung bei Angstpatienten


Die Ergebnisse zeigten einen bedeutenden Unterschied zwischen beiden Gruppen. Zwar neigten sowohl gesunde Menschen als auch Phobiepatienten dazu, die Größe der Spinnentiere zu überschätzen. Bei den Phobikern war diese Verzerrung der Größenwahrnehmung jedoch viel ausgeprägter: Sie schätzten die Spinnen stets deutlich größer ein.

Die gute Nachricht: Offensichtlich lässt sich die falsche Wahrnehmung mithilfe einer Expositionsbehandlung erfolgreich korrigieren, wie die Untersuchung offenbarte. Im Verlauf der Therapie überschätzten die Probanden die Größe der Spinnen immer weniger stark. Am Ende konnten die Wissenschaftler keinen Unterschied mehr zwischen der Einschätzung der Patienten und der der Gesunden feststellen. (Biological Psychology, 2016; doi: 10.1016/j.biopsycho.2016.03.005)
(Universität Regensburg, 11.04.2016 - DAL)
 
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