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Donnerstag, 29.09.2016
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Phantomschmerzen wegfrieren?

Neue Methode verspricht Hilfe für Amputierte

Hoffnung für Patienten mit Phantomschmerzen: Eine Kältetherapie für Narbengewebe und Nervenzellen könnte ein wirksames Mittel gegen die schmerzhaften Empfindungen im Bereich des amputierten Körperteils sein. Dabei werden Nerven im verbleibenden Stumpf gezielt heruntergekühlt und dadurch unempfindlich gemacht. So behandelte Patienten nahmen ihre Schmerzen weniger intensiv war, berichten Forscher auf der Jahrestagung der Society of Interventional Radiology.
Schmerzen, da wo eigentlich nichts mehr weh tun dürfte: Viele Amputierte leiden unter Phantomschmerz.

Schmerzen, da wo eigentlich nichts mehr weh tun dürfte: Viele Amputierte leiden unter Phantomschmerz.

Viele Patienten klagen nach der Amputation eines Körperglieds über Phantomschmerzen. Sie spüren Schmerzen dort, wo eigentlich nichts mehr weh tun dürfte: im Bereich des abgetrennten Körperteils. Die genaue Ursache für dieses Empfinden ist noch nicht genau erforscht. Wissenschaftler gehen jedoch davon aus, dass Phantomschmerzen kein rein psychisches Phänomen sind – sondern unter anderem auch auf neuronale Veränderungen zurückzuführen sind.

"Für die Therapie gibt es bislang nur wenige Ansätze, die die Schmerzen der Patienten tatsächlich deutlich zu lindern vermögen", sagt der Radiologe David Prologo von der Emory School of Medicine in Atlanta. Er und seine Kollegen haben nun jedoch eine Methode entwickelt, mit der das gelingen könnte. Das vielversprechende Mittel: extreme Unterkühlung.

Kältetherapie für Nervenzellen


Bei 20 amputierten Schmerzpatienten führten die Forscher eine sogenannte Kryoablation durch. Dabei werden Narbengewebe und Nerven in dem verbleibenden Stumpf 25 Minuten lang auf Temperaturen von unter Null Grad heruntergekühlt. Das Ziel: Die Nervenzellen sollen durch die Kälte so verändert werden, dass sie keine Signale mehr weiterleiten.


Prologo und seine Kollegen setzten dafür eine kleine Sonde ein, die die Haut durchdringt. Um die Nerven finden und exakt treffen zu können, kamen zudem spezielle bildgebende Verfahren zum Einsatz. "Viele der Nerven, die zu Phantomschmerzen beitragen, sind für Ärzte normalerweise schwer zugänglich", sagt Prologo. "Mit Unterstützung von bildgebenden Verfahren können wir diese Probleme lösen, wie unsere Methode zeigt."

Geringeres Schmerzempfinden


Wie erfolgreich die Therapie war, testeten die Forscher mit einer Befragung. Alle Patienten mussten vor der Behandlung sowie sieben Tage und 45 Tage später die Intensität ihrer Schmerzen bewerten – auf einer Skala von eins (keine Schmerzen) bis zehn (extreme Schmerzen). Das Ergebnis: Hatten die Amputierten vor der Kryoablation ihre Schmerzen im Schnitt noch mit einer 6,4 beurteilt, vergaben sie 45 Tage nach der Behandlung nur noch eine 2,4.

Die Forscher hoffen, mithilfe der gezielten Kryoablation in Zukunft vielen Schmerzpatienten das Leben erleichtern zu können. Sie wollen das Potenzial der neuen Therapie nun noch weiter untersuchen – und dabei auch die Schmerzentwicklung der Patienten aus der aktuellen Studie über einen langen Zeitraum weiter beobachten. (Society of Interventional Radiology's 2016 Annual Scientific Meeting, Abstract)
(Society of Interventional Radiology, 06.04.2016 - DAL)
 
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