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Dienstag, 27.09.2016
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Kosmischer Radioblitz: Ortung falsch?

Vermeintliches Nachglühen stammte nicht von der Quelle des Radiobursts

Falsch interpretiert? Erst vor wenigen Wochen hatten Astronomen erstmals die Quelle eines der mysteriösen Radioblitze ausfindig gemacht – so glaubten sie jedenfalls. Jetzt jedoch wecken weitere Beobachtungen Zweifel an ihrer Ortung. Denn das vermeintliche Nachglühen ist wahrscheinlich nur der Strahlenjet eines massereichen Schwarzen Lochs – und hat daher nichts mit dem Radioblitz zu tun, berichten zwei US-Astronomen.
Das Parkes Radioteleskop fängt einen kosmischen Radioblitz ein (Illustration)

Das Parkes Radioteleskop fängt einen kosmischen Radioblitz ein (Illustration)

Ende Februar 2016 meldeten Astronomen einen wichtigen Durchbruch bei der Erforschung der noch immer rätselhaften Fast Radiobursts. Mit Hilfe des Parkes Radioteleskops in Australien war es ihnen gelungen, einen dieser nur wenige Millisekunden kurzen Radioblitze live einzufangen. Mehrere Tage lang registrierten die Forscher zudem ein schwächer werdendes Nachglühen, das ihnen erstmals die Lokalisierung der Quelle von FRB 150418 in einer sechs Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie ermöglichte.

Widersprüche in Nachbeobachtungen


Doch jetzt wecken neue Beobachtungen Zweifel an dieser Zuordnung. Nach der Entdeckung von FRB 150418 haben Peter Williams und Edo Berger vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics haben das Nachglühen mit Hilfe des Very Large Array (VLA) untersucht, einem Verbund von 27 einzelnen Radioteleskopen in New Mexico.

Dabei zeigte sich, dass die Radiostrahlung auch einige Tage nach Ende des Blitzes nicht komplett verschwand – wie es bei einem Nachglühen der Fall sein müsste. Stattdessen schwankte die Intensität der Radiowellen stark und stieg sogar zeitweilig wieder bis auf das Anfangsniveau kurz nach dem Radioburst an.


Die Teleskope des Very Large Array (VLA) in New Mexico

Die Teleskope des Very Large Array (VLA) in New Mexico

Zu wechselhaft für echtes Nachglühen


"Die Radio-Emission dieser Quelle geht auf und ab, aber verschwindet nie vollständig", sagt Berger. "Das bedeutet, dass es sich nicht um die Nachwehen des Fast Radiobursts handeln kann." Denn diese müssten stetig immer schwächer werden und dann langsam erlöschen, wenn die Energieabgabe der Quelle abnimmt. Doch das ist bei dieser Quelle nicht der Fall.

Nach Ansicht der Astronomen muss es sich daher um eine stetige, vom Radioblitz völlig unabhängige Quelle der Radiostrahlung handeln. Sie liegt zwar in der gleichen Richtung, scheint aber keinen ursächlichen Zusammenhang zu besitzen. "In diesem Fall sieht es so aus, als wenn es eine sehr viel profanere Erklärung für die Radiobeobachtungen unserer Kollegen gibt", meinst Williams.

Schwarzes Loch als Quelle


Wahrscheinlich stammt das vermeintliche Nachglühen von einem massereichen Schwarzen Loch im Zentrum der sechs Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie. Dieses saugt aktiv Materie an und gibt dabei energiereiche Gas- und Strahlenjets ab – darunter auch die nach FRB 150418 registrierten Radiostrahlen.

Die Schwankungen der Radiostrahlen aus diesem aktiven Galaxienkern könnten nach Ansicht der Astronomen von Fluktuationen in der Aktivität des Schwarzen Lochs herrühren: Verschlingt es gerade weniger Materie, lässt auch die Strahlung nach und imitiert damit ein Nachglühen. Möglich wäre aber auch, dass Störeffekte interstellarer Gase die Radiowellen nachträglich verändert haben, so die Forscher.

Suche nach den Ursachen geht weiter


Für Williams und Berger ist damit klar, dass der Ursprung der rätselhaften Radioblitze leider noch immer unbekannt ist. Denn zumindest FRB 150418 lässt sich eben nicht so eindeutig auf eine extragalaktische Quelle zurückführen, wie noch im Februar angenommen. "Das ist nun mal Teil des wissenschaftlichen Prozesses, dass man Ergebnisse überprüft, um zu schauen, ob sie standhalten", sagt Williams.

Dennoch sind die Forscher optimistisch, dass die Astronomie bald auch die wahren Quellen dieser Radioblitze entdecken wird. "Wir sind heute bei den Fast Radiobursts dort, wo wir vor 30 Jahren bei den Gammastrahlen-Ausbrüchen waren", sagt Williams. "Wir sahen diese Gammablitze, aber wussten nicht, was sie verursachte." Inzwischen ist man hier sehr viel weiter – und das erhoffen sich die beiden Astronomen auch bald bei den kosmischen Radioblitzen. (Astrophysical Journal Letters, in press; arXiv:1602.08434)
(Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics, 06.04.2016 - NPO)
 
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