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Sonntag, 04.12.2016
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Lyme-Borreliose: Übertragung durch Mückenstich?

Forscher finden den Erreger erstmals auch in zehn Stechmückenarten in Deutschland

Kleiner Stich mit bösen Folgen? Erstmals haben Forscher Borrelien auch in deutschen Stechmücken nachgewiesen. Sie fanden die Erreger der Lyme-Borreliose in insgesamt zehn verschiedenen Mückenarten. Damit kann die Krankheit theoretisch nicht nur durch Zecken, sondern auch durch Mücken übertragen werden. Praktisch spielen sie nach derzeitigem Erkenntnisstand jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Es bestehe kein Grund zur Panik, beruhigen die Wissenschaftler.
Potenzielle Überträger: Erstmals haben Forscher Borrelien auch in zehn Stechmückenarten in Deutschland gefunden

Potenzielle Überträger: Erstmals haben Forscher Borrelien auch in zehn Stechmückenarten in Deutschland gefunden

Sie werden in der Regel durch Zecken übertragen und können akute und chronische Beschwerden in Gelenken, Muskeln und im Nervensystem verursachen: die Erreger der Lyme-Borreliose. Zwischen 40.000 und 214.000 Menschen stecken sich in Deutschland jedes Jahr mit den Bakterien an. Eines der wenigen klaren Anzeichen für eine Infektion ist die sogenannte Wanderröte, rote, kreisrunde Verfärbungen um einen Zeckenstich herum.

Doch obwohl hierzulande der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) als Hauptüberträger gilt, entdecken Wissenschaftler immer wieder vereinzelte Borrelien-Erreger in anderen Insekten wie Bremsen oder Flöhen. Forscher um Christian Melaun vom Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum haben nun auch Mücken auf ihr Übertragungspotential hin untersucht – und sind fündig geworden.

Zehn Stechmückenarten befallen


Für seine Studie ging das Team auf Mückenjagd: An 42 Fangstandorten über das gesamte Bundesgebiet verteilt fingen die Wissenschaftler im Jahr 2013 von April bis Oktober Stechmücken der Gattungen Aedes, Culiseta, Culex und Ochlerotatus und testeten sie auf Borrelien.


Und tatsächlich: Exemplare von zehn verschiedenen Stechmückenarten aus vier Gattungen trugen Erreger der Lyme-Borreliose in sich. Bei den untersuchten Mücken lagen die Befallshäufigkeiten mit Borrelien zwischen 0,13 und 8,33 Prozent – bei der Rheinschnake zum Beispiel bei 0,3 Prozent, bei der häufigen Stechmückenart Aedes cataphylla waren 11,1 Prozent mit den Bakterien infiziert.

Drei Borrelien-Arten nachgewiesen


Borrelien können die Multisystemerkrankung Lyme-Borreliose auslösen

Borrelien können die Multisystemerkrankung Lyme-Borreliose auslösen

Mithilfe molekularbiologischer Tests konnten Melaun und seine Kollegen zudem feststellen, um welche Borrelien-Arten es sich konkret handelte. Im Labor identifizierten die Forscher die drei Arten Arten Borrelia afzelii, Borrelia bavariensis und Borrelia garinii. "Alle drei Arten sind humanpathogen und gelten in Deutschland sowie Europa als die bedeutendsten Erreger der Lyme-Borreliose", schreiben die Wissenschaftler.

Die Parasitologen haben damit erstmals nachgewiesen, dass die Erreger der Lyme-Borreliose in Deutschland auch in Mücken vorkommen. Ein Laborversuch zeigte zudem, dass die Bakterien auch in unter Laborbedingungen geschlüpften und aufgezogenen Blutsaugern erhalten bleiben. "Das ist erstaunlich und zeigt, dass die Borrelien die Umwandlung der Larve zur Puppe und schließlich zum ausgewachsenen Tier überleben können", berichten sie.

Kein Grund zur Panik


Auch wenn Stechmücken in Deutschland potenzielle Borreliose-Überträger sein können, besteht den Forschern zufolge jedoch kein Grund zur Panik: "Nach unserem derzeitigen Erkenntnisstand sind Stechmücken als Überträger der Lyme-Borreliose auslösenden Erreger nur bedingt geeignet. Wenn überhaupt spielen sie eine eher untergeordnete Rolle", betonen sie. (Ticks and Tick-borne Diseases, 2016; doi: 10.1016/j.ttbdis.2015.10.018)
(Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen, 23.03.2016 - DAL)
 
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