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Donnerstag, 08.12.2016
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Bei Tüpfelhyänen sind Nesthocker keine Verlierer

Daheimgebliebene pflanzen sich ähnlich erfolgreich fort wie Abwanderer

Von wegen Männchen zweiter Klasse: Auch Hyänenmännchen, die zu Hause bleiben, können Erfolg bei den Weibchen haben. Sie zeugen mitunter genauso viele Nachkommen wie ihre abenteuerlustigen, abwandernden Kollegen, wie Forscher im Fachmagazin "Science Advances" berichten. Der große Vorteil: Die "Nesthocker" unter den jungen Hyänen profitieren in der heimischen Gruppe von der Unterstützung ihrer Mütter.
Erfolgreiche Nesthocker: Hyänenmännchen, die Zuhause bleiben, profitieren von der Unterstützung ihrer Mütter

Erfolgreiche Nesthocker: Hyänenmännchen, die Zuhause bleiben, profitieren von der Unterstützung ihrer Mütter

Wenn Säugetiere heranwachsen, müssen sie irgendwann selbstständig werden. Mit dem Erreichen der Geschlechtsreife entfernen sich vor allem junge Männchen oft von Zuhause. Sie wandern ab, um woanders einen fortpflanzungswilligen Partner zu finden. Doch nicht alle Männchen verhalten sich so. Bei den meisten Tierarten gibt es auch männliche Nesthocker.

Diese gelten gemeinhin als Verlierertypen. Sie zeugen weniger Nachkommen, weil sie die zusätzlichen Risiken scheuen, die mit einer Abwanderung üblicher Weise verbunden sind. Wissenschaftler um Eve Davidian vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung haben nun jedoch gezeigt, dass das – zumindest bei Tüpfelhyänen – so nicht stimmt.

Mehr Nesthocker als erwartet


Die Forscher haben über einen Zeitraum von 20 Jahren die gesamte Tüpfelhyänenpopulation des Ngorongoro-Kraters in Tansania untersucht. Sie zeichneten demographische Daten der acht Clans auf und verknüpften diese mit Daten zu Abwanderungsverhalten, Gruppenwahl, Überlebensdauer und Fortpflanzungserfolg von über 250 Hyänenmännchen.


Wie erwartet, wanderten die meisten jungen Männchen des Ngorongoro-Kraters aus ihrer Geburtsgruppe ab. Schließlich warteten in anderen Hyänengruppen mehr junge Weibchen auf sie als Zuhause. Insgesamt blieben jedoch mehr Männchen in ihrer Geburtsgruppe als aufgrund der Verteilung der jungen Weibchen zu erwarten war.

Mutter sei Dank


Der Grund: Das auf den ersten Blick ungünstige Verhalten bringt für die Nesthocker erstaunliche Vorteile, weil sie Zuhause den Beistand ihrer Mutter genießen. Und der kann ihnen für Fortpflanzungsversuche äußerst nützlich sein – vor allem dann, wenn die Mutter selbst einen hohen Rang in der Gruppe einnimmt. Denn im matriarchalischen System der Tüpfelhyänen beeinflussen Weibchen den Wettbewerb der Männchen.

"Mütter unterstützen ihre daheimgebliebenen Söhne und sorgen dafür, dass diese einen hohen sozialen Rang in der Rangfolge der Männchen erlangen. Dadurch haben die Nesthocker privilegierten Zugang zu Ressourcen und Weibchen und können viel Zeit in den Aufbau von Beziehungen investieren", erklärt Davidian.

Das zahlt sich aus: Nesthocker zeugen ihre ersten Nachkommen früher als Abwanderer und paaren sich fast ausschließlich mit ranghohen Weibchen – jenen Weibchen also, die ihre Jungen besonders erfolgreich aufziehen.

Genauso erfolgreich


Damit weist die Studie zum ersten Mal bei einem gruppenlebenden Säugetier empirisch nach, dass daheimgebliebene Männchen mindestens so erfolgreich sein können wie Abwanderer. Abwanderung ist ein Schlüsselfaktor ökologischer und evolutionärer Prozesse. Bisher fand die Wissenschaft jedoch keine befriedigende Erklärung dafür, weshalb sich Individuen desselben Geschlechtes einer Art in ihrer Abwanderungstendenz unterscheiden.

Die Ergebnisse der Langzeitstudie liefern dazu neue Erkenntnisse und tragen zum Verständnis der Prozesse bei, die zur Koexistenz von Ortstreue und Abwanderung im gleichen Geschlecht führen, schreiben die Forscher. Gehen oder bleiben – diese Entscheidung fällen heranwachsende Tiere demnach individuell. Dabei beantworten sie alle die gleiche Frage: Wo habe ich den größten Fortpflanzungserfolg? (Science Advances, 2016; doi: 10.1126/sciadv.1501236)
(Leibniz-Institut für Zoo und Wildtierforschung, 21.03.2016 - DAL)
 
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