• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Donnerstag, 30.06.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Auch Spinnen essen häufiger mal vegetarisch

Pflanzenkost steht häufiger auf dem Spinnen-Speiseplan als bisher gedacht

Von wegen reine Insektenfresser: Spinnen scheuen selbst vor vegetarischer Kost nicht zurück, wie Forscher herausgefunden haben. Wenn es sich anbietet, fressen sie auch Pollen, trinken Nektar oder knabbern am Blattgewebe von Pflanzen. Und das gilt keineswegs nur für einige Ausnahmen: Vertreter aus zehn verschiedenen Familien haben regelmäßig auch Vegetarisches auf ihrem Speiseplan.
Eine junge Springspinne der Art Baheera kiplingi frisst das fettreiche Sekret einer Akazie.

Eine junge Springspinne der Art Baheera kiplingi frisst das fettreiche Sekret einer Akazie.

Spinnen gelten bisher als klassische Fleischfresser: Die achtbeinigen Räuber lauern entweder in ihren Netzen auf Beute oder gehen selbst auf die Jagd, wie beispielsweise viele Vogelspinnen. Die Weibchen einiger Spinnenarten, darunter der berüchtigten Schwarzen Witwe, schrecken sogar vor Kannibalismus nicht zurück und verspeisen ihre Paarungspartner nach dem Sex, wenn diese nicht rechtzeitig flüchten.

Pflanzenkost verbessert Überlebenschancen


Martin Nyffeler von der Universität Basel und seine Kollegen belegen nun jedoch, dass die Spinnen keineswegs reine Fleischfresser sind, wie bisher angenommen. Ganz im Gegenteil: Die Tiere ergänzen ihren Speiseplan gerne auch mal mit vegetarischer Kost. Aus einer Auswertung bisheriger Studien und Beobachtungen ergibt sich, dass Vertreter aus immerhin zehn verschiedenen Spinnen-Familien regelmäßig Pflanzenkost auf ihrem Speiseplan haben.

"Die Fähigkeit, Nährstoffe aus Pflanzen zu beziehen, erweitert die Nahrungsgrundlage dieser Tiere", erklärt Nyffeler. "Dies könnte einer ihrer Überlebensmechanismen sein, um Zeiten zu überstehen, in denen Insekten rar sind." Zudem sorgt die Gemüsebeilage zum Insektenhappen dafür, dass die Spinnen eine größere Vielfalt an Nährstoffen aufnehmen – auch das ist im Kampf ums Überleben ein Vorteil.


Ein Spinnenweibchen (Maevia inclemens) trinkt Nektar aus der Nektardrüse einer Pflanze

Ein Spinnenweibchen (Maevia inclemens) trinkt Nektar aus der Nektardrüse einer Pflanze

Global und vielseitig


Der Geschmack der Spinne ist dabei durchaus abwechslungsreich: Je nach Art stehen mal Nektar, Pflanzensaft und Honigtau, mal Blattgewebe, Pollen und Samen auf dem Menüplan. Diese Pflanzenteile können dabei von Bäumen, Büschen, Gräsern, Farnen oder Orchideen stammen. In welchem quantitativen Ausmaß die Pflanzenkost Teil der Ernährung der Spinnen bildet, ist jedoch noch weitgehend unerforscht.

Klar ist aber: Die vegetarischen Exkurse der Spinnen sind ein globales Phänomen. Wie die Forscher feststellten, kommt dieses Fressverhalten auf allen Kontinent außer der Antarktis vor. Allerdings scheint es in wärmeren Regionen häufiger aufzutreten. Der Grund dafür könnte sein, dass Spinnen besonders oft Nektar als Zusatzkost trinken – und tropische Pflanzen produzieren davon besonders viel.

Einen besonders ausgeprägten Hang zum Vegetarischen haben die Springspinnen, wie die Forscher berichten. Bis zu 60 Prozent aller bekannten Fälle pflanzenfressender Spinnen entfallen auf diese rund 600 Arten umfassende Gruppe. (Journal of Arachnology, 2016; doi: 10.1636/P15-45.1)
(Universität Basel, 14.03.2016 - NPO)