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Sonntag, 04.12.2016
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Triclosan: Kinderärzte fordern Verbot in Alltagsprodukten

Desinfektionsmittel kann Umwelt- und Gesundheitsschäden nach sich ziehen

Schädlicher Helfer: Das Desinfektionsmittel Triclosan gerät immer mehr ins Zwielicht. Jetzt haben auch Kinderärzte und Allergologen ein Verbot dieser Chemikalie in Seifen, Kosmetika und anderen Alltagsprodukten gefordert. Der Grund: Das antibakterielle Mittel kann die Leber schädigen, die Fruchtbarkeit senken, Resistenzen fördern und in der Umwelt zu Dioxin umgewandelt werden. Ein Verbot in alltäglichen Bedarfsprodukten sei daher überfällig, so die Mediziner.
In antibakteriellen Seifen, aber auch in Zahnpasta oder Kosmetika kann Triclosan enthalten sein.

In antibakteriellen Seifen, aber auch in Zahnpasta oder Kosmetika kann Triclosan enthalten sein.

Das Desinfektionsmittel Triclosan wird in der Medizin schon seit mehr als 40 Jahren gegen Keime eingesetzt, es findet sich aber inzwischen immer häufiger auch Alltagsprodukten. So soll Triclosan beispielsweise in Zahnpasta, Deodorants, Haushaltsreiniger oder Waschmittel sowie in Textilien und Schuhen das Wachstum von Bakterien bremsen. In einigen Salben gegen Neurodermitis ist das Desinfektionsmittel ebenfalls enthalten. Allein in der EU wurden im Jahr 2005 rund 350 Tonnen der antibakteriellen Chemikalie verbraucht.

Leberschäden, Unfruchtbarkeit und Resistenzen


Doch die vermeintlich nützliche Chemikalie erweist sich inzwischen immer mehr als gesundheitlich bedenklich. Studien haben gezeigt, dass Triclosan bei Mäusen Leberschäden und Krebs auslösen kann. 2015 ergaben Untersuchungen kanadischer Forscher zudem eine verringerte Fruchtbarkeit bei Frauen, die erhöhte Triclosanwerte im Urin aufwiesen, wie Thomas Lob-Corzilius vom Kinderhospital Osnabrück berichtet.

Aufgenommen wird das Desinfektionsmittel meist über die Haut, die Chemikalie reichert sich dann im Fettgewebe an und kann auch in der Muttermilch nachgewiesen werden. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) forderte bereits 2006, den Einsatz von Triclosan auf den ärztlichen Bereich zu beschränken. Denn, so die Experten, die ständige Präsenz dieses Desinfektionsmittels in der Umwelt fördere auch die Resistenzbildung bei Bakterien – und diese kann die Keime dann gleichzeitig auch unempfindlich gegenüber einigen Antibiotika machen.

Und auch auf die Umwelt hat Triclosan einen wenig positiven Einfluss, wie Lob-Corzilius betont. Ist Triclosan beispielsweise in Textilien oder Beschichtungen enthalten, kann es durch Sonnenstrahlung, Ozon, Chlor und Mikroorganismen in giftige chlorierte Dioxine umgewandelt werden, das stellten US-Forscher bereits 2003 fest. Umweltexperten stufen Triclosan zudem als besonders schädlich für die Ökologie von Flüssen ein und positionieren die Chemikalie auf Platz 6 der 500 problematischsten Stoffe Europas.

Verbot in Alltagsprodukten gefordert


Trotz dieser Hinweise auf negative Folgen für Mensch und Umwelt ist der Einsatz von Triclosan in der EU bisher nur in Lebensmitteln und Tierfutter verboten, in Alltagsprodukten wie Seife oder Kosmetika darf die Chemikalie enthalten sein – auch, weil die gesundheitsschädliche Wirkung wie bei vielen Alltagschemikalien noch umstritten ist. Das aber müsse sich ändern, fordert nun die Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin.

Die Mediziner fordern ein komplettes Verbot des Einsatzes von Triclosan in Kosmetika, Reinigungsmitteln, Textilien und Schuhen. "Ein solches Verbot ist überfällig", so Lob-Corzilius. In der Medizin soll das Desinfektionsmittel zudem nur noch dort eingesetzt werden, wo es unbedingt nötig ist. In der Behandlung von Hauterkrankungen wie Neurodermitis fordern die Kinderärzte zudem, Triclosan durch andere Stoffe zu ersetzen und es nur noch dann zu nutzen, wenn es keine Alternativen gibt.

Ob ihre Forderung allerdings gehört wird und in der EU zu einer Veränderung der geltenden Richtlinien führt, bleibt abzuwarten. So lange dies nicht der Fall ist, bleibt Verbrauchern nur, antibakterielle Seifen zu meiden und bei Produkten auf die Liste der chemischen Zutaten zu achten.
(Gesellschaft für Pädiatrische Allergologie und Umweltmedizin e. V., 15.02.2016 - NPO)
 
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