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Donnerstag, 25.08.2016
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Vitamin D: Mehr Stürze statt Knochenschutz

Experten raten von hochdosierter Einnahme des "Knochenvitamins" ab

Fatale Nebenwirkung: Eigentlich gilt Vitamin D als knochenstärkend und soll vor Stürzen und Knochenbrüchen schützen. Doch Mediziner haben nun eine unerwartete Nebenwirkung entdeckt: Bei höheren Dosen fördert das Vitamin D sogar die Sturzneigung ältere Menschen, statt sie davor zu bewahren. Die Forscher raten daher von einer unkritischen Einnahme von Vitamin D in hohen Dosen dringend ab.
Achtung Sturzgefahr: Zu viel Vitamin D kann Stürze im Alter sogar fördern

Achtung Sturzgefahr: Zu viel Vitamin D kann Stürze im Alter sogar fördern

Vitamin D wird durch UV-Einstrahlung in unserer Haut gebildet. Wer sich viel draußen bewegt, produziert daher in der Regel ausreichend von diesem für die Knochenstabilität wichtigen Stoff. Doch gerade ältere Menschen haben oft einen Mangel an diesem Vitamin. "Eine vorbeugende Einnahme von Vitamin D kann für Senioren sinnvoll sein, um sie vor Stürzen und Knochenbrüchen zu schützen und ist ein wichtiger Baustein der Osteoporose-Therapie", sagt Matthias Weber von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz.

Wie gut hilft Vitamin D wirklich?


Häufig nehmen daher ältere Menschen vorbeugend hohe Dosen von Vitamin D ein oder bekommen es verschrieben. Doch nun haben Forscher der Universität Zürich eine Schattenseite dieser Vitamingabe aufgedeckt. Für ihre Studie hatten sie 200 Männer und Frauen über 70 Jahren unabhängig von ihrem natürlichen Vitamin D-Status mit drei unterschiedlichen Dosierungen des Vitamins behandelt.

Alle Teilnehmer waren in den zwölf Monaten vor Studienbeginn mindestens einmal gestürzt. Die Vitamin D-Gabe sollte die Muskelfunktion verbessern und weitere Stürze verhindern. Ein Drittel erhielt dafür die empfohlene Dosis von 24.000 Einheiten Vitamin D pro Monat, die zweite Gruppe erhielt 60.000 Einheiten Vitamin D und die dritte Gruppe bekam 24.000 Einheiten Vitamin D plus 300 Mikrogramm Calcifediol, einer aktiveren Form von Vitamin D.


Mehr Stürze statt besserer Schutz


"Die Vermutung war, dass die höheren Dosierungen eine größere Wirkung erzielen", berichtet Weber. "Die Untersuchung zeigt jedoch, dass die Senioren, die die Hochdosis oder die Kombinationstherapie erhalten haben, zwar häufiger höhere Vitamin D-Spiegel im Blut erreichten, dass sich aber ihre Muskelfunktion nicht verbesserte."

Sogar im Gegenteil: Die Probanden mit den höheren Dosen Vitamin D stürzten deutlich häufiger als die Vergleichsgruppe mit einer Standard-Dosierung – zwei Drittel statt knapp die Hälfte fiel innerhalb eines Jahres erneut hin. Damit scheint eine zu hohe Dosis Vitamin D eher zu schaden als zu nützen – ähnlich wie vor kurzem für die vermeintlich knochengesunde Milch bewiesen.

"Viel hilft viel" gilt nicht bei Vitaminen.

"Viel hilft viel" gilt nicht bei Vitaminen.

"Nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt"


"Vitamin D ist zwar ein lebenswichtiges Hormon, das der Körper teilweise selbst herstellen kann", erklärt Helmut Schatz von der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie: "Als Tablettenform oder in Nahrungsergänzungsmitteln wird es aber zu einem Medikament, und wie bei allen Medikamenten gibt es eine optimale und eine schädliche Dosis." Eine unkritische hochdosierte monatliche Gabe von Vitamin D sei daher auch bei Senioren nicht zu empfehlen.

Konkret bedeutet dies: Bevor jemand sich entschließt, sich selbst mit hohen Dosen von Vitamin D zu behandeln, sollte er unbedingt Rücksprache mit einem Arzt halten, so die Empfehlung der Experten. Zudem sollten die "Knochenvitamine" nur bei nachgewiesenem Mangel oder einer klaren Indikation eingenommen werden.

Um Stürze zu vermeiden und die Knochen zu stärken, raten Experten ohnehin eher zu regelmäßiger körperlicher Bewegung und einem allgemein gesunden Lebensstil. "Wichtig ist zur Sturzprophylaxe, regelmäßig körperlich aktiv zu sein", sagt Weber. "Am besten beginnt man damit bereits im jüngeren Erwachsenenalter mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordination zu fördern. So kann man Stürzen und Knochenfrakturen im Alter vorbeugen." (JAMA, 2016; doi: 10.1001/jamainternmed.2015.7148)
(Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE), 26.01.2016 - NPO)
 
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