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Montag, 05.12.2016
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Nächtlicher Atombomben-Test in Nordkorea

Seismisches Überwachungsnetz weist Kernwaffen-Explosion in der letzten Nacht nach

Verstoß gegen das Kernwaffen-Testverbot: Nordkorea hat heute Nacht höchstwahrscheinlich eine Atombombe getestet. Die unterirdische Explosion der Kernwaffe wurde vom internationalen Überwachungsnetz registriert – sie verursachte einen deutlichen und charakteristischen Ausschlag der Seismometer. Nordkorea gehört zu den drei Atommächten, die das Teststopp-Abkommen bisher nicht unterzeichnet haben.
Lage der Atombomben-Explosion (Stern) und umliegende Messstationen des internationalen Überwachungsnetzes.

Lage der Atombomben-Explosion (Stern) und umliegende Messstationen des internationalen Überwachungsnetzes.

Noch in den 1960er Jahren waren Kernwaffentests häufig. Die von diesen Explosionen in die Atmosphäre gelangten Radionuklide sind teilweise bis heute nachweisbar. 1996 dann einigten sich die Atommächte auf ein Abkommen zum Stopp aller Kernwaffentests (CTBT - Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty). Dieses verbietet die Durchführung von Atomtests unter der Erde, unter Wasser und in der Atmosphäre.

Um die Einhaltung des Abkommens zu überwachen, wurde ein internationales Netzwerk von seismologischen Messstationen eingerichtet, die kontinuierlich registrieren, ob irgendwo auf der Welt eine verdächtige Erschütterung auftritt. Das Nationale Datenzentrum für die Überwachung des Abkommens ist an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) angesiedelt.

Seismogramme der nordkoreanischen Atomtests registriert an der deutschen Seismometerstation GERES im Bayerischen Wald.

Seismogramme der nordkoreanischen Atomtests registriert an der deutschen Seismometerstation GERES im Bayerischen Wald.

Ausschlag um 02:30 Uhr


Heute Nacht um 02:30 Uhr mitteleuropäischer Zeit zeichneten die Seismografen des Netzwerks Ausschläge auf, deren Form und Stärke für eine Explosion spricht. Wie die BGR mittteilt, konnte das Ereignis in hoher Präzision lokalisiert werden. Nach dem bisherigen Stand der Auswertung sprechen starke Indizien für eine Nuklearexplosion in Nordkorea. Dieses gehört mit Indien und Pakistan zu den Atommächten, die das CTB-Abkommen bisher nicht unterzeichnet haben.


Das Epizentrum des Ereignisses stimmt nach Angaben der Geoforscher mit drei Kernwaffentests überein, die bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2013 von Nordkorea in ihrem Testgelände Punffyue Ri durchgeführt worden waren. Die Erschütterungen entsprechen einem Erdbeben der Magnitude 5,1, bei der Explosion wurde demnach eine Energie von 14.000 Tonnen TNT freigesetzt – das entspricht in etwa der Stärke der Atombombe, die 1945 über Hiroshima abgeworfen wurde.

Stärke spricht für eine Atombombe


Um was für einen Waffentest es sich in Nordkorea handelte, lässt sich allein anhand der Seismogramme zwar nicht feststellen. Eine endgültige Unterscheidung zwischen einer chemischen und nuklearen Explosion ist erst möglich, wenn an umliegenden Stationen des Überwachungsnetzwerks radioaktive Spaltprodukte nachgewiesen werden können.

Ausbreitung von Radioisotopen aus der nordkoreanischen Quellregion bei unmittelbarer Freisetzung

Ausbreitung von Radioisotopen aus der nordkoreanischen Quellregion bei unmittelbarer Freisetzung

Allerdings gehen die Experten aufgrund der Explosionsstärke davon aus, dass es sich um einen Kernwaffentest gehandelt haben muss. Die Zündung der Bombe erfolgte dabei höchstwahrscheinlich unterirdisch. Ob dabei eine Atom- oder eine Wasserstoffbombe gezündet wurde, ist bisher nicht bekannt. Weil eine Wasserstoffbombe aber sehr viel stärker ist als eine Atombombe, halten die BGR-Forscher bisher eine Atombombenexplosion für wahrscheinlicher.

Fallout-Nachweis in den nächsten Tagen


Innerhalb der nächsten 48 Stunden könnten erste Spaltprodukte des Kernwaffentests die Messstationen in Japan erreichen, wie meteorologische Modelle nahelegen. Wenn der Kernwaffentest unterirdisch ablief, dauert es jedoch länger, bis die für solche Tests typischen radioaktiven Xenon-Isotope gemessen werden.

Diese Isotope treten erst mit einer Verzögerung von Stunden bis Tagen aus dem Gebirgsmassiv aus. Der Transport durch die Atmosphäre von der Quelle zu den Stationen hängt zudem wesentlich von den aktuellen meteorologischen Bedingungen ab und kann wiederum einige Tage dauern.
(BGR, 06.01.2016 - NPO)
 
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