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Montag, 30.05.2016
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Wimmelndes Leben in unserer Kaffeemaschine

Forscher entdecken reiche Mikrobenwelt in Behältern für verbrauchte Kaffeekapseln

Ob Nespresso, Cafissimo oder ähnliche: Das Kaffeemachen per Kapseln eröffnet Bakterien einen ganz neuen Lebensraum. Denn wie eine Studie belegt, wimmelt es im Abtropfwasser der verbrauchten Kapseln nur so vor Bakterien. Die meisten von ihnen sind zwar harmlos und ernähren sich vom Koffein und anderen Inhaltsstoffen der Kaffeereste. Doch einige Mikroben gehören zu Gattungen, die auch krankmachende Arten umfassen, so die Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports".
In verbrauchten Kaffeekapseln und im Abtropfwasser wimmelt das Leben.

In verbrauchten Kaffeekapseln und im Abtropfwasser wimmelt das Leben.

Sie sind überall: Bakterien leben nicht nur im Staub unserer Wohnungen und tummeln sich im Trinkwasser, sie bilden sogar eine ganze Mikrobenwolke in der Luft, die uns umgibt. Auch in unserem Darm haben sie die Oberhand.

Mikrobenwelt im Kaffeesatz


Jetzt haben Cristina Vilanova von der Universität Valencia und ihre Kollegen eine weitere Sammelstelle für Mikroben in unserer engsten Umgebung entdeckt: den Kaffeesatz und das Abtropfwasser von Kaffeemaschinen. Für ihre Studie untersuchten sie zehn verschiedene Geräte, die Kaffee mittels Kapseln produzieren. Sie analysierten darin jeweils die Abtropfflüssigkeit und die Kaffeereste in dem Behälter für verbrauchte Kapseln.

Das Ergebnis: In allen Proben aus dem Kaffeemaschinen wimmelte es vor Bakterien. Die Zahl der in den Kapselbehältern gefundenen Gattungen variierte dabei von 35 bis zu 67, wie die Forscher berichten. In neun von zehn Maschinen dominierten dabei Mikroben aus den Gattungen Enterococcus und Pseudomonas – Bakteriengattungen, zu denen bekannte Krankheitserreger, aber auch harmlose Mikroben gehören.


Reiche Bakterien-Vielfalt trotz Koffein


Das Erstaunliche daran: Das im Kaffee enthaltene Koffein gilt eigentlich als ein von Natur aus antibakteriell wirkender Inhaltsstoff. Doch es gibt offenbar durchaus Bakterien, die diese Wirkung neutralisieren oder einfach aushalten können. "Die Gattung Pseudomonas ist seit den 1970er Jahren dafür bekannt, dass sie Koffein abbauen kann", erklären Vilanova und ihre Kollegen. Enterococcus dagegen scheint einfach nur relativ immun gegen die Koffeinwirkung zu sein.

"Unsere Ergebnisse zeigen zum ersten Mal, dass der Kaffeesatz und das Abtropfwasser von Standard-Kapselmaschinen ein reiches Substrat für das Bakterienwachstum ist", so die Forscher. "Der Koffeingehalt verhindert nicht, dass sich sehr schnell eine reiche mikrobielle Artenvielfalt entwickelt." Dabei sind generalistische Arten die Pioniere, die dann nach und nach von spezialisierten Arten abgelöst werden, die sich gut von den Kaffeeresten ernähren können.

Schnelle Besiedelung


Wie weitere Untersuchungen enthüllten, stammen die Bakterien dabei nicht aus dem Kaffeekapseln selbst – unser Kaffeegenuss muss daher nicht unter einer möglichen Mikrobenfracht leiden. Stattdessen stammen die Mikroben aus der Umwelt und besiedeln die Kapselbehälter erst nachträglich. Dies allerdings geschieht sehr schnell: Schon kurz nach dem Ausspülen des Kapselbehälters fanden die Wissenschaftler wieder erhöhte Mengen von Bakterien.

"Die Präsenz von Bakteriengattungen mit pathogenen Eigenschaften und die schnelle Erholung der Mikrobengemeinschaften nach dem Ausspülen machen eine häufige Reinigung der Kapselbehälter ratsam", empfehlen die Forscher. "Dabei sollten bakterientötende Mittel verwendet werden und man sollte darauf achten, dass das von den verbrauchten Kapseln abtropfende Wasser nicht an andere Teile der Kaffeemaschine gerät." (Scientific Reports, 2015; doi: 10.1038/srep17163)
(Scientific Reports, 04.01.2016 - NPO)