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Freitag, 09.12.2016
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Wimmelndes Leben in unserer Wasserleitung

Forscher entdecken eine zuvor unbekannte Bakterienwelt im Trinkwasser

Bakterien-Oase in der Wasserleitung: Wer glaubt, unser Trinkwasser sei halbwegs keimfrei, der irrt. Denn im Wasser und in den Wasserleitungen tummeln sich Millionen bisher unerkannter Bakterien, wie schwedische Forscher entdeckt haben. Das aber ist kein Grund zum Ekel, denn diese Mikroben sind nicht schädlich, sondern sogar nützlich: Die bakteriellen Biofilme helfen dabei, das Trinkwasser sauber zu halten.
In einem Glas Leitungswasser tummeln sich zehn Millionen Bakterien

In einem Glas Leitungswasser tummeln sich zehn Millionen Bakterien

Unser Trinkwasser ist in den meisten Regionen Deutschlands sauberer und schadstofffreier als viele Mineralwässer. Komplexe Aufbereitungsverfahren sorgen dafür, dass Schmutz, Keime oder Umweltgifte nach Möglichkeit nicht in die Wasserleitungen gelangen. Strenge Grenzwerte limitieren zudem, was im Trinkwasser enthalten sein darf. Doch wie sich jetzt zeigt, gibt es in unsere Wasserleitungen eine ganze Organismenwelt, die bisher allen Tests und Nachforschungen entgangen ist.

Entdeckt haben dies Catherine Paul von der Lund Universität in Schweden und ihre Kollegen, als sie Proben aus den Belägen an der Innenseite von sechs verschiedenen Trinkwasserleitungen und Wasserzählern einer DNA-Analyse unterzogen. Um herauszufinden, welche Bakterien in diesen Ablagerungen vorkommen, suchten und isolierten sie gezielt Abschnitte der ribosomalen RNA.

80.000 Bakterien in einem Milliliter


Das überraschende Ergebnis: Im Trinkwasser und in den Belägen unserer Wasserleitungen wimmelt es nur so von Bakterien. In einem Glas Wasser sind rund zehn Millionen Mikroorganismen enthalten, wie die Forscher feststellten. Diese Bakterien stammen vor allem aus den Ablagerungen, die sich an den Innenwänden der Leitungen bilden. Dort bilden die Mikroben sogenannte Biofilme – vernetzte, von Schleim umhüllte Kolonien, die sie besonders robust gegenüber schädlichen Umwelteinflüssen machen.


"Ein zuvor komplett unbekanntes Ökosystem hat sich uns enthüllt", sagt Catherine Paul. Das sei, als wenn man nun statt einer funzligen Taschenlampe plötzlich den Lichtschalter findet, der den gesamten Raum erhellt. "Früher konnten wir fast gar keine Bakterien sehen, aber jetzt finden wir plötzlich 80.000 Mikroben pro Milliliter im Trinkwasser."

Unsere Trinkwasserleitungen enhtalten ein ganzes Ökosystem aus nützlichen Bakterien


Gutartige Helfer bei der Wasserreinigung


Allerdings ist dies kein Grund zur Sorge: "Wir gehen davon aus, dass es sich hier vorwiegend um 'gute' Bakterien handelt, die dabei helfen, das Wasser zu reinigen und es gegen schädliche Keime schützen", erklärt Paul. Zur größten Gruppe der in den Leitungen identifizierten Bakterie gehörten die Sphingomonadaceae, Mikroben, die auch im Boden und in Gewässern organische Schadstoffe abbauen. Insgesamt leben nach Schätzungen der Wissenschaftler mehr als tausend verschiedene Bakterienarten in den Wasserleitungen.

Die Forscher vergleichen die Wirkung dieser Trinkwasser-Bakterien mit dem Mikrobiom unseres Körpers: Auch die unzähligen Mikroben auf unserer Haut und in unserem Darm tragen entscheidend dazu bei, dass wir gesund bleiben. Ähnlich sei es auch mit den Mikroben im Trinkwasser - ihre Bedeutung sei wahrscheinlich weit größer als bisher angenommen, so Paul und ihre Kollegen. Sie vermuten, dass sogar ein großer Teil der Wasserreinigung erst in den Leitungen stattfindet.

Anzeiger für schlechte Wasserqualität


Die Untersuchung enthüllte auch, dass eine gestörte Wasserqualität die Mikrobengemeinschaft signifikant verändert. In einer Wasserleitung, in der das Wasser stark eisenhaltig und von Rost verfärbt war, war die Artenzusammensetzung im Biofilm der Leitung deutlich verschoben. Die Analyse der Bakterien könnte daher mit dazu beitragen, potenziell problematische Wassermängel zu erkennen.

"Unsere Hoffnung ist es, dass wir eines Tages die Qualität des Wasser in den Leitungen so steuern können, dass dies das Wachstum dieser guten Bakterien begünstigt, die dann das Wasser noch effizienter als heute reinigen", sagt Paul. In jedem Fall sollte nun niemandem der Appetit auf Leitungswasser vergehen: Die Mikroben, die wir mit dem Wasser aufnehmen, tun uns mehr Gutes als sie uns schaden. (Microbes and Environment, 2015; doi: 10.1264/jsme2.ME14123)
(Lund University, 28.12.2015 - NPO)
 
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