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Donnerstag, 29.09.2016
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Brustkrebs: Höheres Risiko nach falschpositiver Mammografie

Frauen mit zunächst falscher Diagnose erkranken später häufiger an Brustkrebs

Falschdiagnose mit richtigem Kern? An einem irrtümlich positiven Befund bei der Mammografie kann doch etwas dran sein, wie eine US-Studie nun nahelegt. Demnach erkranken Frauen, bei denen aufgrund der Röntgenbilder zunächst irrtümlich Brustkrebs diagnostiziert wurde, in den zehn Jahren danach häufiger an Brustkrebs. Die Forscher vermuten deshalb, dass das falschpositive Mammografie-Bild schon Strukturen zeigen könnte, die eine Art Voranzeiger für das erhöhte Krebsrisiko sind.
Mammografie-Aufnahme einer Brust - ob hier Brustkrebs oder eine Vorstufe vorliegt, ist oft schwer zu erkennen.

Mammografie-Aufnahme einer Brust - ob hier Brustkrebs oder eine Vorstufe vorliegt, ist oft schwer zu erkennen.

Die regelmäßige Röntgen-Untersuchung der Brust durch Mammografie soll Brustkrebs schon in einem frühen Stadium finden und damit die Überlebenschance der betroffenen Frauen erhöhen. Dass dies funktioniert, belegen Daten unter anderem aus den Niederlanden, wo Todesfälle durch Brustkrebs nach 20 Jahren solcher Reihenuntersuchungen deutlich zurückgegangen sind. Doch es gibt eine Kehrseite: Zum einen bekommen Frauen durch regelmäßige Mammografie eine erhöhte Dosis Röntgenstrahlen. Zum anderen aber kann ein positives Ergebnis völlig unnötig Angst auslösen.

Studien zeigen, dass im Durchschnitt bei 16 Prozent der Mammografien die Radiologen fälschlicherweise einen Krebs oder ein Krebsvorstadium zu erkennen glauben. Geht eine Frau zehn Jahre hintereinander jährlich zur Mammografie, steigt ihr Risiko für ein falschpositives Ergebnis sogar auf gut 60 Prozent, wie Louise Henderson von der University of North Carolina erklärt.

Wie falsch sind die falschpositiven?


Bisher galten diese falschpositiven Ergebnisse als Argument gegen eine Mammografie-Reihenuntersuchung. Doch Henderson und ihre Kollegen haben nun einen Zusammenhang entdeckt, der ein neues Licht auf die Lage wirft: Möglicherweise liegen die falschpositiven Mammografien doch nicht so falsch, wie man bisher dachte.


Eine Frau bei der Mammografie-Untersuchung

Eine Frau bei der Mammografie-Untersuchung

Für ihre Studie haben die Forscher die Mammografie-Ergebnisse und die Krankengeschichte von 1,3 Millionen Frauen aus verschiedenen Teilen der USA ausgewertet. Sie verfolgten, wie viele Frauen in einem Zeitraum von zehn Jahren nach der ersten Mammografie an Brustkrebs erkrankten und wie viele davon ursprünglich als falschpositiv eingestuft worden waren.

Mehr Brustkrebs bei irrtümlich Positiven


Das überraschende Ergebnis: Die Frauen, die zunächst falschpositiv waren, hatten eine um 39 Prozent erhöhte Wahrscheinlichkeit, innerhalb von zehn Jahren doch noch an Brustkrebs zu erkranken. Die Frauen, deren falschpositive Diagnose sich erst nach einer Biopsie als harmlos herausstellte, erkrankten im Zahnjahres-Zeitraum sogar 76 Prozent häufiger an Brustkrebs als die Frauen mit von vornherein als gesund und harmlos eingestuften Mammografien.

Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass die falschpositiven Mammografien vielleicht doch schon erste Vorzeichen einer erhöhten Gefährdung widerspiegeln: "Die Radiologen haben beim falschpositiven Ergebnis im Mammografie-Bild offenbar verdächtige Strukturen gesehen, die ein Anzeiger für ein künftiges Brustkrebsrisiko sind", sagt Henderson. "Diese abnormalen Strukturen sind zwar selbst noch kein Krebs, zeigen aber offenbar in einigen Fällen schon an, dass sich mal ein Brustkrebs entwickeln könnte.

"Kein Grund zur Angst"


Henderson und ihre Kollegen betonen aber, dass dies kein Grund für erhöhte Besorgnis oder gar Angst bei betroffenen Frauen sein sollte. Den in absoluten Zahlen sei der Anstieg im Brustkrebsrisiko sehr gering, zudem ist der nun festgestellte Zusammenhang nur einer von vielen. "Wir möchten nicht, dass Frauen, die dies lesen, nun verängstigt sind", betont die Forscherin. Denn Alter, Familiengeschichte oder Dichte des Brustgewebes seien ebenfalls wichtige Faktoren, die das Brustkrebsrisiko beeinflussen.

"Unsere Ergebnisse sollen vielmehr ein nützliches Hilfsmittel sein, um das Brustkrebs-Risiko insgesamt und im Kontext verschiedener Risikofaktoren besser einschätzen zu können", so Henderson. Die Forscher wollen nun als nächstes ihre neuen Erkenntnisse in Modelle zur Vorhersage des Brustkrebs-Risikos integrieren. (Cancer Epidemiology, Biomarkers & Prevention, 2015; doi: 10.1158/1055-9965.EPI-15-0623)
(University of North Carolina Health Care System, 08.12.2015 - NPO)
 
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