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Montag, 30.05.2016
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Glatte Haut macht seriös

Der Zustand unserer Gesichtshaut beeinflusst den ersten Eindruck

Ob wir unserem Gegenüber glaubwürdig und kompetent erscheinen, hängt auch vom Zustand unserer Haut ab. Denn das Hautbild spielt für den ersten Eindruck eine wichtige Rolle, wie ein Experiment nun belegt. Eine Haut ohne Pickel oder Unreinheiten wirkt nicht nur gesünder und attraktiver, sie suggeriert auch mehr Reife und Sachverstand, wie Forscher im Fachmagazin "Perception" berichten. Sie appellieren dazu, diese unbewusste Einschätzung ruhig mal zu hinterfragen.
Eine reine Haut gilt nicht nur als attraktiver, sie wirkt auch seriöser und reifer

Eine reine Haut gilt nicht nur als attraktiver, sie wirkt auch seriöser und reifer

Der erste Eindruck zählt. Nur eine Zehntelsekunde braucht das Gehirn, um ein Urteil über eine Person zu fällen, der man zum ersten Mal gegenübersteht. Dabei entscheiden oft das Aussehen besonders des Gesichts und die Mimik darüber, ob wir jemanden vertrauen, oder ihn für kompetent halten. Auch die Pupillen oder der Teint beeinflussen unterbewusst unsere Reaktion. An der Haut setzt auch die Studie von Elena Tsankova und ihren Kollegen von der Jacobs University Bremen an.

Wie beeinflussen und Pickel und Co?


Die Bremer Forscher untersuchten, wie kleine Makel der Haut – beispielsweise Muttermale, Hautrötungen oder Pickel – unsere persönliche Wirkung beeinflussen. Für ihr Experiment zeigten die Wissenschaftler 130 Probanden Fotos von Gesichtern, entweder im Original oder in einer am Computer optimierten Version mit herausretuschierten Unreinheiten oder fettigen Stellen.

Die Teilnehmer sollten nun bewerten, für wie glaubwürdig, kompetent, attraktiv und gesund sie die abgebildeten Personen hielten. "Es gab schon früher Studien, die untersucht haben, wie das Aussehen unsere Glaubwürdigkeit beeinflusst", sagt Tsankova. "Wir haben uns nun erstmals einen einzigen Teilaspekt ganz genau angesehen: Die Glätte der Haut."


Wie ist Ihr erster Eindruck? Unbearbeitetes und manipuliertes Foto eines Gesichts

Wie ist Ihr erster Eindruck? Unbearbeitetes und manipuliertes Foto eines Gesichts

Reine Haut macht glaubwürdiger


Dabei zeigte sich: Das Hautbild ist offenbar für den ersten Eindruck sehr wichtig. Denn die Probanden stuften die Gesichter mit nachträglich geglätteter und optimierter Haut im Durchschnitt positiver ein als die unveränderten, natürlichen Portraits. Der Zustand der Haut bestimmte letztlich, wie gesund und attraktiv die Personen eingeschätzt wurden, und auch wie glaubwürdig und kompetent.

Auch wenn die meisten Menschen nichts dafür können, ob ein Pickel sprießt oder sie einen eher unreine Haut haben, reicht das Hautbild offenbar schon aus, um unseren ersten Eindruck zu beeinflussen. "Angesichts dieser Ergebnisse holen wir vielleicht vor dem nächsten Vorstellungsgespräch oder einer wichtigen Verabredung doch noch einmal den Abdeckstift oder Puder aus der Tasche", so Tsankova.

Suggestion von Reife und Sachverstand


Doch wie kommt es, dass glatte Haut so einen guten Eindruck hinterlässt? "Es gibt einen direkten und einen indirekten Effekt", erklärt Tsankova. "Einerseits beeinflusst das Hautbild unsere Wahrnehmung direkt, indem glatte Haut gesünder wirkt als unreine Haut." Andererseits suggeriert glatte Haut Reife und Sachverstand. Denn unreine Haut verbinden wir unbewusst mit Jugend, zum Beispiel durch Akne, und mit Armut und dem Unvermögen, sich gute Hautpflegeprodukte zu leisten.

Mit diesem Wissen könnten wir uns selbst genauer auf die Finger schauen, meint die Psychologin. "Wenn uns bewusst ist, wie wichtig das Hautbild für die Bewertung einer Person ist, können wir unser eigenes Urteil über Fremde kritisch hinterfragen", so Tsankova. Den angesichts dieser unbewussten Einstufungen sei dringend geboten, den Druck auf Menschen mit Hautproblemen nicht weiter unnötig zu erhöhen.

In weiterführenden Studien wollen die Forscher nun der Wirkung glatter Haut weiter nachspüren. Beispielsweise stellt sich die Frage, wie das Hautbild mit anderen Aspekten unserer Erscheinung zusammenwirkt. (Perception, 2015; doi: 10.1177/0301006615616748)
(Jacobs University Bremen, 02.12.2015 - NPO)