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Sonntag, 02.10.2016
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Wer dem Bauchgefühl folgt, betrügt seltener

Studie zeigt Zusammenhang zwischen Intuition und moralischem Verhalten

Intuition gegen unmoralisches Handeln: Wer oft aus dem Bauch heraus handelt, schummelt seltener bei Tests und fühlt sich nach unmoralischem Verhalten eher schuldig, wie US-Psychologen herausgefunden haben. Wer seine Intuition dagegen vernachlässigt, hat offenbar auch weniger Schuldgefühle nach moralischen Fehltritten. Psychologen überprüften dies auf ungewöhnliche Weise, nämlich mit dem Einkauf von Seife.
Schummeln oder nicht? Wie schnell wir zu unmoralischem Verhalten neigen, hängt auch vom Stellenwert der Intuition ab.

Schummeln oder nicht? Wie schnell wir zu unmoralischem Verhalten neigen, hängt auch vom Stellenwert der Intuition ab.

"Einige Menschen vertrauen ihrem Bauchgefühl, wenn sie Entscheidungen treffen", beschreibt Sarah Ward von der University of Missouri, "während andere sich weniger darauf verlassen und ihrem Bauchgefühl kaum Beachtung schenken, auch wenn sie es wahrnehmen." Ob wir spontan aus dem Bauch heraus oder überlegt handeln, kann unser Verhalten stark beeinflussen: Intuitives Handeln ist zum Beispiel oft kooperativer, Bedenkzeit macht uns dagegen egoistischer.

Unterschiedliche Intuition beeinflusst moralisches Verhalten


"Wir wollten untersuchen, wie individuelle Unterschiede bei der Intuition das moralische Verhalten beeinflussen", erläutert Studienautorin Ward weiter. Dazu erfasste die Psychologin zunächst anhand von Fragebögen, wie stark sich die insgesamt über hundert Studienteilnehmer auf ihre Intuition verließen. Anschließend bekamen die Probanden eine kurze Geschichte zu lesen, in der sie selbst einen Fehler bei der Arbeit begingen. Eine Gruppe las eine Version, in der sich die Probanden unmoralisch verhielten und die Schuld auf einen Kollegen schoben. In der Geschichte der Kontrollgruppe übernahmen sie selbst die Verantwortung.

Das Ausmaß der daraus entstehenden Schuldgefühle überprüfte Ward auf interessante Weise: "Wenn man sich wegen eines moralischen Vergehens schlecht fühlt, will man sich selbst davon reinigen", erklärt die Psychologin. Die Forscher vermuteten daher, dass die Teilnehmer, die sich ein unmoralisches Verhalten vorgestellt hatten, aufgrund von Scham- oder Schuldgefühlen einen höheren Preis für Seife oder Handreiniger zu zahlen bereit wären – gewissermaßen, um "die Hände in Unschuld zu waschen."


Wer Schuldgefühle hat, will diese gern abwaschen.

Wer Schuldgefühle hat, will diese gern abwaschen.

Wer sich schuldig fühlt, zahlt mehr für Seife


Die Experimente bestätigten diese Vermutung: Die "unmoralischen" Versuchsteilnehmer gaben tatsächlich einen höheren Geldbetrag an, wie viel sie für Handreiniger zahlen würden. Und besonders ausgeprägt war dieser Effekt bei denjenigen, denen ihr Bauchgefühl wichtig ist: "Unsere Studie hat gezeigt, dass Teilnehmer, die sich mehr auf ihre Intuition verlassen, mehr Geld für Handreiniger zahlen würden, nachdem sie über ein moralisches Fehlverhalten gelesen hatten", fasst Ward zusammen.

In einem Folgeexperiment sollten die Teilnehmer sich an ein eigenes Beispiel unmoralischen Verhaltens erinnern und es aufschreiben. Anschließend sollten sie einen IQ-Test aus zehn Fragen lösen, der jedoch unlösbar schwierig war. Ziel des Experimentes war, herauszufinden, wie oft die Probanden bei dem Test schummeln würden. Als zusätzlichen Anreiz sollten die besten zehn Prozent der Teilnehmer ein Lotterieticket erhalten.

Kompensation von Schuldgefühlen


Nach dem Test erhielten die Versuchspersonen die korrekten Antworten und sollten ihren Test selbst benoten. Dabei schummelten 23 Prozent der Teilnehmer und gaben sich eine bessere Bewertung, als sie tatsächlich erarbeitet hatten. Auch hierbei zeigten die eher intuitiv vorgehenden Teilnehmer einen größeren Hang zu moralischem Verhalten: "Unser zweites Experiment zeigte, dass Menschen, die sich eher auf ihr Bauchgefühl verlassen, weniger wahrscheinlich betrügen, nachdem sie sich an ein eigenes moralisches Fehlverhalten erinnert haben", erläutert Ward.

Die Wissenschaftler nehmen an, dass dies eine Art Kompensationsverhalten ist. Moralisches Verhalten in der Gegenwart soll einen Fehltritt in der Vergangenheit ausgleichen. Wer sich auf seine Intuition verlässt, der neige auch stärker zu solcher Kompensation, meint Ward.

Dies habe durchaus auch Bedeutung im Alltag: Wer beispielsweise am Arbeitsplatz moralisch relevante Entscheidungen treffen müsse, solle sich mehr auf sein Bauchgefühl achten, meinen die Forscher. Generell sollten Menschen bei solchen Entscheidungen eher ihrer Intuition vertrauen, statt sie zu vernachlässigen. (Personality and Individual Differences, 2015; doi: 10.1016/j.paid.2015.08.021)
(University of Missouri-Columbia, 26.11.2015 - AKR)
 
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