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Donnerstag, 25.05.2017
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Histone bekämpfen Krebszellen

Körpereigene Hüllproteine als Agenten der Immunabwehr

Seit April 2004 werden die ersten Krebspatienten mit einem völlig neuartigen Biotech-Wirkstoff behandelt: mit Histonen, natürlichen Proteinen, die im Körper Krebszellen aufspüren und abtöten. Das Saarbrücker Biotechnologie-Unternehmen SymbioTec hat die Wirkung der Histone erforscht und lässt diese nun im Rahmen einer Phase-1-Studie von der Universitätsklinik in Homburg an Leukämie-Patienten testen.
DNA mit Struktur- und Hüllproteinen

DNA mit Struktur- und Hüllproteinen

Bis vor wenigen Jahren galten die Histone noch als ausschließlich passive Strukturen im Zellkern. Wie auf einer Garnspule ist auf ihnen das langgestreckte Erbmolekül DNA aufgewickelt. Immerhin ist beispielsweise die DNS in menschlichen Zellen beinahe vier Meter lang und wird durch die Histone in eine Form gebracht, die es ihr ermöglicht, in den nur wenige Millionstel Meter großen Zellkern hinein zu passen.

Aktive Streiter im Immunsystem


Doch die Arbeitsgruppe um Professor Michael Zeppezauer am Institut für Biochemie der Universität des Saarlandes hatte bereits in den 80er Jahren erkannt, dass die Histone - vor allem das so genannte Histon H1 - eine weit aktivere Rolle im Organismus spielen. Zur Überraschung der Fachwelt fanden sich die Proteine beispielsweise auch im Blut. Hier machen sie Krankheitserreger und Tumorzellen unschädlich, ohne gesunde Zellen nennenswert zu beeinträchtigen. Vor der ersten Anwendung bei Patienten standen jahrelange Vorstudien im Labor und in Tierversuchen. Hier hat sich erwiesen, dass das Histon H1 gesunde Körperzellen nicht attackiert. Das ist ein großer Vorteil gegenüber bisher üblichen Chemo- oder Strahlentherapien zur Bekämpfung von Krebs.

Klinische Tests erfolgreich


Die weltweit erste Histon-Studie wird von Professor Christoph Renner an der Medizinischen Klinik I in Homburg durchgeführt. Das Hauptziel ist, zunächst zu überprüfen, wie der menschliche Organismus auf das Histon H1 reagiert. Behandelt werden in dieser frühen Phase nur Leukämie-Fälle, bei denen die herkömmlichen Methoden nicht angeschlagen haben oder nicht anwendbar sind. Die meisten der in der Studie behandelten Patienten sind bereits im fortgeschrittenen Alter. Viele können eine Chemotherapie gar nicht mehr verkraften. Histone sind hier möglicherweise eine verträglichere Alternative.


Nach den ersten sieben Patienten zeigen sich alle Beteiligten hochzufrieden mit dem Studienverlauf. Die Behandlung wird gut vertragen, und schwerwiegende Nebenwirkungen traten nicht auf. Als Erfolg versprechend werten die Forscher vor allem, dass schon unter relativ niedrigen Dosierungen erste Anzeichen für die erhoffte Wirkung des Medikamentes sichtbar wurden.

Im weiteren Verlauf wird es nun darum gehen, die optimale Dosis und Behandlungsdauer für die Therapie zu finden. Wenn alles glatt läuft, rechnen die Wissenschaftler damit, im Zeitraum von etwa zwölf Monaten mit Studien der Phase 2 beginnen zu können. Hierbei kann der neue Wirkstoff bei den in der Phase 1 ermittelten Bedingungen seine Schlagkraft an größeren Patientenzahlen unter Beweis stellen.

Auch wenn die Aktivitäten derzeit klar auf den Einsatz der Histone gegen Blutkrebs fokussiert sind, ergeben sich weitere mögliche Anwendungen bei Brust-, Haut- oder Prostata-Krebs, aber auch bei Sepsis (Blutvergiftung) und Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis oder systemischem Lupus erythematodes.
(SymbioTec, 23.11.2004 - NPO)
 
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