• Schalter wissen.de
  • Schalter wissenschaft
  • Schalter scinexx
  • Schalter scienceblogs
  • Schalter damals
  • Schalter natur
Scinexx-Logo
Logo Fachmedien und Mittelstand
Scinexx-Claim
Facebook-Claim
Google+ Logo
Twitter-Logo
YouTube-Logo
Feedburner Logo
Montag, 26.09.2016
Hintergrund Farbverlauf Facebook-Leiste Facebook-Leiste Facebook-Leiste
Scinexx-Logo Facebook-Leiste

Das Auge hört mit

Musikalische Emotionen zeigen sich in veränderter Pupillengröße

Musik regt Emotionen an - und an den Augen kann man es ablesen: Unsere Pupillen weiten sich beim Hören von besonders emotionaler Musik. Dieser Effekt ist besonders stark ausgeprägt, wenn Musik im Leben des Hörers einen hohen Stellenwert hat, wie Forscher aus Österreich herausgefunden haben. Die Pupillengröße kann demnach effektiv genutzt werden, um unsere Wahrnehmung von Musik und die Reaktionen darauf zu untersuchen.
Musikhören löst bei vielen Menschen starke Emotionen aus.

Musikhören löst bei vielen Menschen starke Emotionen aus.

Unsere Pupillen lassen Licht ins Auge fallen, damit wir überhaupt etwas sehen können. Dabei passen sie sich reflexartig der Stärke des Umgebungslichtes an: Bei hellem Licht ziehen sie sich zusammen, damit wir nicht geblendet werden. Nachts oder in dunklen Räumen weiten sie sich, um das spärliche Licht besser zu nutzen. Doch die Weite der Pupillen verrät noch mehr als den Beleuchtungsgrad, sie spiegelt auch emotionale Reaktionen oder Konzentration wieder. Sexuell explizite Bilder führen genauso zu geweiteten Pupillen wie schwierige Matheaufgaben. Unbewusst entscheiden wir anhand der Pupillen auch, wie sehr wir jemandem vertrauen.

Auch Klänge können solche Pupillenreaktionen hervorrufen, und zwar abhängig von ihrem emotionalen Gehalt: Hören wir etwa die Stimmen eines streitenden Paares, so weiten sich die Pupillen stärker als vom bloßen Hintergrundlärm im Büro. Da das Hören von Musik besonders starke Emotionen auslösen kann, hat ein Forscherteam um Bruno Gingras von der Universität Innsbruck nun erstmals den Effekt von Musik auf die Pupillenweite systematisch untersucht.

Weitere Pupillen bei Musikliebhabern


Die Forscher spielten dazu zunächst einer Gruppe von 30 Studienteilnehmern verschiedene Klavierstücke aus der Epoche der Romantik vor. Die Teilnehmer sollten diese für ihren Pathos bekannte Musik nach ihrem emotionalen Gehalt bewerten. An einer Gruppe von 30 weiteren Probanden maßen die Forscher per Eyetracking die Pupillengrößen, während diese die Klaviermusik hörten. Außerdem füllten alle Teilnehmer einen Fragebogen aus, in dem sie unter anderem auch schilderten, was Musik für sie persönlich bedeutet.


Mittels Eyetracking vermaßen die Forscher die Pupillen der Probanden beim Musikhören.

Mittels Eyetracking vermaßen die Forscher die Pupillen der Probanden beim Musikhören.

Zwischen der Emotionalität der Musik und der Pupillengröße fanden die Forscher einen deutlichen Zusammenhang: Bei den von der einen Gruppe als besonders erregend beschriebenen Musikstücken weiteten sich die Pupillen der anderen Gruppe am stärksten. Und auch der persönliche Stellenwert von Musik im Leben wirkt sich aus: "Es wurden auch stärkere Erweiterungen bei jenen Zuhörern und Zuhörerinnen beobachtet, die angaben, dass Musik eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt", so Bruno Gingras.

Komplexes Zusammenspiel musikalischer Parameter


Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die emotionale Reaktion auf Musik sich in der Pupillengröße widerspiegelt. Dabei sind sowohl der emotionale Gehalt als auch der persönliche Bezug zur Musik bedeutend. Veränderungen der Pupillengröße seien dabei durch ein komplexes Zusammenspiel von musikalischen Parametern und individuellen Unterschieden der Hörer bestimmt, erklärt Psychologin Manuela Marin von der Universität Wien: "Diese Faktoren bestimmen wahrscheinlich auch emotionale Reaktionen."

Diese Erkenntnis könnte hilfreich für zukünftige Musikforschung sein. "Die Messung des Pupillendurchmessers ist eine vielversprechende Methode, um emotionale Reaktionen auf Musik zu untersuchen, da Pupillenreaktionen nicht willentlich kontrolliert werden können", erläutert Erstautor Gingras. "So können wir unbewusste Prozesse beim Musikhören untersuchen." Solche unbewussten Prozesse sind etwa die beruhigende Wirkung von Wiegenliedern auf Babys oder verschiedene Reaktionen je nach Denkweise und Musikgeschmack. (Frontiers in Human Neuroscience, November 2015; doi: 10.3389/fnhum.2015.00619)
(Universität Wien, 13.11.2015 - AKR)
 
Printer IconShare Icon