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Freitag, 09.12.2016
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Kakao gibt es seit zehn Millionen Jahren

Forscher datieren Abstammung des Kakaobaums und seiner Verwandten

Überraschend alte Leckerei: Kakaobäume gibt es schon seit zehn Millionen Jahren, wie genetische Analysen zeigen. Für die Schokoladenindustrie könnte diese lange Geschichte ein Segen sein, meinen Wissenschaftler: Die seither entstandenen genetische Variationen könnten widerstandsfähigere Kakaopflanzen und sogar neue Geschmacksrichtungen hervorbringen.
Kakaofrucht und geröstete Kakaobohnen: Kakaopflanzen gibt es schon seit zehn Millionen Jahren.

Kakaofrucht und geröstete Kakaobohnen: Kakaopflanzen gibt es schon seit zehn Millionen Jahren.

Ob als Schokolade oder heißes Getränk – vom Kakaobaum Theobroma cacao stammt eines der beliebtesten Genussmittel der Welt. Schokolade macht bekanntermaßen glücklich, und Inhaltsstoffe im Kakao helfen gegen Stress und Herz-Kreislauf-Erkrankungen und halten außerdem das Gedächtnis fit. Auch wegen des begehrten Aromas ist die Nachfrage nach Kakaobohnen gewaltig, der weltweite Bedarf liegt bei mehreren Millionen Tonnen im Jahr.

Fehlende Variation gefährdet Monokultur


Der Anbau für diese großen Mengen bringt ein Risiko für den Kakaobaum, das bei vielen Kulturpflanzen auftritt: In den großen Monokulturen ist nur eine einzige Sorte vertreten. Verschiedene Unterarten können sich nicht miteinander kreuzen und ihr Erbgut ständig neu mischen, wie es in freier Natur geschieht. Dadurch sinkt die genetische Variation innerhalb der Art. Treten dann Krankheiten oder Schädlinge auf, gibt es kaum einzelne Pflanzen, die dagegen resistent sind, und die ganze Ernte ist in Gefahr.

Um gegen dieses Problem vorzugehen, haben Wissenschaftler um James Richardson vom Royal Botanic Garden Edinburgh die Abstammung des Kakaobaums und seiner wilden Verwandten in Südamerika untersucht. "Studien der evolutionären Geschichte wirtschaftlich wichtiger Arten sind entscheidend für die landwirtschaftliche Industrie", sagt Richardson, "und sie zeigen, wie wichtig es ist, die Biodiversität zu erhalten und zu nachhaltiger Entwicklung beizutragen."


Kakao: So alt wie die Anden


In genetischen Analysen verglichen die Forscher das Erbgut von über 150 Malvengewächsen, darunter elf Arten der Gattung Theobroma und sieben ihrer nächsten Verwandten, der Gattung Herrania. Sie fanden heraus, dass sich Theobroma und Herrania vor rund 12,7 Millionen Jahren voneinander abspalteten.

Blüten an einem Kakaobaum (Theobroma cacao)

Blüten an einem Kakaobaum (Theobroma cacao)

Der Kakaobaum Theobroma cacao gehört zu den ältesten Vertretern seiner Gattung: Die Art entstand vor etwa zehn Millionen Jahren. Zu dieser Zeit begann die Auffaltung der Anden in Mittel- und Südamerika gerade erst. Kakao kommt daher heute auf beiden Seiten des Gebirgszuges vor.

Für Schokoladenliebhaber ist dieses verhältnismäßig hohe Alter des Kakaos eine gute Nachricht: "Nach zehn Millionen Jahren Evolution sollte es keine Überraschung sein, große Variationen innerhalb der Art zu finden", sagt Botaniker Richardson. "Einige davon könnten neue Aromen oder krankheitsresistente Formen darstellen."

Neues Aroma aus altem Kakao?


Die wilden Populationen der Kakao-Verwandten seien demnach eine mögliche Fundgrube genetischer Eigenschaften, meinen die Forscher. Eingekreuzt in die kultivierten Stämme könnten sie dem Kakaoanbau weiterhelfen: Die Pflanzen werden so widerstandsfähiger gegen Krankheiten und können dem Klimawandel besser trotzen. Auch neue Geschmacksrichtungen für Schokolade seien denkbar, meinen die Forscher.

Aus diesem Grund wollen Richardson und Kollegen ihre Forschungsarbeit in Südamerika fortsetzen und die Eigenschaften der wilden Kakao-Populationen genauer charakterisieren. "Wir wollen hervorheben, wie wichtig es ist, Artenvielfalt zu erhalten", fasst Koautor Santiago Madriñán von der kolumbianischen University of the Andes in Bogotá zusammen. "Mit dem Verständnis der Entwicklung der Schokolade und ihrer Verwandten können wir dem Fortschritt der Industrie helfen und zeigen, dass wir im Zeitalter der Schokolade leben." (Frontiers in Ecology and Evolution, 2015; doi: 10.3389/fevo.2015.00120)
(Frontiers, 11.11.2015 - AKR)
 
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