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Samstag, 03.12.2016
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Wie ernährt sich die Welt im Jahr 2050?

Online-Tool erstellt Zukunftsszenarien für den Nahrungsmittelbedarf im 21. Jahrhundert

Doppelter Nahrungsbedarf, mehr Fleisch, weniger Hunger: So sehen Zukunftsszenarien für den globalen Nahrungsmittelbedarf bis 2050 aus. Die mit einem neuen Online-Tool erstellten Szenarien sagen nicht nur voraus, wie viele Kalorien die wachsende Weltbevölkerung brauchen wird, sondern auch, woher diese Kalorien stammen werden. Für die Entwicklung der Treibhausgasemissionen aus der Landwirtschaft ist dies genauso bedeutend wie für den Kampf gegen den Hunger, verdeutlichen die Forscher im Journal "PLOS ONE".
Reiches Angebot: Die zunehmende Weltbevölkerung benötigt auch immer mehr Essen - wie es produziert wird, ist wichtig für die Zukunft.

Reiches Angebot: Die zunehmende Weltbevölkerung benötigt auch immer mehr Essen - wie es produziert wird, ist wichtig für die Zukunft.

Auf der Erde leben immer mehr Menschen, und der Bedarf an Nahrung für die wachsende Bevölkerung steigt natürlich genauso rasant: In den letzten 50 Jahren hat sich die globale Nahrungsproduktion bereits verdreifacht. Wie sich dieser Bedarf weiter entwickelt und wie er sich zukünftig decken lässt, ist gleich doppelt wichtig: Erstens müssen alle Menschen genug zu essen bekommen. Zweitens müssen zukünftige Modelle auch wachsende Umwelteinflüsse aus der Landwirtschaft einbeziehen.

Nahrungssicherheit, Ernährungsgewohnheiten und Umweltbelastung


"Langzeitvorhersagen des globalen Nahrungsmittelbedarfs sind immens wichtig, wenn es um globale Nahrungssicherheit, um die Ernährungsweise der Menschen oder um Umweltbelastungen wie die landwirtschaftlichen Treibhausgasemissionen geht", sagt Susanne Rolinski vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Zu diesem Zweck haben Rolinski und Kollegen ein Online-Tool entwickelt, mit dem sich solche Vorhersagen in verschiedenen Szenarien treffen lassen.

Das Modell der Wissenschaftler für die Nahrungsmittelnachfrage basiert auf statistischen Analysen historischer Daten zu Ernährungsgewohnheiten und Einkommen für 162 Länder aus den letzten 46 Jahren. Anhand verschiedener Annahmen, zum Beispiel für das Einkommens- und Bevölkerungswachstum, generiert das Online-Tool eine Vielzahl von Szenarien, die auch den Ernährungswandel der Vergangenheit berücksichtigen. "Unsere Studie liefert erstmals eine statistisch robuste Methode, mit der eine Spannbreite möglicher Zukunftspfade für die Entwicklung des Nahrungsmittelbedarfs erstellt werden kann", erklärt Rolinksi.


Doppelter Nahrungsbedarf bis 2050


Die Wissenschaftler gingen bei ihren Prognosen von vier anerkannten globalen sozio-ökonomischen Entwicklungsszenarien des Weltklimarates IPCC aus. Mit dem Online-Tool lassen sich jedoch ohne weiteres auch andere Langzeitszenarien zum Nahrungskonsum in Haushalten in allen Ländern der Welt erstellen.

Die anhand der IPCC-Szenarien erhaltenen Ergebnisse deuten darauf hin, dass der globale Bedarf an Nahrungsmitteln bis 2050 stark ansteigt und sich nahezu verdoppelt. Dabei nimmt vor allem der Anteil an tierischen Produkten zu. Auch die Pro-Kopf-Nachfrage nach Kalorien wird den Simulationen zufolge wohl in allen Weltregionen ansteigen – sei es durch einen höheren tatsächlichen Verbrauch, oder weil in den Haushalten mehr Lebensmittel in den Abfall geworfen werden.

Die Zukunftsszenarien deuten jedoch auch darauf hin, dass der Kampf gegen den Hunger Erfolg zeigt: "Bei kontinuierlichem Einkommenswachstum stehen die Chancen gut, dass Unterernährung, wie sie als Massenphänomen in vielen Ländern existiert, bis zur Mitte des Jahrhunderts stark zurückgehen wird", sagt Studienautor Benjamin Bodirsky vom PIK.

Mehr Tote durch ungesunde Ernährung als durch Hunger


"Doch schon heute verursacht ungesunde Ernährung eine höhere Sterblichkeit als Unterernährung und Hunger", so der Forscher weiter. Ungesunde Ernährungsstile, die reich an rotem Fleisch, Zucker und verarbeiteten Nahrungsmitteln sind, stellen einen wichtigen Risikofaktor für Krankheiten wie Typ-2-Diabetes, Krebs, oder Herz- und Kreislaufkrankheiten dar. Durch den erwarteten enormen Anstieg des Fleischkonsums in Schwellenländern könnte dieser Risikofaktor künftig sogar noch relevanter werden.

"Unsere Studie zeigt einerseits, dass in einigen Regionen, wie in Subsahara-Afrika, Unterernährung in den folgenden Jahrzehnten voraussichtlich fortbestehen wird und ein langfristiges Engagement erfordert", sagt Koautor Hermann Lotze-Campen vom PIK. Andererseits verdeutlichen die Ergebnisse aber auch, dass Menschen in Industrieländern zu einer gesunden Ernährung zurückzukehren müssten, die sowohl Klima und Umwelt als auch der Gesundheit der Menschen zugutekommt, meint der Forscher: "In einigen der reichsten Länder ist der Anteil der auf tierischen Produkten basierenden Kalorien schon jetzt rückläufig." (PLOS ONE, 2015; doi: 10.1371/journal.pone.0139201)
(Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), 05.11.2015 - AKR)
 
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