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Sonntag, 04.12.2016
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Antilopen-Massensterben durch Bakterien

Plötzliche Infektion dezimierte Saiga-Antilopen in Kasachstan katastrophal

Mikrobielle Antilopen-Killer: Forscher haben die Ursache des rätselhaften Massensterbens der Saiga-Antilopen in Kasachstan gefunden: Es geht auf Bakterien zurück. Warum die Erreger jedoch so plötzlich und großflächig zuschlugen und zwei Drittel des Bestandes töteten, ist weiterhin unklar. Experten vermuten, dass geänderte Umweltfaktoren entweder die Antilopen geschwächt oder die Bakterien noch aggressiver gemacht haben – möglicherweise als Folge des Klimawandels.
Rund zwei Drittel der Saiga-Population in Kasachstan verendeten bei dem Massensterben im Mai 2015 an einer hämorrhagischen Septikämie.

Rund zwei Drittel der Saiga-Population in Kasachstan verendeten bei dem Massensterben im Mai 2015 an einer hämorrhagischen Septikämie.

Massenhaft verendete Saiga-Antilopen in der Steppe von Kasachstan hatten Wissenschaftler im Mai dieses Jahres vor ein Rätsel gestellt: Mindestens 150.000 Tiere sind diesem Massensterben nach offiziellen Angaben der kasachischen Regierung zum Opfer gefallen. Das entspricht fast zwei Dritteln der Population in der Steppenregion Betpak Dala in Zentralkasachstan. Die Zahl der tatsächlich verendeten Saiga-Antilopen liegt jedoch wahrscheinlich noch viel höher, da in der kurzen Zeit nicht alle toten Tiere gezählt werden konnten: Eine Zählung der noch lebenden Tiere im Juli dieses Jahres zeigte, dass von zuvor 242.500 Saigas nur noch knapp über 30.000 am Leben sind.

Bestände der Saiga-Antilope (Saiga tatarica) in der Betpak Dala Region in Zentralkasachstan

Bestände der Saiga-Antilope (Saiga tatarica) in der Betpak Dala Region in Zentralkasachstan

Desaströser Rückschlag für den Saiga-Schutz


Das Massensterben der Saigas, die einst in großen Herden durch die weiten Landschaften im Zentrum Kasachstans wanderten, ist doppelt tragisch: Die Betpak Dala Population war bis dahin die weltweit größte Einzelpopulation dieser Antilopen. In den 1990er Jahren hatte Wilderei diese Population verheerend dezimiert und die Population war gerade dabei, sich davon zu erholen.

"Die Bestände waren nach Jahren intensiver Schutzbemühungen endlich wieder auf einem Niveau, das uns Hoffnung gegeben hat, dass die Art gut überleben würde", sagt Michael Brombacher, der den Saiga-Schutz bei der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt koordiniert. Für die Schutzbemühungen ist das Massensterben ein desaströser Rückschlag. Wissenschaftler aus verschiedenen Ländern suchen daher seitdem fieberhaft nach den genauen Ursachen des ungewöhnlichen Massensterbens.


Erste Ergebnisse deuten nun auf Bakterien als Verantwortliche für den extrem schnellen und qualvollen Tod der Tiere hin. Die Arten Pasteurella multocida und Clostridium perfringens haben bei den Saiga-Antilopen offenbar eine sogenannte hämorrhagische Septikämie hervorgerufen. Diese Seuche kommt bei wilden Paarhufern, aber auch bei Rindern vor. Die Bakterien und deren Toxine im Blut der Tiere führen zu einer Infektion im ganzen Körper und lösen Blutungen aus. Die Tiere sterben innerhalb weniger Tage.

Zwei Tage altes Saiga-Kalb

Zwei Tage altes Saiga-Kalb

Infektion synchron über 250.000 Quadratkilometer


Allerdings wurde die Infektion wohl kaum von einem Tier aufs andere übertragen, meinen die Experten: Die Krankheit trat unabhängig voneinander in 13 Gruppen und über eine Fläche von 250.000 Quadratkilometer hinweg fast synchron auf. "Alle Experten gehen im Moment davon aus, dass es einen oder mehrere Umweltfaktoren gibt, die letztendlich dazu führen, dass die Tiere derart geschwächt sind, dass die Bakterien zuschlagen können", berichtet Brombacher. Die überall vorhandenen Erreger hätten demnach den geschwächten Tieren den Todesstoß versetzt.

Eine andere Möglichkeit sei, dass Umweltfaktoren nicht die Saiga-Antilopen geschwächt, sondern die Bakterien gestärkt haben, führt Brombacher weiter aus. Ganz oben auf der Liste der Verdächtigen stehen hier Faktoren im Zusammenhang mit dem Klimawandel. Es sei jedoch noch zu früh, fundierte Schlüsse zu ziehen: "Es könnte sein, dass sich die Umweltparameter in der Steppe geändert haben oder ändern und die Saigas es nicht schaffen, sich daran anzupassen", sagt Brombacher. "Doch das ist im Moment noch Spekulation, wir müssen die Auswertung der Klimadaten der letzten Jahrzehnte für die Region abwarten."
(Zoologische Gesellschaft Frankfurt von 1858 e.V., 04.11.2015 - AKR)
 
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