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Freitag, 30.09.2016
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Wurm-Medikament gegen Malaria

Wirkstoff Ivermectin bekämpft Moskitos und soll Übertragungsketten durchbrechen

Nobelpreis-Medikament gegen Moskitos: Im Kampf gegen Malaria setzen Forscher auf das Wurmmittel Ivermectin, dessen Entdecker kürzlich mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurden. In ersten Praxistests erzielten die Wissenschaftler bereits vielversprechende Resultate. Ivermectin verhindert zwar keine Malaria-Infektionen, bekämpft aber die übertragenden Moskitos und unterbricht so die Übertragungskette. Damit wird es zur neuen Hoffnung im Kampf gegen die zunehmend resistenten Erreger, meinen die Forscher.
Anopheles-Mücke: Überträger des Malaria-Erregers Plasmodium

Anopheles-Mücke: Überträger des Malaria-Erregers Plasmodium

Gegen Tropenkrankheiten wie Flussblindheit und Elephantiasis ist der Wirkstoff Ivermectin ein Segen: Es hat zahllose Menschen vor Blindheit, Schmerzen und entstellend angeschwollenen Gliedmaßen gerettet, die andernfalls die Folgen dieser Krankheiten sein können. Erreger dieser Krankheiten sind parasitische Fadenwürmer, die sich mit Ivermectin wirksam bekämpfen lassen. Auch gegen Parasiten wie Zecken, Milben, und Läuse ist Ivermectin wirksam. Die Entdecker des Ivermectin erhielten vor kurzem den Nobelpreis für Medizin für dieses wichtige Medikament. Die Weltgesundheitsorganisation will Elephantiasis und Flussblindheit bis 2020 mit Hilfe von Ivermectin ganz ausrotten.

Dringend benötigte neue Waffe


Wissenschaftler um Brian Foy vermuten außerdem, dass das Nobelpreis-Medikament gegen noch eine weitere Tropenkrankheit hilft: Malaria entsteht ebenfalls durch Parasiten. Allerdings sind die Malaria-Erreger weder Fadenwürmer noch Krabbeltiere, sondern Einzeller der Art Plasmodium, die sich in roten Blutkörperchen vermehren. Moskitos der Art Anopheles, die den Erreger übertragen, sind jedoch anfällig für Ivermectin. Das Team um Foy berichtet auf dem jährlichen Treffen der American Society of Tropical Medicine and Hygiene (ASTMH) in Philadelphia, Ivermectin könne die die Übertragungskette von Malariainfektionen zu unterbrechen. Damit sei es eine dringend benötigte neue Waffe gegen Malaria.

Die Forscher unterziehen Ivermectin derzeit einem Praxistest im westafrikanischen Burkina Faso. In vier Dörfern bekommt ein Großteil der Einwohner seit einigen Monaten alle drei Wochen eine Dosis des Medikaments verabreicht. In der Region kommt es immer wieder zu schweren Malariaausbrüchen, größtenteils ausgelöst durch Plasmodium falciparum. Typisch für eine Infektion ist unter anderem hohes Fieber.


Rückgang der Fieberausbrüche


Insbesondere bei kleinen Kindern kann die Krankheit dadurch schnell einen ernsten Verlauf nehmen und zu Koma und Tod führen. Dank Ivermectin seien Malariaepisoden bei Kindern jedoch um 16 Prozent zurückgegangen, so das Zwischenfazit. "Wir erwarten in den nächsten Monaten einen weiteren Rückgang der Fieberausbrüche", sagt Studienleiter Foy. "Insbesondere in der kommenden Regenzeit, wenn die Übertragungen üblicherweise einen Höhepunkt erreichen."

Malariainfektionen kann das Medikament der aktuellen Studie zufolge zwar nicht heilen. Es kann aber das Auftreten von Infektionen reduzieren, indem es die fortlaufende Übertragung von Plasmodium-Parasiten durch Stechmücken erschwert. Denn saugen Moskitos Blut von Menschen, die Ivermectin einnehmen, sterben sie entweder sofort oder werden zumindest stark geschwächt.

Gruppenschutz auch für Kinder und Schwangere


Um die Übertragungskette von Malaria nicht nur zu verlangsamen, sondern ganz zu unterbrechen, müssten möglichst viele Bewohner in einem Dorf oder einer Stadt Ivermectin einnehmen, betont Foy. Nur dann treffe das Medikament auch viele Mücken. Und nur dann seien auch jene geschützt, die das Mittel nicht einnehmen dürfen. Im Praxistest bekam ein Großteil der unter fünf Jahre alten Kinder Ivermectin nicht, ebenso wie Schwangere und stillende Mütter. Doch sie profitierten von einem Schutz durch die Gruppe, ähnlich wie bei einer Herdenimmunität durch hohe Impfraten.

Das Potenzial von Ivermectin als effektive Waffe gegen Malaria unterstreicht eine weitere Studie, die Forscher auf der Tagung präsentieren: Demnach kann Ivermectin auch die Entwicklung von Plasmodium vivax Parasiten in Moskitos blockieren – das sind Malariaerreger, die hauptsächlich in Südost-Asien verbreitet sind. Gerade in dieser Region erschweren aufkommende Resistenzen gegen bewährte Malariamedikamente das Eindämmen der Krankheit. "Resistenzen gegen Medikamente und Insektizide nehmen weltweit zu", kommentiert der Präsident der ASTMH, Christopher V. Plowe. "Wir befinden uns an einem kritischen Punkt im Kampf gegen Malaria und müssen dringend neue Strategien entwickeln." Das mit dem Nobelpreis gekrönte Medikament Ivermectin scheint ein lohnender Ansatzpunkt zu sein.
(Foy et al., American Society of Tropical Medicine and Hygiene (ASTMH), 28.10.2015 - DAL)
 
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