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Dienstag, 24.10.2017
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Moschus lockt Wilderer an

WWF: Moschustiere vom Aussterben bedroht

In Asien schwört man auf die Heilkraft von Moschus. Anders als hierzulande oft angenommen, stammt das Sekret nicht vom Moschusochsen, sondern von einer kleinen unscheinbaren Hirschart. Der Rohstoff aus ihren Drüsen findet sich in hunderten von Arzneien. Der Stoff wird insbesondere bei Herz- und Gefäßerkrankungen eingesetzt. Für den Bestand der dämmerungs- und nachtaktiven Tiere ist das allerdings alles andere als gesund, zu diesem Ergebnis kommt der WWF in einem aktuellen Report von TRAFFIC, dem gemeinsamen Artenschutzprogramm mit der Weltnaturschutzunion.
Moschustier

Moschustier

Demnach droht die Jagd auf die begehrten Hirsche außer Kontrolle zu geraten. Besonders dramatisch ist die Situation in Russland. Hier stammen fast 80 Prozent des begehrten Rohstoffes von gewilderten Tieren. Der Zoo Berlin, der ein eigenes Zuchtprogramm für Moschustiere betreibt, hat die jetzt vorgestellte Untersuchung finanziell unterstützt. Gemeinsam mit dem WWF will man jetzt insbesondere in Asien verstärkt auf die gefährdete Art aufmerksam machen. Ziel ist die Einrichtung von Schutzgebieten in den Herkunftsländern. Außerdem gelte es – so der WWF -, den Jagddruck auf die Tiere zu verringern, um das Überleben der Art langfristig zu sichern.

In Europa wird Moschus vor allem mit Parfums in Verbindung gebracht. Als Duftstoff in der Parfümindustrie wird der Stoff jedoch kaum noch genutzt. Der Import in die EU ist seit 1999 verboten und synthetische Ersatzstoffe sind erheblich billiger. Dennoch ist das Geschäft mit den Moschusdrüsen äußerst lukrativ: Für ein Kilogramm Moschus werden in Südkorea bis zu 36.000 Euro gezahlt. Zum Vergleich: Ein Kilo Gold ist derzeit schon für ein Drittel zu haben.

Jagd außer Kontrolle?


„Kein Wunder, dass die Männchen mit ihrem Lockstoff nicht nur Weibchen, sondern auch Wilderer anlocken“, erläutert Volker Homes vom WWF. In den Schlingen der Jäger verfangen sich nicht nur geschlechtsreife männliche Tiere, die das begehrte Sekret produzieren, sondern genauso Weibchen und Jungtiere. Nur eines von vier getöteten Tieren werde tatsächlich genutzt. Die meisten Moschustiere leben im fernen Osten Russlands, der Mongolei und in China. Kleinere Bestände kommen auch in anderen asiatischen Ländern vor. Durch die unkontrollierte Jagd finden sich die Moschustiere in diesem Jahr erneut auf der gerade veröffentlichten Roten Liste der gefährdeten Arten. „Die Hirsche dürfen zwar in Teilen Russlands noch unter strengen Auflagen gejagt werden, aber da die Kontrollen nicht greifen, haben Wilderer weitgehend freie Hand“, berichtet Volker Homes, Herausgeber des Reports.


Heiner Klös, stellvertretender Direktor vom Zoo Berlin, schätzt die Zahl der frei lebenden Tiere auf höchstens 400.000 Exemplare. „Genaue Zahlen liegen nicht vor, doch viele Anzeichen deuten darauf hin, dass der Bestand vielerorts drastisch abgenommen hat.“ So habe das Durchschnittsgewicht der gehandelten Moschusdrüsen in Russland um fast 30 Prozent abgenommen. Dies sei ein deutlicher Hinweis auf den erhöhten Jagddruck. Der WWF fordert, den Wilderern das Handwerk zu legen. Um die Jagd auf ein Niveau zu begrenzen, die das Überleben der Art nicht gefährdet, benötige man genauere Bestandszählungen. Eine vernünftige Jagdquote käme auch der einheimischen Bevölkerung zugute. Dann könnten die Jagdquoten in „moschusreichen“ Gebieten besser ausgeschöpft werden. Das Einkommen der Bevölkerung und der Bestand der Moschustiere bleiben so gesichert.
(WWF, 22.11.2004 - DLO)
 
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