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Donnerstag, 29.09.2016
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Affengebrüll auf Kosten der Hoden

Brüllaffen nehmen geringe Hodengröße für tiefere Stimme in Kauf

Große Klappe, wenig dahinter: Je eindrucksvoller männliche Brüllaffen schreien können, desto kleiner sind ihre Hoden. Besonders ausgeprägt ist dieses Merkmal bei den Harem-Chefs unter den Affen, haben Wissenschaftler herausgefunden. Der Tausch ist eine Folge der sexuellen Selektion, erklären die Forscher im Magazin "Current Biology": Die Affen stecken mehr Energie in den für Paarungsrufe nötigen Stimmapparat als in die Paarungsorgane.

Tiefe Stimme: Rufe eines männlichen Brüllaffen

Brüllaffen sind für ihre beeindruckende Stimme bekannt: Gruppen der Tiere verständigen und warnen sich so auch über große Entfernungen. Die Brüllaffen-Männchen versuchen, sich mit ihrem Geschrei gegenseitig zu übertrumpfen. Auf diese Weise können sie Rivalitäten energiesparender beilegen, als wenn sie sich prügeln oder ähnlich miteinander messen müssten.

Großes Zungenbein für tiefes Gebrüll


Möglich ist den Affen ihr markantes Gebrüll durch ein stark vergrößertes Zungenbein. Doch für ein besonders tiefes und männliches Brüllen zahlen die Männchen einen Preis: Brüllaffen-Arten mit großem Zungenbein und dadurch sehr tiefen Stimmen, haben besonders kleine Hoden, wie Forscher um Jacob Dunn von der Universität Cambridge herausgefunden haben.

Für ihre kurios wirkende Studie untersuchten die Forscher die Dimensionen des Stimmapparates sowie der Hoden bei Männchen von insgesamt neun verschiedenen Brüllaffenarten aus Mittel- und Südamerika. Der Vergleich mit Tonaufnahmen bestätigte zunächst erneut: Affen mit größerem Zungenbein produzieren Töne mit tieferen Frequenzen, was den Eindruck von Größe und Stärke erweckt.


Abtausch zwischen Kehlkopf und Hoden


Dieses Merkmal ist besonders charakteristisch für Arten, bei denen nur ein Männchen in einer Gruppe lebt, zeigten die Untersuchungen. Bei Arten mit einer größeren Zahl von Männchen pro Gruppe, waren die Brüllaffen-Männer deutlich weniger stimmgewaltig. Dafür hatten diese Tiere aber im Vergleich zu den Harems-Chefs größere Hoden, ergaben die Auswertungen. "Im Fall der Brüllaffen konnten wir erstmals einen Abtausch zwischen Kehlkopfgröße und Hodengröße nachweisen", resümiert Co-Autor Tecumseh Fitch vom Department für Kognitionsbiologie der Universität Wien das Ergebnis.

Gemischtes Quartett: Männliche (schwarzes Fell) und weibliche (goldenes Fell) Brüllaffen schreien auch gemeinsam.

Gemischtes Quartett: Männliche (schwarzes Fell) und weibliche (goldenes Fell) Brüllaffen schreien auch gemeinsam.

Doch wie kommt es zu diesem kurios wirkenden Zusammenhang? Den Forschern zufolge bekräftigt das Ergebnis Charles Darwin's Theorie über die Effekte von sexueller Selektion: Sie besagt, dass Arten in der Fortpflanzung oft Kompromisse zwischen Merkmalen eingehen, die im Wettbewerb um Partner vorteilhaft sind und jenen, die zur Befruchtung dienen.

Sexuelle Selektion


Im Fall der Brüllaffen bedeutet das konkret: "Die Investition, einen mächtigen Stimmapparat zu entwickeln und zu brüllen mag so hoch sein, dass womöglich die Energie einfach nicht mehr reicht, um größere Hoden zu produzieren", interpretiert Dunn: "Alternativ kann es sein, dass ein großer Stimmapparat zur Abwehr von Rivalen so effizient ist, dass es gar nicht nötig ist, größere Hoden zu entwickeln".

Die Wissenschaftler wollen sich nun auch weiterhin der Erforschung der stimmgewaltigen Affen widmen. Im Fokus stehen nun aber offenbar nicht mehr die Genitalien der Tiere, sondern ihre akustischen Geheimnisse: Detaillierte Analysen der Anatomie des Stimmapparates sollen ein besseres Verständnis über die beeindruckende Schallentwicklung der Brüllaffen-Rufe liefern, sagen Dunn und seine Kollegen. (Current Biology, 2015; doi: 10.1016/j.cub.2015.09.029)
(Universität Wien / Cell Press, 23.10.2015 - MVI)
 
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