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Sonntag, 04.12.2016
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Besser in Mathe durch eine App?

Schon einmal in der Woche gemeinsames Knobeln stärkt die Leistungen des Kindes

Zahlenspiele statt Vorlesen: Wer mit seinem Kind ein Zahlen-Lernspiel spielt oder gemeinsam an einer Mathe-App knobelt, der tut viel für dessen künftige Schulleistungen. Denn eine Studie zeigt: Erstklässler, die mit ihren Eltern regelmäßig eine Mathe-App nutzten, waren am Ende des Schuljahres in ihrer mathematischen Entwicklung drei Monate weiter als ihre Altersgenossen. Das kann besonders den Kindern helfen, deren Eltern selbst Angst vor Mathe haben, betonen die Forscher im Fachmagazin "Science".
Spielerisch und gemeinsam mit den Eltern - so macht Mathe Spaß

Spielerisch und gemeinsam mit den Eltern - so macht Mathe Spaß

Das abendliche Vorlesen gehört in vielen Familien zur festen Routine. Die gemeinsam mit den Büchern verbrachte Zeit fördert nicht nur den Familienzusammenhalt, sie trägt auch dazu bei, die geistige Entwicklung der Kinder zu fördern, wie Studien belegen. Später in der Schule profitieren auch die Lese- und Schreibfähigkeiten der Kinder davon.

Zahlenspiele bringen Kinder voran


Weitaus stiefmütterlicher wird dagegen die Mathematik behandelt: In kaum einer Familie sprechen Eltern mit ihren Kindern über Zahlen oder lösen spielerisch einfache Textaufgaben. Kein Wunder: Für viele Menschen ist Mathe selbst nach der Schulzeit ein Angstgegner. Für die Kinder hat das jedoch nachhaltige Folgen, wie Talia Berkowitz und ihre Kollegen von der University of Chicago erklären.

"Je häufiger Eltern mit ihren Kindergartenkindern über Zahlen reden, desto besser begreifen die Kinder später grundlegende Konzepte der Mathematik", so die Forscher. Ähnliches gilt auch für die Geometrie: Wenn Eltern gemeinsam mit ihren Sprösslingen häufiger spielerisch verschiedene Formen nutzen, vergleichen oder anderweitig auf sie hinweisen, dann verbessert dies später das räumliche Denken.


Vorlesen oder Mathe-Spiele


Berkowitz und ihre Kollegen haben nun eine einfache und verblüffend wirksame Methode entwickelt, um Eltern und ihren Kindern den spielerischen Umgang mit Mathematik zu erleichtern: mit einer App. Für ihre Studie rüsteten sie die Familien von 587 Schulanfängern mit iPads aus, auf denen entweder eine Vorlese-App installiert war oder aber eine Mathe-App. Diese kostenlose App bot einfache, interaktive Textaufgaben und weitere Quizze und Spiele, in denen es um Zahlen, einfaches Zählen und Rechnen und Geometrie ging.

Die Aufgaben waren so angelegt, dass sie von Eltern und Kindern gemeinsam gelöst werden sollten. Denn wie Studien zeigen, erhöht gerade die Interaktion von Eltern und Kindern den Lerneffekt beträchtlich. Am Anfang der ersten Klasse und noch einmal am Ende des Schuljahres testeten die Forscher alle Kinder auf ihre mathematischen Fähigkeiten und Fortschritte hin.

Den anderen drei Monate voraus


Das Ergebnis: Die Kinder, in deren Familie die Mathe-App im Einsatz war, machten erheblich mehr Fortschritte als die Kinder aus der Lese-Gruppe. "Je mehr die Eltern und ihre Kinder die App nutzten, desto höher waren die mathematischen Fähigkeiten der Kinder am Ende des Schuljahres", berichten die Forscher. Die Fortschritte waren selbst dann sichtbar, wenn die Familien die Mathe-App nur einmal in der Woche einsetzten.

Und noch etwas zeigte sich: Gerade die Kinder, deren Eltern selbst Angst vor Mathematik haben, profitieren offenbar am meisten. Im Experiment waren sie ihren nur lesenden Altersgenossen am Ende des Schuljahres in Mathe um drei Monate voraus. "Diese Intervention ist damit eine billige, hochwirksame Methode, um sicherzustellen, dass die Unsicherheit und Abneigung der Eltern gegenüber Mathe nicht auch ihre Kinder benachteiligt", so Berkowitz und ihre Kollegen.

Zu viel Multimedia lenkt eher ab


Angesichts des millionenschweren Markts mit Bildungsmedien und Apps sind diese Erkenntnisse von nicht geringer Bedeutung, wie die Forscher betonen. Denn bisher gibt es nur wenige Untersuchungen dazu, wie effektiv Lernspiele und interaktive Apps tatsächlich sind – und wie sie beschaffen sein müssen, damit sie die entsprechenden Leistungen der Kinder fördern.

Erste Studien zeigen allerdings, dass sogenannte enhanced E-Books – elektronische Bücher, die durch Bilder, Filme und sonstige Multimedia-Inhalte ergänzt sind – eher kontraproduktiv sind: Sie lenken eher ab und tragen daher nicht dazu bei, die Lesefähigkeit der Kinder zu fördern, wie die Forscher berichten. Sie wählten daher bewusst eine Mathe-App, die wenig Animationen, Videos oder Töne enthielt. Zudem sei es wichtig, dass eine Lern-App das Gespräch von Eltern und Kindern fördert, betont Berkowitz. (Science, 2015; doi: 10.1126/science.aac7427)
(University of Chicago, 09.10.2015 - NPO)
 
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