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Montag, 27.06.2016
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"Verlorene Welt" im hohen Norden entdeckt

Überraschender Fund von tausenden von Dinosaurier-Fossilien im Norden Alaskas

Dinos im Schnee: Im hohen Norden Alaskas haben Paläontologen überraschenderweise tausende von Dinosaurier-Fossilien entdeckt. Die Urzeit-Echsen lebten vor rund 69 Millionen Jahren in einer Gegend, die im Winter monatelang dunkel wurde und in der es häufig schneite. Wie diese Dinosaurier dies überstanden, ist bisher ein Rätsel. Die Forscher vergleichen ihren Fund daher mit der Entdeckung einer "verlorenen Welt" und rechnen mit dem Fund weiterer, noch unbekannter Arten.
Wie schafften es diese Entenschnabel-Dinosaurier,  vor 69 Millionen Jahren im hohen Norden zu überleben?

Wie schafften es diese Entenschnabel-Dinosaurier, vor 69 Millionen Jahren im hohen Norden zu überleben?

Während der Kreidezeit herrschte auf der Welt ein warmes Treibhausklima. Für die Dinosaurier und andere große Reptilien war das perfekt, denn die Wärme ließ Pflanzen sprießen und sorgte für eine ausreichend hohe Körpertemperatur. Selbst die Pole waren damals eisfrei und vegetationsreich. Die heutige Antarktis lag zudem damals sehr viel weiter nördlich und deshalb konnten auch dort riesenhafte Dinosaurier leben, wie Fossilfunde vor einigen Jahren zeigten.

Tausende von Dinosaurier-Knochen


Anders sieht dies dagegen mit dem hohen Norden Alaskas aus: Diese Region lag auch vor knapp 70 Millionen Jahren etwa am 80. nördlichen Breitengrad und damit jenseits des Polarkreises. Das aber bedeutet, dass es dort im Winter monatelang nicht hell wurde und trotz Treibhausklimas auch Schnee fiel. Die Durchschnittstemperaturen lagen bei rund sechs Grad – für ein Reptil nicht gerade Wohlfühl-Temperatur.

Umso erstaunlicher, was Greg Erickson von der Florida State University in Tallahassee und seine Kollegen nun im Norden Alaskas entdeckten. In einer rund 69 Millionen Jahre alten Gesteinsformation am Colville River stießen sie neben vielen anderen Tierknochen auf die Relikte einer bis dato unbekannten Dinosaurierart. In der nur 60 bis 90 Zentimeter dicken Gesteinsschicht lagen tausende von Skelettteilen dieses Sauriers eng beieinander.


Einige der am Colville River entdecktne Dinosaurier-Knochen

Einige der am Colville River entdecktne Dinosaurier-Knochen

Neun Meter lange Pflanzenfresser


Die meisten dieser Fossilien stammen von Jungtieren, wie die Paläontologen berichten. Sie waren erst rund 2,70 Meter lang und hatten eine Hüfthöhe von rund einen Meter. Doch die Skelette einiger ausgewachsener Exemplare zeigen, dass diese Ugrunaaluk kuukpikensis getaufte Saurierart bis zu neun Meter lang wurde.

Vergleichende Untersuchungen ergaben, dass diese Art eng mit dem Edmontosaurus verwandt ist und daher wahrscheinlich auch zu den Entenschnabelsauriern gehörte. Dass diese Pflanzenfresser in der Kreidezeit ungewöhnlich weit nach Norden vordrangen, hatte sich bereits 2014 gezeigt. Damals entdeckten Forscher tausende Fußspuren solcher Dinosaurier im Denali-Nationalpark in Alaska. Doch der jetzige Fund liegt sogar noch weiter nördlich.

Tod einer ganzen Herde


"Der Fund von Dinosauriern so weit nördlich widerspricht allem, was wir bisher über die Dinosaurier-Physiologie zu wissen glaubten", sagt Erickson. "Es weckt die Frage wie diese Tiere dort überleben konnten." Bisher geht dies aus den Knochenfunden nicht hervor. Auffällig ist nur, dass an diesem Ort offenbar eine ganze Herde von Jungtieren auf einmal den Tod fand. Der Grund dafür ist jedoch ebenfalls noch unbekannt.

{3l}Doch Ugrunaaluk kuukpikensis war damals bei weitem nicht der einzige Dinosaurier in dieser Gegend, wie die Paläontologen feststellten. Denn neben seinen Knochen fanden sie auch noch Zähne und Skelettreste von mindestens 13 weiteren Dinosaurierarten, dazu unzähligen Vögeln, kleinen Säugetieren und einigen Fischen. Diese damals an der Küste gelegene sumpfige Ebene war offenbar trotz Kälte und Dunkelheit ein beliebter Lebensraum.

"Verlorene Welt" der Kreidezeit


"Was wir hier gefunden haben, ist im Prinzip eine verlorene Welt der Dinosaurier mit vielen Formen, die für die Wissenschaft völlig neue sind", sagt Erickson. Er und seine Kollegen wollen daher mit den Ausgrabungen fortfahren und hoffen, dabei noch mehr Informationen über die rätselhaften Polar-Dinosaurier zu finden.

"Alaska ist wirklich die letzte Grenze. Es ist in Bezug auf die Paläontologie der Wirbeltiere bisher so gut wie unerforscht", sagt Erickson. "Wir denke daher, dass wir noch sehr viel mehr neue Arten finden werden." Einfach ist die Arbeit im hohen Norden allerdings nicht: Die Forscher kommen nur mittels Kleinflugzeugen und Schlauchbooten an ihre Ausgrabungsplätze und müssen sich zum Teil sogar von Klippen abseilen. (Acta Palaeontologica Polonica, 2015; doi: 10.4202/app.00152.2015
(Florida State University , 23.09.2015 - NPO)