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Mittwoch, 28.09.2016
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Goliaths Erbe zeigt sich in Israels Natur

Einige Pflanzen- und Tierarten der Region wurden erst von den Philistern eingeführt

Bronzezeitliche Importe: Ohne die Philister gäbe es im heutigen Israel weder Mohn, noch Lorbeer, Kreuzkümmel oder die Maulbeer-Feige. Denn erst das geheimnisvolle Seevolk brachte diese Pflanzen mit, als es vor rund 3.200 Jahren die Küsten des alten Kanaan eroberte. Sogar die heutigen Wildschweine der Region verdanken ihr genetisches Erbe den Philistern, denn sie stammen von Schweinen ab, die diese mitbrachten, wie Forscher im Fachmagazin "Scientific Reports" berichten.
Ein alter Maulbeer-Feigenbaum (Ficus sycomorus) im israelischen Aschkelon - ohne die Philister gäbe es ihn nicht.

Ein alter Maulbeer-Feigenbaum (Ficus sycomorus) im israelischen Aschkelon - ohne die Philister gäbe es ihn nicht.

In der Bibel kommen die Philister nicht gut weg, denn sie sind über Generationen die Feinde der Israeliten. Immer wieder liefern sich beide erbitterte Kämpfe. Erst der legendäre Kampf Davids gegen den Philister Goliath soll der Überlieferung nach dieses vom Mittelmeer her eingedrungene Volk vertrieben oder zumindest zurückgedrängt haben. Überreste von Goliaths Heimstadt Gat haben Archäologen erst vor kurzem ausgegraben.

Rätselhafte Seevölker


Aber auch aus historischen Aufzeichnungen der Ägypter sind dort "Peleset" genannten Philister bekannt: Sie gehörten wahrscheinlich zu den sogenannte Seevölkern, einer bis heute rätselhaften Gruppe von nomadischen Einwanderern, die um 1200 vor Christus Städte und Handelskarawanen im gesamten Mittelmeerraum überfielen. Wer diese Menschen waren und woher sie kamen, ist jedoch bis heute unbekannt.

Erst am Ende der Eisenzeit um 600 vor Christus verliert sich die Spur dieser rätselhaften Kultur. Doch wie sich jetzt zeigt, haben die Philister in der Pflanzen- und Tierwelt des Nahen Ostens nachhaltige Spuren hinterlassen – bis heute. Denn als sie die Küste von Israel besiedelten, brachten sie auch viele der aus ihrer Heimat stammenden Pflanzen und Tiere mit, wie Suembikya Frumin von der Bar-Ilan Universität in Ramat Gan und ihre Kollegen herausfanden.


Pflanzenstruktur zur Eisenzeit: Rote Anteile sind die Arten, die nur an einstigen Philister-Siedlungen gefunden wurden.

Pflanzenstruktur zur Eisenzeit: Rote Anteile sind die Arten, die nur an einstigen Philister-Siedlungen gefunden wurden.

Pflanzenimporte aus verschiedensten Gegenden


So gäbe es ohne die Philister in Israel weder den Schlafmohn, noch die Maulbeer-Feige (Ficus sycomorus) oder das Gewürz Kumin (Kreuzkümmel). "Die essbaren Teile dieser Pflanzen finden sich in archäobotanischen Funden erst ab der Eisenzeit, als die Kultur der Philister zuerst in der Region auftauchte", berichtet Frumin. Bis heute wachsen diese Pflanzen in Israel nicht wild, sondern kommen nur als Kulturpflanzen vor.

Das Interessante daran: Diese drei Pflanzen stammen ursprünglich aus ganz unterschiedlichen Gegenden: die Feige aus Ägypten, der Mohn aus Westeuropa und Kumin aus dem Gebiet östlich des Mittelmeers. Dies könnte nach Ansicht der Forscher die multiethnische Zusammensetzung dieses mysteriösen Seevolks widerspiegeln und auch ihre verworrene Ausbreitungsgeschichte. Aber auch der echte Lorbeer und Koriander wurden erst von den Philistern nach Israel gebracht.

Neue Landwirtschaft und fremde Schweine


Zudem brachten die Philister eine für diese Region völlig neue Art der Landwirtschaft mit sich und kultivierten dabei auch einheimische Pflanzen, die von den Kanaanitern zuvor nicht genutzt worden waren. Mehr als 70 solcher Pflanzen, darunter Portulak, Wilder Rettich und wilde Bohnen, wurden nur im Siedlungsgebiet der Philister gefunden, nicht aber in der Zeit vor ihrer Einwanderung oder in den Gebieten anderer zeitgenössischer Kulturen, wie die Forscher berichten.

Und auch in der Tierwelt hinterließen die Philister ihre Spuren: Sie brachten damals offenbar ihre Schweine mit, die sich im Laufe der Zeit auch mit den dort einheimischen Wildschweinen vermischten. Als Folge tragen die heute in Israel lebenden Wildschweine nicht die lokale nahöstliche Gensignatur, sondern eine europäische, wie Genanalysen ergaben.

Zusammen zeigen diese Ergebnisse, dass auch die Pflanzen- und Tierwelt dazu beitragen kann, das Rätsel mancher vergangener Kulturen weiter zu ergründen. Gleichzeitig hilft das Wissen um die Geschichte zu verstehen, wie die Fauna und Flora bestimmter Gegenden zu dem wurde, was sie heute ist. (Scientific Reports, 2015; doi:10.1038/srep13308)
(Bar-Ilan University, 31.08.2015 - NPO)
 
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