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Mittwoch, 28.09.2016
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Warum wir im Traum die Augen bewegen

"Rapid Eye Movements" spiegeln tatsächlich Seheindrücke im Traum wider

Vermutung bestätigt: Forscher haben herausgefunden, welche Ursache unsere schnellen Augenbewegungen im Traumschlaf haben. Sie sind keine unwillkürlichen Zuckungen, sondern spiegeln tatsächlich Seheindrücke unserer Träume wider. Denn während dieser sogenannten REM-Phasen feuern im Gehirn genau die Hirnareale, die auch im Wachzustand neue Bilder verarbeiten, wie die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature Communications" berichten.
Im Traumschlaf bewegen sich nunsere Augen - folgen sie unseren träumenden Seheindrücken?

Im Traumschlaf bewegen sich nunsere Augen - folgen sie unseren träumenden Seheindrücken?

Warum träumen wir? Und was passiert dabei im Gehirn? Das Träumen ist die faszinierendste Phase unseres Schlafs – und eine noch immer ziemlich rätselhafte. So weiß man zwar, dass der Traum wichtig für unsere seelische Gesundheit ist und kann sogar schon die Gedanken eines Träumenden lesen. Aber vieles andere rund um den REM-Schlaf ist noch unklar.

Spiegeln unsere Augen das Sehen im Traum wider?


Eines der ungelösten Rätsel: Während des REM-Schlafs bewegen sich unsere Augen unter den geschlossenen Lidern schnell hin und her. Aber warum? Sind es nur reflexartige Bewegungen, ähnlich einem unwillkürlichen Zucken? Oder spiegeln diese Augenbewegungen vielleicht sogar wider, wohin wir gerade im Traum schauen?

"Die Rapid Eye Movements sind den typischen Sakkaden während unserer Wachperioden sehr ähnlich", erklären Thomas Andrillon von der University of Wisconsin-Madison und seine Kollegen. Doch den Zusammenhang zur Blickrichtung im Traum zu beweisen, war bisher schwierig. Denn wer träumt, den kann man nicht fragen, was er gerade sieht.


Beim REM-Schlaf sind visuelle Areale im Schläfenlappen (rot) aktiv.

Beim REM-Schlaf sind visuelle Areale im Schläfenlappen (rot) aktiv.

Elektroden tief im Gehirn


Doch den Forschern kam ein glücklicher Zufall zu Hilfe: In einer Uniklinik in Kalifornien warteten 19 Epilepsiepatienten auf ihre Operation und hatten zu deren Vorbereitung Elektroden tief in ihr Gehirn eingepflanzt bekommen. Diese Elektroden boten den Wissenschaftler die einmalige Gelegenheit, die Aktivität des Gehirns und speziell der Sehzentren beim REM-Schlaf zu erfassen und diese Signale mit den Augenbewegungen zu vergleichen.

"Wir konzentrierten uns dabei auf die Aktivität spezifischer Neuronen im Schläfenlappen", berichtet Koautor Yuval Nir von der Universität Tel Aviv. Denn Studien zeigen, dass diese Regionen aktiv werden, wenn wir Bilder von bekannten Persönlichkeiten oder Orten sehen – oder uns solche Bilder nur vorstellen. Während die Patienten im aktuellen Experiment schliefen und träumten, zeichneten die Forscher ihre Hirnaktivität über die Elektroden, aber auch mittels Elektroenzephalogramm (EEG) auf. Zusätzlich registrierten sie die Muskelspannung und die Augenbewegungen.

Typisches Muster spricht für Zusammenhang


Und tatsächlich: Der Vergleich ergab, dass sich die Augen der Träumenden immer dann bewegten, wenn das Areal im Schläfenlappen feuerte. "Die Hirnaktivität während des REM-Schlafs war denen sehr ähnlich, die beim Betrachten neuer Bilder im Wachzustand auftreten", berichtet Nir. "Viele Neuronen zeigten einen plötzlichen Ausbruch der Aktivität, wie er typischerweise beobachtet wird, wenn diese Zellen neue Eindrücke verarbeiten."

Nach Ansicht der Forscher spricht dies dafür, dass die Augenbewegungen beim Traumschlaf tatsächlich eng mit unseren visuellen Eindrücken im Traum verknüpft sind. Die schnellen Augenbewegungen ereignen sich demnach in dem Moment, in dem wir im Traum einem neuen Bild begegnen. "Unsere Ergebnisse sprechen dafür, dass die Augenbewegungen im Schlaf konkrete Momente der visuellen Verarbeitung widerspiegeln – ähnlich wie im Wachzustand", so Andrillon und seine Kollegen. (Nature Communications, 2015; doi: 10.1038/ncomms8884)
(NAture / American Friends of Tel Aviv University, 13.08.2015 - NPO)
 
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